In seiner Heimat Senegal ist Oumar Ndiaye Xosluman schon lange kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bereits 4 Alben hat er dort veröffentlicht, Filmmusiken komponiert und auch als Schauspieler gearbeitet. Aufgewachsen ist Ndiaye auf der geschichtsträchtigen Insel Gorée vor Dakar. Seine Musik kombiniert die Rhythmen der Serer mit dem Sound der Wolof und der Fulani. Basierend auf traditionellen Instrumenten bietet er eine Mischung aus westafrikanischen Rhythmen und melancholischem Singer/Songwriter Material.
Talibé ist ein rein akustisches Werk, bei dem Ndiaye neben dem Gesang auch Gitarre spielt. Die Begleitung besteht aus meist zurückhaltenden Percussion, hier und da einer Kora und weiblichem Chorgesang. Seine Texte bewegen sich zwischen religiösen und sozialkritischen Themen, so geht es im ersten Stück Soutoura um gegenseitigen Respekt, angelegt als atmosphärischen, westafrikanischen Blues. Das Titelstück handelt von der Ausbeutung von Kindern und erinnert nicht nur wegen des Saxophons an seinen Landsmann Daby Balde. Senegal, eine Ode an seine Heimat, sorgt mit einem leicht psychedelischen Einschlag für eine unglaubliche Atmosphäre und zeigt, dass Ndiaye nicht nur ein herausragender Interpret sondern auch ein großartiger Songwriter ist. Die wenigen Effekte werden immer dezent und songdienlich integriert. Ein weiterer Höhepunkt auf diesem an Höhepunkten nicht armen Album ist das Stück Rassoul, das mit einer wuderbaren Melodie ausgestattet ist und bei dem Ndiaye einmal mehr auch an der Gitarre zu überzeugen weiß. Das Stück ist ein einerseits ein Loblied auf den Islam verurteilt andererseit aber auch religiösen Fanatismus. Marriage Précoce richtet sich gegen die in senegalesichen Dörfern immer noch weit verbreiteten arrangierten Hochzeiten vor allem Minderjähriger, behutsam und sehr intim umgesetzt. Mit Yaguena gibt es schließlich ein veröhnliches Ende in Form eines Liebesliedes.
Mit Talibé präseniert sich nun also ein weiterer herausragender Singer/Songwriter aus dem Senegal. Bleibt zu hoffen, dass dies nicht das letzte musikalische Lebenszeichen auf internationaler Bühne bleiben wird.
(Dakar Sound / 2010)
Freitag, 18. Juni 2010
Mittwoch, 16. Juni 2010
Youssou N'Dour - Dakar-Kingston
Leider ist Dakar-Kingston nur eine zwiespältige Angelegenheit geworden. So fehlt es dem Album bisweilen an der nötigen Schärfe bzw. Ecken und Kanten. Schon allein der Titel Dakar-Kingstin ließ auf eine enzigartige Mischung aus Reggae und Mbalax hoffen, eine Hoffnung, die auf diesem Album leider nur selten und auch nur in Ansätzen erfüllt wird. Der größte Schwachpunkt des Album kommt gleich zu Beginn, das Stück Marley, an dem überflüssigerweise auch noch Yusuf Islam mitgeschrieben hat, ist eine sülzige Ode an die verstorbene Reggae Legende. Wenn man das überstanden hat, bietet das Album durchaus ein paar bessere Momente, aber der ganz große Wurf gelingt nicht. So ist die reggaeinfizierte Version von Medina, dessen Originalversion auf dem Album Set zu finden ist, recht gut gelungen und das mit Patrice vorgetragene Joker sogar ein echtes Highlight, aber zwischendurch wird es immer wieder allzu gefällig und auch zahnlos, wenngleich man dem Album zu gute halten muss, dass es glücklicherweise zu keinem Zeitpunkt in A La La La La Long Gefilde abdriftet. Ebenfalls auf der Habenseite befindet sich das Stück Bamba, urspünglich auf dem Album The Guide (Wommat) veröffentlicht. Es gibt auch ein paar neue Songs, von denen sich noch am besten Diarr Diarr und Bagn Len behaupten können. Am ehesten die Erwartungen erfüllt das Immigès Stück Pitche me ganz am Ende das Albums. Die Produktion wirkt hier etwas pointierter und man bekommt eine Ahnung davon, was aus diesem Album hätte werden können.
Dakar-Kingston zählt sicher nicht zu Youssou N'Dours besten Alben und wenn man sich die in etwa zeitgleich veröffentlichte Étoile De Dakar Retrospektive anhört, wünscht man sich, er wäre genauso mutig und unbedarft vorgegangen, wie einst in den späten 70ern und frühen 80ern.
Mittwoch, 2. Juni 2010
African Spacecraft 5
Sendetermin: 01.06.2010
Playlist:
01 Fela Ransome Kuti & His Koola Lobitos - Mi O Mo
02 The Mebusas - Mr Bull Dog
03 SJOB Movement - Stone Funk
04 The Sweet Talks - Sasa Abonsam
05 Hedzoleh Soundz - Kaa Ye Oyai
06 King Ayisoba - Modern Ghanaians
07 K'NAAN - What's Hardcore?
08 K'NAAN - If Rap Gets Jealous
09 Pastor Mbhobho - Ayobaness
10 Philip Malela - Tiba Kamo
11 Simphiwe Dana - Vela
12 Ali Farka Toure - Pieter Botha
Playlist:
01 Fela Ransome Kuti & His Koola Lobitos - Mi O Mo
02 The Mebusas - Mr Bull Dog
03 SJOB Movement - Stone Funk
04 The Sweet Talks - Sasa Abonsam
05 Hedzoleh Soundz - Kaa Ye Oyai
06 King Ayisoba - Modern Ghanaians
07 K'NAAN - What's Hardcore?
08 K'NAAN - If Rap Gets Jealous
09 Pastor Mbhobho - Ayobaness
10 Philip Malela - Tiba Kamo
11 Simphiwe Dana - Vela
12 Ali Farka Toure - Pieter Botha
Labels:
Ali Farka Toure,
K'Naan,
Playlist,
Simphiwe Dana
Montag, 17. Mai 2010
Victor Démé - Deli
Im Frühjahr 2008 kam Démé erstmals nach Europa, um bei Konzerten sein Debütalbum, dessen Produktion ca. 2000€ gekostet hat, vorzustellen. Ein bescheidener Erfolg ließ nicht lange auf sich warten und so wurde das Album vom britischen Songlines Magazin zu einem der Alben des Jahres nominiert und später von Radio France International (RFI) zum Album des Jahres gewählt. Vom Verdienst ließ sich Démé auf sein Anwesen in Burkina Faso fließend Wasser und Strom legen, von dem auch die Nachbarschaft profitiert. Darüber hinaus holte er seine Töchter aus Côte D'Ivoire zurück nach Burkina Faso.
Wie schon das Debüt überzeugt auch Deli durch seinen schier unglaublichen Melodienreichtum wobei die Songs zum Teil noch melancholischer geraten sind. Ansonsten hat sich nicht viel geändert, schon alleine deshalb, weil Victor Démé selbst nicht allzu viel ändern wollte. Er hatte zwar während seines Aufenthalts in Europa auch moderne Studios in Paris und London kennengelernt, was ihn aber jedoch wenig beeindruckte. Am liebsten schreibt er seine Songs auf seinem Anwesen um sie dann in Ouagadougou in den Ouagajungle Studios mit Musikern aus der dortigen Szene aufzunehmen. Neben seiner großartigen Stimme verfügt Démé, wie bereits erwähnt, über ein außerordentliches Gespür für gleichermaßen eindringliche wie eingängige Melodien, die sich stilistisch irgendwo zwischen Blues und Manding Folk bewegen. Einige neue Nuancen bietet das Album aber dennoch, so bewegt sich das Stück Maa Gâafora deutlich in Richtung Country, was auch seine Vorliebe für amerikanische Westernfilme unterstreicht. Bei Méka Déen sorgt der Einsatz eines Akkordeons für seltsam anmutende Walzerklänge und eine Violine macht Teban Siyala noch einen Tick trauriger. Die perfekte Synthese aus Manding Folk und Afrobeat bietet schließlich das Stück Wolo Baya Guéléma, dessen Saxophon Parts von keinem geringeren als Femi Kuti eingespielt wurden. Am Ende steht dann noch das traditionelle, auf Balafon und Ngoni basierende Tan Ni Kéléen.
Deli ist ein äußerst kurzweiliges Vergnügen und als Album sogar noch ein kleines Bisschen besser als das Debüt, was man so kaum erwarten konnte.
(Chapa Blues / 2010)
Simphiwe Dana - Live in Heidelberg, 16.05.2010
Eher zufällig habe ich von diesem Konzert erfahren, weder auf ihrer Homepage noch auf ihrer MySpace Seite war davon die Rede. Vom bereits angekündigten neuen Album findet man kaum Informationen, auch die Künstlerin selbst hat während dem Konzert nichts davon erwähnt, ein paar neue Stücke hat sie aber dennoch gespielt, zumindest waren sie mir nicht bekannt. Vor ca. 2 Jahren hat Simphiwe Dana zum ersten mal im Heidelberger Karlstorbahnhof gespielt, damals während einer kalten Winternacht im Februar, was zu der scherzhaften Aussage führte, dass in ihrer Heimat kein Mensch bei solchen Temperaturen das Haus verlassen würde, geschweige denn zum einem Konzert gehen. Dieses mal war es eine nicht ganz so laue Frühlingsnacht und schon vor dem Konzert konnte man durch einen Blick auf die Bühne erkennen, dass es dieses mal etwas anders werden würde. Zu sehen war ein Flügel, der schon den halben Platz zu beanspruchen schien und ich fragte mich, wo den all die Musiker stehen sollten. Doch dieses mal standen 3 Personen weniger auf der Bühne und was sich auf dem Album The One Love Movement On Bantu Biko Street schon andeutete, wird mit dem kommenden Album nun konsequent fortgesetzt. Die musikalische Begleitung bestand aus Piano, Kontrabass und Schlagzeug die noch von 2 Chorsängern unterstützt wurden. Dadurch ging die Musik noch deutlicher in Richtung Jazz und auch die Stücke der ersten beiden Alben wurden dementsprechend neu arrangiert. Und diese neuen Arrangements standen Songs wie Bantu Biko Street, Vukani oder Ndiredi ausgesprochen gut. Erweitert wurden die meisten Stücke um solistische Einlagen, bei denen vor allem der Schlagzeuger hervorstach. Einmal durfte die Band aber dann doch die Bühne verlassen und im Gegensatz zum ersten Auftritt 2008 gab es dieses mal mit Vela auch ein A-Capella Stück. Ganz im Mittelpunkt stand aber natürlich einmal mehr Simphiwe Dana selbst mit ihrer ungeheuren Bühnenpräsenz einerseits und ihrer sympathischen Ausstrahlung andererseits und ganz zu schweigen von ihrer phantastischen Stimme.
Alles in allem war es mal wieder ein rundum gelungenes Konzert, das die Vorfreude auf das kommende Album nur noch steigert, wann immer es veröffentlicht werden mag.
Alles in allem war es mal wieder ein rundum gelungenes Konzert, das die Vorfreude auf das kommende Album nur noch steigert, wann immer es veröffentlicht werden mag.
Mittwoch, 5. Mai 2010
African Spacecraft 4
Sendetermin: 04.05.2010
Playlist:
01 Mamar Kassey - Foulbe Gari
02 Etran Finatawa - Daim Walla
03 Group Bombino - Imouhare
04 Les Espoirs De Coronthie - Baydi
05 Nuru Kane - Anna
06 Dobet Gnahoré - Nfletoun
07 Manou Gallo - Nalingiyo
08 Ali Farka Toure - Hani
09 Boubacar Traoré - Horonia
10 Femi Kuti - Scatta Head
Playlist:
01 Mamar Kassey - Foulbe Gari
02 Etran Finatawa - Daim Walla
03 Group Bombino - Imouhare
04 Les Espoirs De Coronthie - Baydi
05 Nuru Kane - Anna
06 Dobet Gnahoré - Nfletoun
07 Manou Gallo - Nalingiyo
08 Ali Farka Toure - Hani
09 Boubacar Traoré - Horonia
10 Femi Kuti - Scatta Head
Mittwoch, 21. April 2010
Etran Finatawa - Tarkat Tajje / Let's Go
Etran Finatawa bedeutet übersetzt etwa "Sterne der Tradition" und genau zwei Traditionen unterschiedlicher Kulturen vereint diese Band aus der Republik Niger. Sie ist die einzige Band, welche die Kulturen der Wodaabe, ein Nomadenstamm der Fulani, und den Tuareg kombiniert und heraus kommt dabei eine einzigartige Mischung aus Nomadenblues und hypnotischen Rhythmen. Gegründet wurde die Band im Jahr 2004 und wurde im Niger sehr schnell bekannt. Festivalauftritte in Mali und Marokko folgten und 2006 schließlich erschien in der Introducing Reihe des Worldmusic Networks das Debütalbum, das auch für den BBC Award nominiert wurde. Ein weiteres Album Desert Crossroads warf 2008 einen nostalgischen Blick auf das Nomadenleben und verschaffte der Band weltweit Auftritte.
Das neue Album Tarkat Tajje geht zumindest was die Texte angeht einen weniger traditionellen Weg, bleibt aber den musikalischen Wurzeln treu, wobei die Aufgaben klar verteilt sind: für die bluesigen Gitarren sorgen die Tuareg, während die Wodaabe, die man an ihrem Federschmuck und der Gesichtsbemalung erkennt, den Rhythmusteil übernehmen. War die vor kurzem hier vorgestellte Band Tamikrest auch als Eintieg in die Welt des Sahara Blues geeignet, so ist Etran Finatawa mehr etwas für den geübten Hörer. Das zeigt sich schon in der Länge der einzelnen Stücke. Kurze eingrägsame Songs sucht man hier vergeblich, die meisten Tracks knacken locker die 6 Minuten Grenze, Aitma bringt es sogar auf 10 Minuten, wobei in dem Stück nicht gerade viel passiert, genau genommen hält die Band das Stück rhythmisch durchweg am Köcheln und dazu gibt es die für die Tuareg typischen Call And Response Gesänge. Die Gitarren klingen hier weit weniger knarzig und ruppig als dies bei Bands wie Tinariwen der Fall ist und stehen insgesamt auch nicht so sehr im Vordergrund. Wie bereits erwähnt, ist es vor allem die Rhytmik, die Etran Finatawa von reinen Tuareg Bands unterscheidet. So werden Händeklatschen und Trommeln meist kombiniert und sorgen für eine sogartige Wirkung, die hier und da durch einen funkigen Bass noch verstärkt wird. In ihren Texten behandelt die Band längst nicht mehr nur das Nomadendasein. So geht es in Duuniyaaru Dillii um die Unabwägbarkeiten, die das Leben so mit sich bringt. Denkt man sich die Trommeln weg, könnte es sich dabei fast um ein Ali Farka Toure Stück handeln. Imuzaran dagegen richtet sich an die Machthaber dieser Welt und macht sie für all die Kriege verantwortlich. Deutliche Worte einer Band, deren Mitglieder selbst zu einer unterdrückten Minderheit in ihrer Heimat gehören.
Tarkat Tajje gehört sicher zu jenen Alben, die mehr als einen Durchlauf brauchen, bevor sich einem seine ganze Schönheit erschließt. Eine Sache, die sich aber in jedem Fall lohnt, oder um es mit den Worten der Band zu sagen: Ummee Ndaaren / Stand up and go for the right thing!
(Riverboat / 2010)
Das neue Album Tarkat Tajje geht zumindest was die Texte angeht einen weniger traditionellen Weg, bleibt aber den musikalischen Wurzeln treu, wobei die Aufgaben klar verteilt sind: für die bluesigen Gitarren sorgen die Tuareg, während die Wodaabe, die man an ihrem Federschmuck und der Gesichtsbemalung erkennt, den Rhythmusteil übernehmen. War die vor kurzem hier vorgestellte Band Tamikrest auch als Eintieg in die Welt des Sahara Blues geeignet, so ist Etran Finatawa mehr etwas für den geübten Hörer. Das zeigt sich schon in der Länge der einzelnen Stücke. Kurze eingrägsame Songs sucht man hier vergeblich, die meisten Tracks knacken locker die 6 Minuten Grenze, Aitma bringt es sogar auf 10 Minuten, wobei in dem Stück nicht gerade viel passiert, genau genommen hält die Band das Stück rhythmisch durchweg am Köcheln und dazu gibt es die für die Tuareg typischen Call And Response Gesänge. Die Gitarren klingen hier weit weniger knarzig und ruppig als dies bei Bands wie Tinariwen der Fall ist und stehen insgesamt auch nicht so sehr im Vordergrund. Wie bereits erwähnt, ist es vor allem die Rhytmik, die Etran Finatawa von reinen Tuareg Bands unterscheidet. So werden Händeklatschen und Trommeln meist kombiniert und sorgen für eine sogartige Wirkung, die hier und da durch einen funkigen Bass noch verstärkt wird. In ihren Texten behandelt die Band längst nicht mehr nur das Nomadendasein. So geht es in Duuniyaaru Dillii um die Unabwägbarkeiten, die das Leben so mit sich bringt. Denkt man sich die Trommeln weg, könnte es sich dabei fast um ein Ali Farka Toure Stück handeln. Imuzaran dagegen richtet sich an die Machthaber dieser Welt und macht sie für all die Kriege verantwortlich. Deutliche Worte einer Band, deren Mitglieder selbst zu einer unterdrückten Minderheit in ihrer Heimat gehören.
Tarkat Tajje gehört sicher zu jenen Alben, die mehr als einen Durchlauf brauchen, bevor sich einem seine ganze Schönheit erschließt. Eine Sache, die sich aber in jedem Fall lohnt, oder um es mit den Worten der Band zu sagen: Ummee Ndaaren / Stand up and go for the right thing!
(Riverboat / 2010)
Mittwoch, 7. April 2010
African Spacecraft 3
Sendetermin: 06.04.2010
Playlist:
01 BLO - BLO
02 The Mercury Dance Band – Envy No Good
03 Orchestre Poly Rythmo De Cotonou – Se Tche We Djo Mon
04 Mahotella Queens – Zwe Kumusha
05 Hugh Masekela – Abagoma
06 Miriam Makeba – House Of The Rising Sun
07 Ali Farka Toure & Toumani Diabate – Sina Mory
08 Toumani Diabate's Symmetric Orchestra – Boulevard De L'Independance
09 Ali Farka Toure - Cousins
10 Salif Keïta – San Ka Na
11 Tamikrest – Aicha
12 Razia Said - Mifohaza
Playlist:
01 BLO - BLO
02 The Mercury Dance Band – Envy No Good
03 Orchestre Poly Rythmo De Cotonou – Se Tche We Djo Mon
04 Mahotella Queens – Zwe Kumusha
05 Hugh Masekela – Abagoma
06 Miriam Makeba – House Of The Rising Sun
07 Ali Farka Toure & Toumani Diabate – Sina Mory
08 Toumani Diabate's Symmetric Orchestra – Boulevard De L'Independance
09 Ali Farka Toure - Cousins
10 Salif Keïta – San Ka Na
11 Tamikrest – Aicha
12 Razia Said - Mifohaza
Mittwoch, 24. März 2010
Ali Farka Toure & Toumani Diabate - Ali & Toumani
"Et voilà" hört man Ali Farka Toure am Ende sagen und was auf den ersten Blick vielleicht nur so dahergesagt wirkt, lässt einem tatsächlch einen Gänseschauer über den Rücken jagen. "Et voilà, das war's", Toure wusste, dass er nicht mehr lange leben würde und dass dies seine letzten Aufnahmen sein werden. Und so schließt dieses "Et voilà" auch das Kapitel eines der größten Musiker Afrikas wenn nicht der Welt. Einem Musiker, der sich nicht verbiegen ließ, dem zuviel Erfolg suspekt erschien sich zurückzog um hauptsächlich als Landwirt aktiv zu sein und der Ende der 90er Jahre ein ganzes Aufnahmestudio nach Niafunke bringen ließ, um ein weiteres Album aufzunehmen. 2005 erschien schließlich die erste Zusammenarbeit mit Toumani Diabate, das im Mandé Hotel in Bamako aufgenommene und mit dem Grammy ausgezeichnete Album In The Heart Of The Moon. Während einer kurzen Europa Tour entstanden die Aufnahmen zu einem weiteren gemeinsamen Album. Toure war zu diesem Zeitpunkt von seiner Krebserkrankung schon schwer gezeichnet und litt während der Aufnahmen nicht selten unter Schmerzatacken, was ihn aber nicht davon abhielt, weiterzumachen. Er wollte dieses Album unbedingt fertigstellen. Dass es nun 4 Jahre gedauert hat, bis diese definitiv letzten Aufnahmen endlich veröffentlicht wurden, zeigt auch, wie respektvoll World Circuit mit seinem Tod umgegangen ist und dies immer noch tut. Und man darf natürlich Toumani Diabates gleichberechtigten Anteil an diesen beiden Alben nicht vergessen.
Im Grunde gibt es zu diesem Album doch gar nicht viel zu sagen. Wer In The Heart Of The Moon liebt, kommt an diesem Album unmöglich vorbei. Und es stellt sich natürlich die Frage, wie man In The Heart Of The Moon denn nicht lieben kann, diese Verschmelzung aus Diabates perlenden Koraklängen und Toures schroffen Gitarrenfiguren. "The most beautiful music on earth" behauptete damals das britische Mojo und was soll ich sagen, sie hatten recht. Es fällt tatsächlich schwer, die Schönheit dieser Musik in Worte zu fassen, diese meist ruhig dahinfließende und vor Melodienreichtum nur so strotzende Musik, gespielt von zwei Musikern, die sich trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedichen Herkunft blind zu verstehen schienen. Und das hört man schon beim Eröffnungsstück Ruby, das Toure spontan nach Nick Golds Tochter benannt hat als er es ihnen vorpsielte. Es ist eines dieser hypnotisierenden Stücke, die einen vor Ehrfurcht erstarren lassen und bei denen man sich nicht traut, sich auch nur zu bewegen, nur um diesen magischen Moment nicht zu stören. Auf zwei Stücken sang Ali auch noch einmal. Da wäre zum einen das afro-karibisches Flair verbreitende Sabu Yekoy, das er schon in den 60er Jahren spielte und bei dem er u.a. von seinem Sohn Vieux Farka Toure an den Kongas begleitet wurde. Zum Anderen wäre da noch Sina Mory, das ihn Mitte der 50er Jahre zur Musik brachte. Es war Nick Gold, der ihn immer wieder fragte, welches Stück ihn als ersten zum Gitarrespielen inspirierte, doch erst kurz vor seinem Tod erinnerte sich Toure an dieses Stück. Und auch die restlichen Instrumentalstücke haben nichts von der Klasse eines In The Heart Of The Moon eingebüßt.
Hörte man seinem letzten Soloalbum Savane noch den Kampf gegen den Tod an, so klingt Ali & Toumani nach jemanden, der mit sich im Reinen ist. Ein würdevoller Abschied!
PS
Neben dem Album gibt es noch zwei weitere Stücke. Da wäre zum Einen Kenouna, ein bluesiges Stück mit Gesang, das World Circuit zum kostenlosen Donwload anbietet und zum Anderen Kala Djula, ein weiteres Instrumentalstück, das als Bonus der iTunes Version zur Verfügung gestellt wurde, das aber auch einzeln erhältlich ist.
(World Circuit / 2010)
Im Grunde gibt es zu diesem Album doch gar nicht viel zu sagen. Wer In The Heart Of The Moon liebt, kommt an diesem Album unmöglich vorbei. Und es stellt sich natürlich die Frage, wie man In The Heart Of The Moon denn nicht lieben kann, diese Verschmelzung aus Diabates perlenden Koraklängen und Toures schroffen Gitarrenfiguren. "The most beautiful music on earth" behauptete damals das britische Mojo und was soll ich sagen, sie hatten recht. Es fällt tatsächlich schwer, die Schönheit dieser Musik in Worte zu fassen, diese meist ruhig dahinfließende und vor Melodienreichtum nur so strotzende Musik, gespielt von zwei Musikern, die sich trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedichen Herkunft blind zu verstehen schienen. Und das hört man schon beim Eröffnungsstück Ruby, das Toure spontan nach Nick Golds Tochter benannt hat als er es ihnen vorpsielte. Es ist eines dieser hypnotisierenden Stücke, die einen vor Ehrfurcht erstarren lassen und bei denen man sich nicht traut, sich auch nur zu bewegen, nur um diesen magischen Moment nicht zu stören. Auf zwei Stücken sang Ali auch noch einmal. Da wäre zum einen das afro-karibisches Flair verbreitende Sabu Yekoy, das er schon in den 60er Jahren spielte und bei dem er u.a. von seinem Sohn Vieux Farka Toure an den Kongas begleitet wurde. Zum Anderen wäre da noch Sina Mory, das ihn Mitte der 50er Jahre zur Musik brachte. Es war Nick Gold, der ihn immer wieder fragte, welches Stück ihn als ersten zum Gitarrespielen inspirierte, doch erst kurz vor seinem Tod erinnerte sich Toure an dieses Stück. Und auch die restlichen Instrumentalstücke haben nichts von der Klasse eines In The Heart Of The Moon eingebüßt.
Hörte man seinem letzten Soloalbum Savane noch den Kampf gegen den Tod an, so klingt Ali & Toumani nach jemanden, der mit sich im Reinen ist. Ein würdevoller Abschied!
PS
Neben dem Album gibt es noch zwei weitere Stücke. Da wäre zum Einen Kenouna, ein bluesiges Stück mit Gesang, das World Circuit zum kostenlosen Donwload anbietet und zum Anderen Kala Djula, ein weiteres Instrumentalstück, das als Bonus der iTunes Version zur Verfügung gestellt wurde, das aber auch einzeln erhältlich ist.
(World Circuit / 2010)
Dienstag, 16. März 2010
Salif Keïta - La Différence
La Différence besteht sowohl aus neuen als auch aus alten Stücken, die speziell für dieses Album neu eingespielt wurden. Der bereits auf Moffou eingeschlagene Weg zurück zu traditionelleren Klängen wird hier fortgesetzt und hier und das um einige orientalische Elemente erweitert. So wird das ruhig dahinfließende Gaffou durch eine Oud verfeinert und Keïta selbst bezeichnete sich in einem Interview unlängst als großen Verehrer arabischer Musik. Es befinden sich auf dem Album aber auch andere unerwartete Kollaborationen. So wirkt auf der Neueinspielung von Folon der amerikanische Jazzmusiker Bill Frisell mit, der das Stück mit seinem superben Gitarrenspiel noch ergreifender wirken lässt, als dies die Originalversion aus dem Jahr 1995 schon tat. Folon ist nach eigener Aussage ein sehr wichtiges Stück für Salif Keïta, denn es entstand zu einer Zeit des politischen Umbruchs in Mali nämlich dem Ende von Moussa Traorés Diktatur. Das eingangs erwähnte Titelstück ist dagegen typischer mit Frauenchören und eingängiger Melodie ausgestatteter Mandingpop und mit seinem alten Weggefährten Kante Manfila, mit dem er seit seinen Zeiten bei den Ambassadeurs immer wieder zusammenarbeitet, spielte er das Stück Seydou neu ein, das zu Ambassadeurs Zeiten noch Seydou Bathily hieß und 1995 für das Album Folon schon mal neu eingespielt wurde. Eine weitere Neueinspielugn ist das Titelstück des Albums Papa, dessen Intensität hier durch das Hinzunehmen eines Cellos noch vertärkt wird. Ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt des libanesichen Trompeters Ibrahim Maalouf, der durch sein eher zurückhaltendes Spiel dem Stück Samiga eine spezielle Note verleiht.
Mit La Différence setzt Salif Keïta den auf Moffou eingeschlagenen musikalischen Weg konsequent fort ohne dabei die Experimentierfreudigkeit aus den Augen zu verlieren. Ursprünglich waren sogar zwei neue Alben geplant, aus Zeitgründen und der Sache wegen wurde jedoch erst einmal dieses Album veröffentlicht. Musikalisch hat es seinen Zweck und die Erwartungen mehr als erfüllt, bleibt also zu hoffen, dass sich der Erfolg auch auf den Einsatz für Albinos überträgt.
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