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Mittwoch, 2. Juni 2010

African Spacecraft 5

Sendetermin: 01.06.2010

Playlist:

01 Fela Ransome Kuti & His Koola Lobitos - Mi O Mo
02 The Mebusas - Mr Bull Dog
03 SJOB Movement - Stone Funk
04 The Sweet Talks - Sasa Abonsam
05 Hedzoleh Soundz - Kaa Ye Oyai
06 King Ayisoba - Modern Ghanaians
07 K'NAAN - What's Hardcore?
08 K'NAAN - If Rap Gets Jealous
09 Pastor Mbhobho - Ayobaness
10 Philip Malela - Tiba Kamo
11 Simphiwe Dana - Vela
12 Ali Farka Toure - Pieter Botha

Samstag, 11. April 2009

K'Naan - Troubadour

"Was ist das denn?" wird sich der Purist fragen. "And if rap gets jealous 'cause I rock heavy / it don't worry me if m'a fuckers don't get it." heißt es im Stück If Rap Gets Jealous, einem gewaltigen Raprock Song mit keinem geringeren als Metallicas Kirk Hammett an der breitbeinigen Gitarre inklusive Solo. Nicht nur musikalisch sondern auch im Text geht es um das Einreißen von Barrieren und somit steht das Stück stellvertretend für den Rest des Albums. Einen weiteren Rocker dieser Art findet sich hier zwar nicht mehr, dennoch dient HipHop hier nur noch als Basis, auf der K'Naan nichts unversucht lässt und dem somit ein sehr vielschichtiges und ganz und gar nicht beliebiges Album gelungen ist. Geblieben ist das Thema Somalia, seine Heimat, die er 1991 mit dem letzten Linienflug Richtung New York verlassen hat. Die Schrecken des Bürgerkrieges und das Leben als Kind in der gefährlichsten Stadt der Welt Mogadischu verarbeitete er schon auf dem ersten Album The Dusty Foot Philosopher, dessen reduzierte und gleichermaßen erschütternde Liveversionen mit dem Livealbum The Dusty Foot On The Road veröffentlicht wurden. Troubadour klingt optimistischer und ist deutlich bunter, was sicher auch an der Gästeliste liegt. Neben dem bereits eingangs erwähnten Kirk Hammett gibt es u.a. noch Auftritte von Damian Marley, Adam Levine (Maroon 5), Mos Def und Chubb Rock. Dies führt u.a. zu einer erstaunlich unkitschigen Friedenshymne wie Wavin' Flag oder zu einem Uptempo Stück wie Bang Bang, bei dem Adam Levine den Refrain übernommen hat. Seiner alten Heimat Somalia und seiner neuen Heimat Amerika huldigt er mit den beiden jeweils gleichnamigen Stücken während Take A Minute mit seinem großartigen Refrain am Beispiel von Nelson Mandela und Mahatm Ghandi u.a. zeigt, was wahre Größe ist. 15 Minutes Away erläutet schließlich die Vorzüge von Western Union und der Tatsache, dass man innerhalb kürzester Zeit Geld um die ganze Welt schicken kann was von vielen im Ausland lebenden Afrikanern genutzt wird, um die Familien zu Hause zu unterstützen. Das soulige und epische People Like Me am Ende des Albums handelt von Menschen, die ähnliches durchmachen oder durchgemacht haben wie K'Naan selbst: "Heaven, is there a chance that you could come down and open doors to hurtin people like me", ein schöner Schlusspunkt eines famosen Albums.

Die Aufnahmen zu Troubadour fanden übrigens im Haus von Bob Marley statt, was einen positiven Einfluss auf die Sessions ausgeübt haben dürfte. Die 14 Stücke verschmelzen einerseits perfekt zu einer Einheit und doch hat andererseits jedes für sich genommen eine ganz eigene Klasse. Somit kann der Albumtitel durchaus auch musikalisch Verstanden werden: ein Troubadour zwischen den Stilen.

Mittwoch, 7. November 2007

K'Naan - The Dusty Foot On The Road

Ich muss gestehen, dass ich mich bislang mit HipHop nur am Rande beschäftigt habe. Und so kenne ich auch das Debüt Album The Dusty Foot Philosopher dieses Rappers aus Somalia nicht. Der Titel dieses Albums spielt wohl auf die Tatsache an, dass er bis zu seiner Flucht mit 13 immer barfuß unterwegs war und erst in Nordamerika erstmals überhaupt Schuhe trug.
K'Naan Warsame, so sein vollständiger Name, wird 1978 in der somalischen Hauptstadt Mogadischu geboren, also zu einer Zeit, in der schon heftige Unruhen das Land erschütterten. Im Alter von neun Jahren beginnt K'Naan zu rappen wie seine amerikanischen Vorbilder, deren Platten er von seinem Vater, der längst nach Amerika ausgewandert war, zugeschickt bekam. Er rappte auf Englisch obwohl er die Sprache nicht verstand und erst Jahre später herausfinden sollte, was die Verse tatsächlich bedeuteten. Ansonsten ist seine Kindheit von Gewalt geprägt, die im vom Bürgerkrieg zermürbten und nicht zur Ruhe kommenden Somalia zum Alltag gehört. Mit 8 betätigt er zum ersten mal eine Schusswaffe und mit 11 sprengt er mit einer gefundenen Granate versehentlich die halbe Schule in die Luft und ist immer wieder auf der Flucht vor Kämpfern, welche die Straßen Mogadischus unsicher machen. Dabei empfindet es es bis heute selbst als größte Gnade, dass er niemanden töten musste. 1991 gelingt seiner Familie quasi in letzter Sekunde die Flucht nach New York. Von dort aus ging es dann weiter nach Toronto, wo sich eine große somalische Auswanderergemeinde angesiedelt hatte. In der zehnten Klasse bricht K'Naan, dessen Name sowiel wie "Reisender" bedeutet, die Schule ab und begibt sich gemäß seines Namens auf eine zwei Jahre dauernden Reise, die ihn auch in die Schweiz führt, wo er hauptsächlich versuchte, mit seinen Kriegserlebnissen fertig zu werden. 1999 übt er bei einem Spokenword Auftritt vor dem UN-Flüchtlingskommissar heftige Kritik am Verhalten der UN in der Somalia Frage. Der ebenfalls anwesende Youssou N'Dour engagierte ihn darauf hin für das Album Building Bridges, mit dem der UNHCR sein 50-jähriges Bestehen feierte. Beim Jazzfestival in Montreal im Jahr 2002 trifft er dann auf Jervis Church, der 3 Jahre später sein Debütalbum produzieren soll. Um dieses Album zu bewerben, begibt er sich 2005 mit Mos Def und Talib Kweli auf "BreedLove Odyssey"-Tour und erhält 2006 schließlich den Juno Award für das Rap Album des Jahres. K'Naan selbst bezeichnet seine Musik als "urgent music with a message", deren hauptsächliches Thema seine Erlebnisse und Erfahrungen in Somalia sind, wenngleich er sich nicht als politisch bezeichnet sondern seine Musik vielmehr als Ventil zu Verarbeitung seiner Vergangenheit ansieht.
Bei ausgedehnten Touren entsteht schließlich das Live Album The Dusty Foot On The Road. Meist nur von Gitarre und Percussion begleitet schafft K'Naan hier bisweilen eine beklemmende Atmosphäre und zeigt aber auch deutlich, dass es dafür gar nicht mehr bedarf. It's the African Way, ein Songtitel, der stellvertretend für das gesamte Album steht. What's Hardcore?, fragt K'Naan im gleichnamigen Stück. Eine Frage, die er selbst wohl am Besten beantworten kann, und nicht etwa all jene Rapper, für die Begriffe wie Hardcore nur Mittel zum Zweck sind. "I'ma spit these verses because I feel annoyed And I'm not going to quit until I fill the void If I rhymed about home and got descriptive I'd make 50 Cent look like Limp Bizkit." rappt er deshalb folgerichtig. Denn Hardcore, das ist der Alltag und die Brutalität in Mogadischu, die Gefahr, die an jeder Straßenecke lauert, jeden Tag, jede Stunde, jede Minute. Etwas, das man sich vermutlich noch nicht einmal annähernd vorstellen kann, wenn man es nicht selbst erlebt hat. Und so sind viele dieser Songs kleine Schläge in die Magengrube, die einem bewusst machen, wie gut man es bislang doch selbst hatte. Und dabei wagt K'Naan auch den Blick über den eigenen Tellerrand des HipHop hinaus, wie z.B. im druckvoll nach vorne preschenden In the beginning, das beinahe schon Singer/Songwrite Qualitäten hat, was auch gar nicht weiter verwundert wenn man bedenkt, dass neben Bob Marley und Fela Kuti auch Bob Dylan zu den musikalischen Einflüssen zählt. Is it a myth? kommt gänzlich ohne Instrumente aus und zeigt, dass seine Stimme sich auch als Gesangsstimme bestens eignet. Bei My God, bei dem er von Mos Def, der die zweite Strophe rappt, unterstütz wird, beschränkt sich die musikalische Begleitung auf einen herzschlagartigen Trommelrhythmus, über den K'Naan einmal mehr eindringlich den grausamen Bürgerkriegsalltag beschreibt. Doch trotz der düsteren Atmosphäre, die das Album umgibt, ist von Resignation keine Spur, auch wenn es momentan der pure Wahnsinn wäre, in die Heimat zu reisen, wie K'Naan vor kurzem in einem Interview sagte. It's the African Way...

(Wrasse Records / 2007)