Manchmal ist es besser, wenn man ein Album einfach mal zurücklegt und ein paar Wochen später wieder hervorholt. Nachdem ich Djitoumou zum ersten mal gehört hatte, war ich wenig begeistert. Wohl auch deshalb, weil ich ein bisschen etwas anders erwartet hatte. Und zwar rechnete ich mit einem Album im Stile von Ali Farka Toure oder Boubacar Traore. Ersterer ist auf diesem Album sogar vertreten. Das Stück Bèrèbèrè entstand 2006 kurz vor dessen Tod und ist wohl tatsächlich die letzte Aufnahme, an der Ali Farka Toure beteiligt war. Ein letztes Highlight sozusagen, denn das Stück unterstreicht einmal mehr den Ausnahmestatus und die Genialität von Toure. Ansonsten bietet das Album einen Stilmix, der es in seiner Gesamtheit nicht immer homogen wirken lässt. So klingt Sigui Ka Fô sehr nach amerikanischem Blues und das darauf folgende Bô Kolo verbreitet orientalisches Flair. Richtig zusammenpassen will das hier nicht, wenngleich beides durchaus seinen Reiz hat. Am besten ist das Album immer dann, wenn sich Soumaoro, dessen Gesang mich manchmal an seinen Landsmann Issa Bagayogo erinnert, seiner eignen Traditionen besinnt, wie in N'tériou oder Yèrè djaté. Letzteres erinnert mit seinen Wassoulou Rhythmen ein bisschen and seine Landsfrau Oumou Sangare. Bei Mbaou fo bewegt er sich dagegen weit nach Norden, genauer gesagt nach Algerien. Beim Hören muss ich unweigerlich an Souad Massi denken. Und dann ist da noch Femmes, je vous salue, das tatsächlich mit karibischen Rhythmen aufwartet. Und am Ende singt dann auch noch Kandia Kouyate ein paar Zeilen. Das Cover verrät leider nicht, wann diese Aufnahmen entstanden sind, aber aktuell kann zumindest dieses Stück eigentlich nicht sein, denn Kandia Kouyate erlitt im Jahr 2004 einen Schlaganfall, von dem sie sich wohl nicht vollständig erholt hat. Wie dem auch sein, obwohl das Stück wie ein Fremdkörper wirkt, ist es neben Bèrèbèrè enes der Highlights auf diesem Album. Und um den Stilmix noch zu vervollständigen, gibt es mit Né ni musiki noch ein Stück Rumba, bei dem Rumba Legende Papa Noel die Gitarre spielt. Apropos Gitarre, auf dem Cover ist Soumaoro mehrfach mit Gitarre zu sehen. Auf diesem Album spielt er allerdings kein einziges mal Gitarre. Das einzige Instrument, das er hier spielt, ist die Kamele Ngoni.
Selbst in seiner Heimat ist Idrissa Soumaoro nur wenig bekannt. Er spielte zwar auch mal bei den legendären Ambassadeurs Du Motel, aber als Solist tritt er mit Djitoumou erst zum zweiten mal an, das Debüt Kote erschien im Jahr 2003. Besser bekannt ist er als Lehrer an der Blindenschule in Bamako und seinen bekanntesten Schüler waren Amadou & Mariam.
Djitoumou ist ein Album, bei dem die Summe der Einzelteile mehr ist als das Gesamtwerk. Das Album wirkt wie ein Best Of mit Songs, die man nicht kennt. Ansonsten ist es natürlich dennoch empfehlenswert, schon allein wegen der vermutlich nun wirklich letzten Ali Farka Toure Aufnahme.
(Lusafrica / 2010)
Donnerstag, 28. Oktober 2010
Donnerstag, 21. Oktober 2010
AfroCubism
Im Grunde ist AfroCubism das, was Nick Gold bereits 1997 vorhatte. Schon damals wollte er Musiker aus Kuba und Mali zusammenbringen, was jedoch daran scheiterte, dass die Musiker aus Mali keine Einreisegenehmigung für Kuba bekamen. So entstand der Buena Vista Social Club, der Rest ist Geschichte.
13 Jahre später wurde nun das umgesetzt, was urspünglich einmal geplant war und die Besetzungsliste könnte hochkarätiger nicht sein, zumindest was den Anteil aus Mali angeht. Da wären u.a. Toumani Diabaté an der Kora, Bassekou Kouyate an Ngoni und Ngoni Ba, Lassana Diabate am Balafon, Djelimady Tounkara an der Gitarre und schließlich Sänger Kasse Mady Diabate. Die kubanische Seite ist vor allem durch Sänger und Gitarrist Eliades Ochoa vertreten. Zusammen mit Kasse Mady Diabate singt er das Stück Al vaiven de mi carreta , ein bekanntes kubanisches Guajira Stück, das als erstes für das Album eingespielt wurde und somit auch als Initialstück dient und auch die Verbindung zwischen Kuba und Mali aufzeigt, denn Kasse Mady Diabate sang in den 1970er Jahren bei National Badema, einer Band, deren Mitglieder zuvor einige Jahre in Kuba verbachten.
Bassekou Kouyate und Djelimady Tounkara gehören zu den Musikern, die schon 1997 hätten mit dabei sein sollen. Ihr großartiges Zusammenspiel ist sicher eines der herausragenden Elemente dieses Albums, was man sehr gut im Stück Karamo nachhören kann. Ebenfalls unverzichtbar auf diesem Album ist selbstverständlich Toumani Diabate und dessen Koraspiel. Jarabi, ein bekanntes Griot Stück aus der Manding Tradition ist eines der Highlights auf diesem Album. Toumani Diabate spielte dieses Stück schon für sein Debütalbum Kaira als Solostück ein, hier wird es um kubanische Rhythmen und vor allem Kasse Madys Gesang erweitert. Das gilt auch für Mariama, ebenfalls ein altes Stück aus Mali, bei dem aber Bassekou Kouyates Ngoni und Eliades Ochoas Gitarre im Vordergrund stehen. Ein weiteres Griot Stück, unter das kubanische Rhythmen gelegt wurden, ist Kasse Madys Benséma, bei dem auch einmal mehr Toumani Diabate mit perlenden Koraklängen zu überzeugen weiß. Ganz am Ende gibt es dann tatsächlich noch Guantanamera hier als Trio bestehend aus Ngoni, Kora und Gitarre. Die bekannte und allzu offensichtliche Melodie steht hier aber mehr im Hintergrund, was allerdings durchaus angenehm ist und dieses durch und durch großartige Album somit nicht besser beschließen könnte.
(World Circuit / 2010)
13 Jahre später wurde nun das umgesetzt, was urspünglich einmal geplant war und die Besetzungsliste könnte hochkarätiger nicht sein, zumindest was den Anteil aus Mali angeht. Da wären u.a. Toumani Diabaté an der Kora, Bassekou Kouyate an Ngoni und Ngoni Ba, Lassana Diabate am Balafon, Djelimady Tounkara an der Gitarre und schließlich Sänger Kasse Mady Diabate. Die kubanische Seite ist vor allem durch Sänger und Gitarrist Eliades Ochoa vertreten. Zusammen mit Kasse Mady Diabate singt er das Stück Al vaiven de mi carreta , ein bekanntes kubanisches Guajira Stück, das als erstes für das Album eingespielt wurde und somit auch als Initialstück dient und auch die Verbindung zwischen Kuba und Mali aufzeigt, denn Kasse Mady Diabate sang in den 1970er Jahren bei National Badema, einer Band, deren Mitglieder zuvor einige Jahre in Kuba verbachten.
Bassekou Kouyate und Djelimady Tounkara gehören zu den Musikern, die schon 1997 hätten mit dabei sein sollen. Ihr großartiges Zusammenspiel ist sicher eines der herausragenden Elemente dieses Albums, was man sehr gut im Stück Karamo nachhören kann. Ebenfalls unverzichtbar auf diesem Album ist selbstverständlich Toumani Diabate und dessen Koraspiel. Jarabi, ein bekanntes Griot Stück aus der Manding Tradition ist eines der Highlights auf diesem Album. Toumani Diabate spielte dieses Stück schon für sein Debütalbum Kaira als Solostück ein, hier wird es um kubanische Rhythmen und vor allem Kasse Madys Gesang erweitert. Das gilt auch für Mariama, ebenfalls ein altes Stück aus Mali, bei dem aber Bassekou Kouyates Ngoni und Eliades Ochoas Gitarre im Vordergrund stehen. Ein weiteres Griot Stück, unter das kubanische Rhythmen gelegt wurden, ist Kasse Madys Benséma, bei dem auch einmal mehr Toumani Diabate mit perlenden Koraklängen zu überzeugen weiß. Ganz am Ende gibt es dann tatsächlich noch Guantanamera hier als Trio bestehend aus Ngoni, Kora und Gitarre. Die bekannte und allzu offensichtliche Melodie steht hier aber mehr im Hintergrund, was allerdings durchaus angenehm ist und dieses durch und durch großartige Album somit nicht besser beschließen könnte.
(World Circuit / 2010)
Labels:
Bassekou Kouyate,
Kasse Mady Diabaté,
Mali,
Toumani Diabaté
Donnerstag, 7. Oktober 2010
King Sunny Adé - Bábá Mo Tundé
Als im Sommer die Nachricht von einem neuen Sunny Adé Album durchs Netz ging, war das schon eine kleine Sensation, immerhin ist Bábá Mo Tundé das erste Album mit neuen Stücken seit 10 Jahren. Des Weiteren war zu hören, dass es ein Doppelalbum mit klassischem Juju werden soll. Klassisch meint hier lange Stücke ohne produktionstechnischem Schnickschnack, wie es vor allem in den 80er Jahren der Fall war, als Adé nach dem Tod von Bob Marley von Island Chef Chris Blackwell zu dessen Nachfolger aufgebaut werden sollte. Das hat bekanntermaßen nicht funktioniert, was aber sicher nicht an der Qualität der Musik lag. Die war immer noch hochkarätig, auch wenn die Songs damals deutlich kürzer und mit elektronischen Effekten aufgepeppt wurden um sie einem westlichen Pulikum zugänglicher zu machen. Geschadet hat es den Stücken nicht, ganz im Gegenteil. Vermutlich war die Welt für Juju damals einfach nicht bereit. Dass sich das mit Bábá Mo Tundé nun ändern wird, darf natürlich bezweifelt werden. Das scheitert schon an der Länge der Songs. 7 gibt es in knapp 2 Stunden, der längste, das Titelstück, bringt es auf 31 Minuten. Doch davor muss man keine Angst haben, denn so etwas wie Längen oder gar Langeweile gibt es bei diesem Album nicht. Das liegt zum einen an dem polyrhythmischen Geflecht, das hier als Fundament dient und zum anderen an diesen unglaublichen Melodien, die immer wieder aufblitzen. Dazu gibt es Gitarreneinwürfe, die mich manchmal sogar an Pink Floyd erinnern, sicher keine naheliegende Assoziation. Und damit wären auch schon die Hauptkomponenten des Juju aufgelistet, ein Polyrhythmik, die hier durch mindestens 6 Schlagzeuger und Percussionisten bereitgestellt wird und bei der die Talking Drum eine führende Rolle übernimmt und die einzigartigen Gitarren, die in der Vergangenheit auch schon mal an Hawaii erinnerten, hier aber nicht. Nicht zu vergessen die Gesänge, gerne als Call & Response, aber auch schon mal fast im klassischen Songformat in die langen Stücke eingearbeitet. Und weil das Titelstück mit 31 Minuten noch zu kurz ist, gibt es im Anschluss gleich noch den 15 minütigen King Britt Remix, der zwar etwas aus dem Rahmen fällt, sich vor dem Rest aber ganz und gar nicht verstecken muss, sondern zeigt, dass Sunny Adés Stücke auch im modernen Gewand absolut großartig klingen ohne sich dabei bei irgend jemanden anzubiedern. Auf Bábá Mo Tundé gelingt schlicht und ergreifend alles, ein Meisterwerk!
Ich muss gestehen, dass ich Sunny Adés Musik bislang eher stiefmütterlich behandelt habe. Erst die Ankündigung dieses Albums brachte mich dazu, mich näher mit dem King of Juju zu beschäftigen, wobei auffällt, dass sein Katalog bei weitem nicht so gut verfügbar ist, wie der seines Landsmannes und ewigen Konkurrenten Fela Kuti, zumindest was die Alben der Prä-Island Zeit angehend. Hier wäre es wünschenswert, dass sich dem mal jemand annimmnt. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass es bis zum nächsten Album nicht wieder 10 Jahre dauern wird. Bis dahin ist man mit dem meisterhaften Bábá Mo Tundé bestens bedient.
(Mesa, Bluemoon / 2010)
Ich muss gestehen, dass ich Sunny Adés Musik bislang eher stiefmütterlich behandelt habe. Erst die Ankündigung dieses Albums brachte mich dazu, mich näher mit dem King of Juju zu beschäftigen, wobei auffällt, dass sein Katalog bei weitem nicht so gut verfügbar ist, wie der seines Landsmannes und ewigen Konkurrenten Fela Kuti, zumindest was die Alben der Prä-Island Zeit angehend. Hier wäre es wünschenswert, dass sich dem mal jemand annimmnt. Ansonsten bleibt zu hoffen, dass es bis zum nächsten Album nicht wieder 10 Jahre dauern wird. Bis dahin ist man mit dem meisterhaften Bábá Mo Tundé bestens bedient.
(Mesa, Bluemoon / 2010)
Mittwoch, 6. Oktober 2010
African Spacecraft 8
Sendetermin: 05.10.2010
Playlist:
01 Femi Kuti - Do Your Best
02 Ofege - Whizzy Llabo
03 Ofo The Black Company - Eniaro
04 Segun Bucknor - Dye Dye
05 Keziah Jones - 1973 (Jokers Reparations)
06 Cheikh Lô - Bourama
07 Carlou D - Senregal
08 Oumar Ndiaye Xosluman - Senegal
09 Sister Fa - Sarabah
10 Alif - Bataxal
11 Daby Touré - Wasso
Playlist:
01 Femi Kuti - Do Your Best
02 Ofege - Whizzy Llabo
03 Ofo The Black Company - Eniaro
04 Segun Bucknor - Dye Dye
05 Keziah Jones - 1973 (Jokers Reparations)
06 Cheikh Lô - Bourama
07 Carlou D - Senregal
08 Oumar Ndiaye Xosluman - Senegal
09 Sister Fa - Sarabah
10 Alif - Bataxal
11 Daby Touré - Wasso
Sonntag, 26. September 2010
Carlou D - Muzikr
Wie auch sein Landsmann Cheikh Lô gehört Carlou D (bürgerlich Ibrahima Loucard) der Glaubensgemeindschaft der Baye Fall an. Diese sufistische Glaubengemeindschaft wird hierzulande auch schon gerne mal als islamische Sekte bezeichnet, was aber eher zu Missverständnissen führen dürfte, denn es hat weder etwas mit den Sekten gemein, die wir sonst so kennen und auch mit Islamimus hat das nichts zu tun. Denn während die Fundamentalisten Musik am liebsten gleich ganz verbieten nimmt Musik bei den Mitgliedern der Baye Fall eine sehr wichtige Position ein.
Aufgewachsen ist Carlou D in den Vororten Dakars mit afrokubanischer Musik und Mbalax. Später war er Mitglied der ersten international bekannten afrikanischen HipHop Gruppe Positive Black Soul, wirkte bei der Sahel Oper Bintou Wéré mit und mit Muzikr hat er nun sein bereits drittes Soloalbum veröffentlicht. Mit HopHop hat das nichts mehr zu tun sondern vielmehr mit senegalesischem Singer/Songwriter irgendwo zwischen Cheikh Lô und Habib Koité. Zikr werden die mystischen Sufigesänge seiner Glaubengemeindschaft genannt und neben spirituellen Themen, wie beim ersten Stück Sam Fall, greift er in seinen Songs auch sozialkritischen Themen auf. So handelt Fi Ma Dar vom Traum vieler Afrikaner vom reichen Europa der nicht nur wegen der gefährlichen Überfahrt nicht selten zum Albtraum wird. Umgesetzt wird das Ganze mit Gitarre, Bass und Percussion aber auch mit traditionellen Instrumenten wie Kora oder Ngoni. Beim Gorée, einer beklemmenden Ballade, die von der vor dem Senegal im Atlantik liegenden Insel, von der Millionen von Sklaven nach Amerika verschifft wurden, handelt, wird Carlou D von seinem Mentor und Landsmann Youssou N'Dour unterstützt, der vor 2 Jahren mit seinem Film- und Musikprojekt Retour a Gorée für Aufsehen sorgte. Ein weiteres Highlight ist Nanioul, das an traditionelle Mandinka Stücke erinnert. An Abwechslung mangelt es diesem Album ganz bestimmt nicht und neben seinem Gesang überzeugt Carlou D auch durch sein Gitarrenspiel und durch rhythmische Finessen.
Und so ist Muzikr eine mehr als gelungene Kombination aus moderner urbaner und traditioneller sufistisch geprägter Musik und somit eines der Highlights des Jahres. In Dakar erhielt Carlou D im Februar den erstmals verliehenen Sunu Award als Künstler des Jahres, doch auch über die Grenzen des Senegal hinaus dürfte dies nicht der letzte Preis gewesen sein.
(World Village / 2010)
Aufgewachsen ist Carlou D in den Vororten Dakars mit afrokubanischer Musik und Mbalax. Später war er Mitglied der ersten international bekannten afrikanischen HipHop Gruppe Positive Black Soul, wirkte bei der Sahel Oper Bintou Wéré mit und mit Muzikr hat er nun sein bereits drittes Soloalbum veröffentlicht. Mit HopHop hat das nichts mehr zu tun sondern vielmehr mit senegalesischem Singer/Songwriter irgendwo zwischen Cheikh Lô und Habib Koité. Zikr werden die mystischen Sufigesänge seiner Glaubengemeindschaft genannt und neben spirituellen Themen, wie beim ersten Stück Sam Fall, greift er in seinen Songs auch sozialkritischen Themen auf. So handelt Fi Ma Dar vom Traum vieler Afrikaner vom reichen Europa der nicht nur wegen der gefährlichen Überfahrt nicht selten zum Albtraum wird. Umgesetzt wird das Ganze mit Gitarre, Bass und Percussion aber auch mit traditionellen Instrumenten wie Kora oder Ngoni. Beim Gorée, einer beklemmenden Ballade, die von der vor dem Senegal im Atlantik liegenden Insel, von der Millionen von Sklaven nach Amerika verschifft wurden, handelt, wird Carlou D von seinem Mentor und Landsmann Youssou N'Dour unterstützt, der vor 2 Jahren mit seinem Film- und Musikprojekt Retour a Gorée für Aufsehen sorgte. Ein weiteres Highlight ist Nanioul, das an traditionelle Mandinka Stücke erinnert. An Abwechslung mangelt es diesem Album ganz bestimmt nicht und neben seinem Gesang überzeugt Carlou D auch durch sein Gitarrenspiel und durch rhythmische Finessen.
Und so ist Muzikr eine mehr als gelungene Kombination aus moderner urbaner und traditioneller sufistisch geprägter Musik und somit eines der Highlights des Jahres. In Dakar erhielt Carlou D im Februar den erstmals verliehenen Sunu Award als Künstler des Jahres, doch auch über die Grenzen des Senegal hinaus dürfte dies nicht der letzte Preis gewesen sein.
(World Village / 2010)
Mittwoch, 8. September 2010
African Spacecraft 7
Sendetermin: 07.09.2010
Playlist:
01 Franco - La Rumba O.K.
02 Staff Benda Bilili - Polio
03 Les Tambours De Brazza - Sango
04 Kareyce Fotso - Kuicheou
05 Richard Bona - Kalabancoro
06 Gino Sitson - Bi Nyai
07 Mamadou Barry - Africa Five
08 Spirits Rejoice - Joy
09 Simphiwe Dana - Hay Ihambo
10 Simphiwe Dana - Felas Azania
11 Hugh Masekela - Beatin' Around De Bush
Playlist:
01 Franco - La Rumba O.K.
02 Staff Benda Bilili - Polio
03 Les Tambours De Brazza - Sango
04 Kareyce Fotso - Kuicheou
05 Richard Bona - Kalabancoro
06 Gino Sitson - Bi Nyai
07 Mamadou Barry - Africa Five
08 Spirits Rejoice - Joy
09 Simphiwe Dana - Hay Ihambo
10 Simphiwe Dana - Felas Azania
11 Hugh Masekela - Beatin' Around De Bush
Freitag, 27. August 2010
Simphiwe Dana - Kulture Noir
Nach dem wunderbaren Konzert in Heidelberg vom Mai dieses Jahres hatte zugegebenermaßen ein bisschen etwas anderes erwartet. Damals spielte sie mit kleiner Besetzung ein sehr jazzlastiges Set und ich habe erwartet, dass Kulture Noir in die selbe Richtung gehen würde. Dies ist zwar nicht der Fall, ist aber natürlich auch überhaupt nicht schlimm, zum "Album des Jahres" reicht es trotzdem. Oder gerade deshalb? Wie dem auch sei, Jazz spielt hier natürlich dennoch ein größere Rolle, aber auch Soul, Gospel, Funk und sogar Afrobeat sind die Bestandteile dieses ausgezeichneten Albums.
Handelte The One Love Movement On Bantu Biko Street von Südafrika und der immer noch nicht ganz verarbeiteten Zeit der Apartheid, so bezieht sich Kulture Noir auf den ganzen Kontinent. Das zeigt sich nicht nur in den Texten sondern auch in der Musik, die Musiker und Stile aus verschiedenen Regionen Afrikas integriert. Das Album selbst benötigt aber ein paar Durchgänge, bis sich seine ganze Klasse voll entfaltet. In den z.T. langen Stücken singt Dana ihre poetischen Text mit eindringlicher Stimme, die öfters im Kontrast zum Soul- und Gosplegesang ihres wunderbaren Chores steht. Schön zu Geltung kommt das im zweiteiligen Ndim Ighawe das mit einem Acapella Teil beginnt und in ein langes, jazzlastiges und mit feinen Gitarrenlicks durchsetztes Stück mündet. Konventionelle Songs findet man indes eher weniger und vielleicht noch am ehesten in Hayi Ihambo, das ein ganz kleines bisschen etwas vom 80er Jahre Minimalfunk hat, das aber natürlich dennoch südafrikanisch geerdet ist. Das gilt auch für Fela's Azania, nur dass es sich hier quasi um ein südafrikanisches Afrobeat Stück handelt und Simphiwe Danas Hommage an den von ihr verehrten Fela Kuti ist und das auch mit den Nigerianern Kunle Ayo (Gitarre) und Olufemi Ogunkonya (Tompete) eingespielt wurde. Es gibt aber auch sehr persönliche Lieder, die von Liebe und Schmerz handeln wie z.B. das epische und mit Cello und Violine verfeinerte Undishiyile, das übersetzt "He has left me" bedeutet. Genau so hatte sie es auch beim Livekonzert erklärt und es drängte sich einem sofort Frage auf, wer den so etwas tue. Wie schon auf dem Vorgänger singt Simphiwe Dana sämtliche Texte in ihrer Muttersprache Xhosa, was sicher einen zusätzlichen Reiz ausmacht, was aber letztendlich zählt ist das Gesamtpaket und es gibt nur wenige, die da im Moment heranreichen.
Simphiwe Dana ist mit Kulture Noir das beeindruckende Kunststück gelungen, das dritte Meisterwerk in Folge abzuliefern. In der Tat war schon das Debüt Zandisile so stark, dass eigentlich keine Luft mehr nach oben übrig blieb. Bleibt also nur, das hohe Niveau zu halten, was ihr jetzt zum zweiten mal gelungen ist. Album des Jahres? Mindestens!
(Skip Records / 2010)
Handelte The One Love Movement On Bantu Biko Street von Südafrika und der immer noch nicht ganz verarbeiteten Zeit der Apartheid, so bezieht sich Kulture Noir auf den ganzen Kontinent. Das zeigt sich nicht nur in den Texten sondern auch in der Musik, die Musiker und Stile aus verschiedenen Regionen Afrikas integriert. Das Album selbst benötigt aber ein paar Durchgänge, bis sich seine ganze Klasse voll entfaltet. In den z.T. langen Stücken singt Dana ihre poetischen Text mit eindringlicher Stimme, die öfters im Kontrast zum Soul- und Gosplegesang ihres wunderbaren Chores steht. Schön zu Geltung kommt das im zweiteiligen Ndim Ighawe das mit einem Acapella Teil beginnt und in ein langes, jazzlastiges und mit feinen Gitarrenlicks durchsetztes Stück mündet. Konventionelle Songs findet man indes eher weniger und vielleicht noch am ehesten in Hayi Ihambo, das ein ganz kleines bisschen etwas vom 80er Jahre Minimalfunk hat, das aber natürlich dennoch südafrikanisch geerdet ist. Das gilt auch für Fela's Azania, nur dass es sich hier quasi um ein südafrikanisches Afrobeat Stück handelt und Simphiwe Danas Hommage an den von ihr verehrten Fela Kuti ist und das auch mit den Nigerianern Kunle Ayo (Gitarre) und Olufemi Ogunkonya (Tompete) eingespielt wurde. Es gibt aber auch sehr persönliche Lieder, die von Liebe und Schmerz handeln wie z.B. das epische und mit Cello und Violine verfeinerte Undishiyile, das übersetzt "He has left me" bedeutet. Genau so hatte sie es auch beim Livekonzert erklärt und es drängte sich einem sofort Frage auf, wer den so etwas tue. Wie schon auf dem Vorgänger singt Simphiwe Dana sämtliche Texte in ihrer Muttersprache Xhosa, was sicher einen zusätzlichen Reiz ausmacht, was aber letztendlich zählt ist das Gesamtpaket und es gibt nur wenige, die da im Moment heranreichen.
Simphiwe Dana ist mit Kulture Noir das beeindruckende Kunststück gelungen, das dritte Meisterwerk in Folge abzuliefern. In der Tat war schon das Debüt Zandisile so stark, dass eigentlich keine Luft mehr nach oben übrig blieb. Bleibt also nur, das hohe Niveau zu halten, was ihr jetzt zum zweiten mal gelungen ist. Album des Jahres? Mindestens!
(Skip Records / 2010)
African Spacecraft Special #2, Longtracks 2
Sendetermin: 26.08.2010
Playlist:
01 Salif Keïta - Soro (Afriki)
02 Tony Allen & Afrika 70 - No Acommodation For Lagos
03 Kasai Allstars - Mbua-A-Matumba
04 Simphiwe Dana - The One Love Movement, Parts I & II
Playlist:
01 Salif Keïta - Soro (Afriki)
02 Tony Allen & Afrika 70 - No Acommodation For Lagos
03 Kasai Allstars - Mbua-A-Matumba
04 Simphiwe Dana - The One Love Movement, Parts I & II
Dienstag, 17. August 2010
The Sweet Talks - The Kusum Beat / Hedzoleh Soundz - Hedzoleh
Nachdem im letzten Jahr veröffentlichten Ghana Special folgte das britische Soundway Label in diesem Jahr nun mit der Veröffentlichung zweier Original Alben aus dem Ghana der 1970er Jahre.
In den 1970er Jahren zählten The Sweet Talks zu den beliebtesten Bands in Ghana, was sich vor allem auch darin zeigte, dass die Band in jenem Jahrzehnt zumindest in ihrer Heimat eine ganze Reihe von Hitalben veröffentlichte. Das Album The Kusum Beat war ihr zweites, stammt ursprünglich aus dem jahr 1974 und bestand aus einer Mischung aus traditionellen Rhythmen, Highlife, Funk und Afrobeat. Der Bandname The Sweet Talks bezieht sich auf den Nachtclub Talk Of The Town in der Hafenstadt Tema in der Nähe von Accra, in dem die Band damals regelmäßig auftrat. Aufgrund des Erfolges ihrer ersten 3 LPs begann die Band mit Tourneen und schaffte es dadurch bis nach Los Angeles, wo auch ihr erfolgreichstes Album Hollywood Highlife Party entstand.
Mit gerade mal 6 Tracks und 27 Minuten Spielzeit ist The Kusum Beat zwar etwas kurz geraten, das Album zeigt aber dennoch eindrucksvoll die Vielseitigkeit dieser 10-köpfigen Band, die ihren Sound aus treibenden Rhythmen, mächtigen Bläsern sowie E-Gitarren und Orgel zusammesetzte. Vor allem die Orgel ist es auch, die hier und das Akzente setzt, indem unwiderstehliche Melodien auf ihr gespielt werden, die entfernt durchaus auch an die Doors erinnern. Dies wird vor allem im abschließenden Kyekye Pe Aware deutlich, einem Afrobeat Stück, das sich auch vor einem Fela Kuti nicht verstecken muss.
Noch deutlich tiefer in tradionellen Rhythmen verwurzelt waren Hedzoleh Soundz, die 1973 ihr erstes und damals auch einziges Album Hedzoleh veröffentlichten. Die Band spielte eine eher ungewöhnliche Mischung aus tradionellen Rhythem der unterschiedlichem Regionen Ghanas und westlicher Rockmusik. Die Band spielte damals regelmäßig im beüchtigten Nachtclub Napoleon, wo sie Ende 1973 auf den südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela trafen, der zu jener Zeit in Ghana lebte. Bekanntgemacht mit der Band wurde Masekela von keinem geringeren als Fela Kuti. Hugh Masekela wollte unbedingt ein Album mit der Band aufnehmen was schließlich zu dessen Klassiker Introducing Hedzoleh Soundz führte. Dafür wurden auch 4 Songs vom "Hedzoleh" Album verwendet wobei aber lediglich die Flöten durch Masekelas Trompete ersetzt wurden. Die Urfassung kommt dagegen ganz ohne Trompete aus, dafür spielen die bereits erwähnten Flöten eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Hinzu kommt der großartige, seelenvolle und zum Teil mehrstimmige Gesang der für Akzente sorgt und den melodieverliebten Stücken die entsprechende Atmosphäre verleiht. Stellvertretend sei hier das eindringliche Kaa Ye Oyai (Dont Be In A Hurry) genannt, das einem direkt unter die Haut geht.
Die Band Hedzoleh Soundz gibt es übrigens noch und ihrer Homepage kann man entnehmen, dass 2010 ein neues Album erscheinen soll. Die dort ebenfalls vorhandenen Soundsamples klingen aber leider nicht besonders vielversprechend.
(Soundway / 2010)
In den 1970er Jahren zählten The Sweet Talks zu den beliebtesten Bands in Ghana, was sich vor allem auch darin zeigte, dass die Band in jenem Jahrzehnt zumindest in ihrer Heimat eine ganze Reihe von Hitalben veröffentlichte. Das Album The Kusum Beat war ihr zweites, stammt ursprünglich aus dem jahr 1974 und bestand aus einer Mischung aus traditionellen Rhythmen, Highlife, Funk und Afrobeat. Der Bandname The Sweet Talks bezieht sich auf den Nachtclub Talk Of The Town in der Hafenstadt Tema in der Nähe von Accra, in dem die Band damals regelmäßig auftrat. Aufgrund des Erfolges ihrer ersten 3 LPs begann die Band mit Tourneen und schaffte es dadurch bis nach Los Angeles, wo auch ihr erfolgreichstes Album Hollywood Highlife Party entstand.
Mit gerade mal 6 Tracks und 27 Minuten Spielzeit ist The Kusum Beat zwar etwas kurz geraten, das Album zeigt aber dennoch eindrucksvoll die Vielseitigkeit dieser 10-köpfigen Band, die ihren Sound aus treibenden Rhythmen, mächtigen Bläsern sowie E-Gitarren und Orgel zusammesetzte. Vor allem die Orgel ist es auch, die hier und das Akzente setzt, indem unwiderstehliche Melodien auf ihr gespielt werden, die entfernt durchaus auch an die Doors erinnern. Dies wird vor allem im abschließenden Kyekye Pe Aware deutlich, einem Afrobeat Stück, das sich auch vor einem Fela Kuti nicht verstecken muss.
Noch deutlich tiefer in tradionellen Rhythmen verwurzelt waren Hedzoleh Soundz, die 1973 ihr erstes und damals auch einziges Album Hedzoleh veröffentlichten. Die Band spielte eine eher ungewöhnliche Mischung aus tradionellen Rhythem der unterschiedlichem Regionen Ghanas und westlicher Rockmusik. Die Band spielte damals regelmäßig im beüchtigten Nachtclub Napoleon, wo sie Ende 1973 auf den südafrikanischen Trompeter Hugh Masekela trafen, der zu jener Zeit in Ghana lebte. Bekanntgemacht mit der Band wurde Masekela von keinem geringeren als Fela Kuti. Hugh Masekela wollte unbedingt ein Album mit der Band aufnehmen was schließlich zu dessen Klassiker Introducing Hedzoleh Soundz führte. Dafür wurden auch 4 Songs vom "Hedzoleh" Album verwendet wobei aber lediglich die Flöten durch Masekelas Trompete ersetzt wurden. Die Urfassung kommt dagegen ganz ohne Trompete aus, dafür spielen die bereits erwähnten Flöten eine nicht zu vernachlässigende Rolle. Hinzu kommt der großartige, seelenvolle und zum Teil mehrstimmige Gesang der für Akzente sorgt und den melodieverliebten Stücken die entsprechende Atmosphäre verleiht. Stellvertretend sei hier das eindringliche Kaa Ye Oyai (Dont Be In A Hurry) genannt, das einem direkt unter die Haut geht.
Die Band Hedzoleh Soundz gibt es übrigens noch und ihrer Homepage kann man entnehmen, dass 2010 ein neues Album erscheinen soll. Die dort ebenfalls vorhandenen Soundsamples klingen aber leider nicht besonders vielversprechend.
(Soundway / 2010)
Montag, 9. August 2010
Kareyce Fotso - Kwegne
Wenn man Kareyce Fotso zum ersten mal singen hört, fällt es schwer zu glauben, dass das die Stimme der auf dem Cover abgebildeten jungen Frau sein soll. Hinzu kommt, dass das Album sehr sparsam arrangiert wurde und oft nur Gitarre und Gesang zu hören sind. Ein Werk voller Lebenserfahrung, die man einem noch jungen Menschen eigentlich gar nicht zutrauen möchte. Aber warum eigentlich nicht? Die Biographie verrät, dass sie in ihrer Heimat Kamerun zunächst Biochemie studierte, was sie heute jedoch als die schlimmste Zeit ihres Lebens bezeichnet. Im Grunde wollte sie immer Sängerin werden, was jedoch zunächst von ihrem Vater verhindert wurde, da er nicht wollte, dass seine Kinder wie er selbst Künstler werden. Einer ihrer Brüder konnte die Eltern schließlich davon überzeugen, sie ihren Traum als Sängerin verwirklichen zu lassen. So sang sie schon im Chor ihrer Landsmännin Sally Nyolo und landete schließlich in der Kabarett Szene der Hauptstadt Yaounde. 2009 gewann sie schließlich den 2. Platz beim "Jeux de la Francophonie" Wettbewerb in Beirut.
Von ihrer Kabarettzeit ist auf ihrem Album nicht viel übrig geblieben. So schimpft sie im Stück Pac-ler franþaise über eine Frau, die ihr den Mann ausspannen möchte mit den Worten "Wer glaubt sie denn zu sein? Sie spricht ja noch nicht einmal englisch.". Ansonsten sind die Themen der spartanisch eingespielten Lieder meist ernster Natur. So handelt das traurige Mayole von der sinnlosen Abholzung des Regenwaldes, vorgetragen mit klagender Stimme lediglich begleitet von ihrer Akustikgitarre. In Lomdieu wettert sie gegen die immer noch verbreitete Tradition der Zwangsehe und im Stück Kuichoueu träumt sie von einer friedlicheren Welt, ein Kindheitstraum. Was all diese Lieder auszeichnet, ist die rohe und bisweilen unbehauene Herangehensweise. Mit ihrer bisweilen rauen Stimme und ihrem ungewöhnlichen Gitarrenspiel driftet sie zu keiner Zeit in seichte Weltmusikgefilde ab sondern wirkt viel mehr wie eine Bluesmusikerin, die durch die Lande zieht, hier eben mit kamerunischem Flair. Und das Stück Goun, eine Ode an die Heimat, ist dann auch eine Art Blues, eben in ihrer ganz eigenen Art. Das Stück Sea Chant kommt dann ganz ohne Gitarre aus. Meeresrauschen, ein paar Percussion und der druckvolle Gesang Kareyce Fotsos sorgen hier für eine ganz eigene Atmosphäre.
Kwegne ist das internationale Debüt dieser wunderbaren Singer/Songwriterin (das Album Mulato ist nur in Kamerun erschienen) und sicher eine der Entdeckungen des Jahres. Ganz große Empfehlung!
(Contre Jour / 2010)
Von ihrer Kabarettzeit ist auf ihrem Album nicht viel übrig geblieben. So schimpft sie im Stück Pac-ler franþaise über eine Frau, die ihr den Mann ausspannen möchte mit den Worten "Wer glaubt sie denn zu sein? Sie spricht ja noch nicht einmal englisch.". Ansonsten sind die Themen der spartanisch eingespielten Lieder meist ernster Natur. So handelt das traurige Mayole von der sinnlosen Abholzung des Regenwaldes, vorgetragen mit klagender Stimme lediglich begleitet von ihrer Akustikgitarre. In Lomdieu wettert sie gegen die immer noch verbreitete Tradition der Zwangsehe und im Stück Kuichoueu träumt sie von einer friedlicheren Welt, ein Kindheitstraum. Was all diese Lieder auszeichnet, ist die rohe und bisweilen unbehauene Herangehensweise. Mit ihrer bisweilen rauen Stimme und ihrem ungewöhnlichen Gitarrenspiel driftet sie zu keiner Zeit in seichte Weltmusikgefilde ab sondern wirkt viel mehr wie eine Bluesmusikerin, die durch die Lande zieht, hier eben mit kamerunischem Flair. Und das Stück Goun, eine Ode an die Heimat, ist dann auch eine Art Blues, eben in ihrer ganz eigenen Art. Das Stück Sea Chant kommt dann ganz ohne Gitarre aus. Meeresrauschen, ein paar Percussion und der druckvolle Gesang Kareyce Fotsos sorgen hier für eine ganz eigene Atmosphäre.
Kwegne ist das internationale Debüt dieser wunderbaren Singer/Songwriterin (das Album Mulato ist nur in Kamerun erschienen) und sicher eine der Entdeckungen des Jahres. Ganz große Empfehlung!
(Contre Jour / 2010)
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