Montag, 17. Mai 2010

Simphiwe Dana - Live in Heidelberg, 16.05.2010

Eher zufällig habe ich von diesem Konzert erfahren, weder auf ihrer Homepage noch auf ihrer MySpace Seite war davon die Rede. Vom bereits angekündigten neuen Album findet man kaum Informationen, auch die Künstlerin selbst hat während dem Konzert nichts davon erwähnt, ein paar neue Stücke hat sie aber dennoch gespielt, zumindest waren sie mir nicht bekannt. Vor ca. 2 Jahren hat Simphiwe Dana zum ersten mal im Heidelberger Karlstorbahnhof gespielt, damals während einer kalten Winternacht im Februar, was zu der scherzhaften Aussage führte, dass in ihrer Heimat kein Mensch bei solchen Temperaturen das Haus verlassen würde, geschweige denn zum einem Konzert gehen. Dieses mal war es eine nicht ganz so laue Frühlingsnacht und schon vor dem Konzert konnte man durch einen Blick auf die Bühne erkennen, dass es dieses mal etwas anders werden würde. Zu sehen war ein Flügel, der schon den halben Platz zu beanspruchen schien und ich fragte mich, wo den all die Musiker stehen sollten. Doch dieses mal standen 3 Personen weniger auf der Bühne und was sich auf dem Album The One Love Movement On Bantu Biko Street schon andeutete, wird mit dem kommenden Album nun konsequent fortgesetzt. Die musikalische Begleitung bestand aus Piano, Kontrabass und Schlagzeug die noch von 2 Chorsängern unterstützt wurden. Dadurch ging die Musik noch deutlicher in Richtung Jazz und auch die Stücke der ersten beiden Alben wurden dementsprechend neu arrangiert. Und diese neuen Arrangements standen Songs wie Bantu Biko Street, Vukani oder Ndiredi ausgesprochen gut. Erweitert wurden die meisten Stücke um solistische Einlagen, bei denen vor allem der Schlagzeuger hervorstach. Einmal durfte die Band aber dann doch die Bühne verlassen und im Gegensatz zum ersten Auftritt 2008 gab es dieses mal mit Vela auch ein A-Capella Stück. Ganz im Mittelpunkt stand aber natürlich einmal mehr Simphiwe Dana selbst mit ihrer ungeheuren Bühnenpräsenz einerseits und ihrer sympathischen Ausstrahlung andererseits und ganz zu schweigen von ihrer phantastischen Stimme.
Alles in allem war es mal wieder ein rundum gelungenes Konzert, das die Vorfreude auf das kommende Album nur noch steigert, wann immer es veröffentlicht werden mag.

Mittwoch, 5. Mai 2010

African Spacecraft 4

Sendetermin: 04.05.2010

Playlist:

01 Mamar Kassey - Foulbe Gari
02 Etran Finatawa - Daim Walla
03 Group Bombino - Imouhare
04 Les Espoirs De Coronthie - Baydi
05 Nuru Kane - Anna
06 Dobet Gnahoré - Nfletoun
07 Manou Gallo - Nalingiyo
08 Ali Farka Toure - Hani
09 Boubacar Traoré - Horonia
10 Femi Kuti - Scatta Head

Mittwoch, 21. April 2010

Etran Finatawa - Tarkat Tajje / Let's Go

Etran Finatawa bedeutet übersetzt etwa "Sterne der Tradition" und genau zwei Traditionen unterschiedlicher Kulturen vereint diese Band aus der Republik Niger. Sie ist die einzige Band, welche die Kulturen der Wodaabe, ein Nomadenstamm der Fulani, und den Tuareg kombiniert und heraus kommt dabei eine einzigartige Mischung aus Nomadenblues und hypnotischen Rhythmen. Gegründet wurde die Band im Jahr 2004 und wurde im Niger sehr schnell bekannt. Festivalauftritte in Mali und Marokko folgten und 2006 schließlich erschien in der Introducing Reihe des Worldmusic Networks das Debütalbum, das auch für den BBC Award nominiert wurde. Ein weiteres Album Desert Crossroads warf 2008 einen nostalgischen Blick auf das Nomadenleben und verschaffte der Band weltweit Auftritte.

Das neue Album Tarkat Tajje geht zumindest was die Texte angeht einen weniger traditionellen Weg, bleibt aber den musikalischen Wurzeln treu, wobei die Aufgaben klar verteilt sind: für die bluesigen Gitarren sorgen die Tuareg, während die Wodaabe, die man an ihrem Federschmuck und der Gesichtsbemalung erkennt, den Rhythmusteil übernehmen. War die vor kurzem hier vorgestellte Band Tamikrest auch als Eintieg in die Welt des Sahara Blues geeignet, so ist Etran Finatawa mehr etwas für den geübten Hörer. Das zeigt sich schon in der Länge der einzelnen Stücke. Kurze eingrägsame Songs sucht man hier vergeblich, die meisten Tracks knacken locker die 6 Minuten Grenze, Aitma bringt es sogar auf 10 Minuten, wobei in dem Stück nicht gerade viel passiert, genau genommen hält die Band das Stück rhythmisch durchweg am Köcheln und dazu gibt es die für die Tuareg typischen Call And Response Gesänge. Die Gitarren klingen hier weit weniger knarzig und ruppig als dies bei Bands wie Tinariwen der Fall ist und stehen insgesamt auch nicht so sehr im Vordergrund. Wie bereits erwähnt, ist es vor allem die Rhytmik, die Etran Finatawa von reinen Tuareg Bands unterscheidet. So werden Händeklatschen und Trommeln meist kombiniert und sorgen für eine sogartige Wirkung, die hier und da durch einen funkigen Bass noch verstärkt wird. In ihren Texten behandelt die Band längst nicht mehr nur das Nomadendasein. So geht es in Duuniyaaru Dillii um die Unabwägbarkeiten, die das Leben so mit sich bringt. Denkt man sich die Trommeln weg, könnte es sich dabei fast um ein Ali Farka Toure Stück handeln. Imuzaran dagegen richtet sich an die Machthaber dieser Welt und macht sie für all die Kriege verantwortlich. Deutliche Worte einer Band, deren Mitglieder selbst zu einer unterdrückten Minderheit in ihrer Heimat gehören.

Tarkat Tajje gehört sicher zu jenen Alben, die mehr als einen Durchlauf brauchen, bevor sich einem seine ganze Schönheit erschließt. Eine Sache, die sich aber in jedem Fall lohnt, oder um es mit den Worten der Band zu sagen: Ummee Ndaaren / Stand up and go for the right thing!

(Riverboat / 2010)

Mittwoch, 7. April 2010

African Spacecraft 3

Sendetermin: 06.04.2010

Playlist:

01 BLO - BLO
02 The Mercury Dance Band – Envy No Good
03 Orchestre Poly Rythmo De Cotonou – Se Tche We Djo Mon
04 Mahotella Queens – Zwe Kumusha
05 Hugh Masekela – Abagoma
06 Miriam Makeba – House Of The Rising Sun
07 Ali Farka Toure & Toumani Diabate – Sina Mory
08 Toumani Diabate's Symmetric Orchestra – Boulevard De L'Independance
09 Ali Farka Toure - Cousins
10 Salif Keïta – San Ka Na
11 Tamikrest – Aicha
12 Razia Said - Mifohaza

Mittwoch, 24. März 2010

Ali Farka Toure & Toumani Diabate - Ali & Toumani

"Et voilà" hört man Ali Farka Toure am Ende sagen und was auf den ersten Blick vielleicht nur so dahergesagt wirkt, lässt einem tatsächlch einen Gänseschauer über den Rücken jagen. "Et voilà, das war's", Toure wusste, dass er nicht mehr lange leben würde und dass dies seine letzten Aufnahmen sein werden. Und so schließt dieses "Et voilà" auch das Kapitel eines der größten Musiker Afrikas wenn nicht der Welt. Einem Musiker, der sich nicht verbiegen ließ, dem zuviel Erfolg suspekt erschien sich zurückzog um hauptsächlich als Landwirt aktiv zu sein und der Ende der 90er Jahre ein ganzes Aufnahmestudio nach Niafunke bringen ließ, um ein weiteres Album aufzunehmen. 2005 erschien schließlich die erste Zusammenarbeit mit Toumani Diabate, das im Mandé Hotel in Bamako aufgenommene und mit dem Grammy ausgezeichnete Album In The Heart Of The Moon. Während einer kurzen Europa Tour entstanden die Aufnahmen zu einem weiteren gemeinsamen Album. Toure war zu diesem Zeitpunkt von seiner Krebserkrankung schon schwer gezeichnet und litt während der Aufnahmen nicht selten unter Schmerzatacken, was ihn aber nicht davon abhielt, weiterzumachen. Er wollte dieses Album unbedingt fertigstellen. Dass es nun 4 Jahre gedauert hat, bis diese definitiv letzten Aufnahmen endlich veröffentlicht wurden, zeigt auch, wie respektvoll World Circuit mit seinem Tod umgegangen ist und dies immer noch tut. Und man darf natürlich Toumani Diabates gleichberechtigten Anteil an diesen beiden Alben nicht vergessen.

Im Grunde gibt es zu diesem Album doch gar nicht viel zu sagen. Wer In The Heart Of The Moon liebt, kommt an diesem Album unmöglich vorbei. Und es stellt sich natürlich die Frage, wie man In The Heart Of The Moon denn nicht lieben kann, diese Verschmelzung aus Diabates perlenden Koraklängen und Toures schroffen Gitarrenfiguren. "The most beautiful music on earth" behauptete damals das britische Mojo und was soll ich sagen, sie hatten recht. Es fällt tatsächlich schwer, die Schönheit dieser Musik in Worte zu fassen, diese meist ruhig dahinfließende und vor Melodienreichtum nur so strotzende Musik, gespielt von zwei Musikern, die sich trotz oder gerade wegen ihrer unterschiedichen Herkunft blind zu verstehen schienen. Und das hört man schon beim Eröffnungsstück Ruby, das Toure spontan nach Nick Golds Tochter benannt hat als er es ihnen vorpsielte. Es ist eines dieser hypnotisierenden Stücke, die einen vor Ehrfurcht erstarren lassen und bei denen man sich nicht traut, sich auch nur zu bewegen, nur um diesen magischen Moment nicht zu stören. Auf zwei Stücken sang Ali auch noch einmal. Da wäre zum einen das afro-karibisches Flair verbreitende Sabu Yekoy, das er schon in den 60er Jahren spielte und bei dem er u.a. von seinem Sohn Vieux Farka Toure an den Kongas begleitet wurde. Zum Anderen wäre da noch Sina Mory, das ihn Mitte der 50er Jahre zur Musik brachte. Es war Nick Gold, der ihn immer wieder fragte, welches Stück ihn als ersten zum Gitarrespielen inspirierte, doch erst kurz vor seinem Tod erinnerte sich Toure an dieses Stück. Und auch die restlichen Instrumentalstücke haben nichts von der Klasse eines In The Heart Of The Moon eingebüßt.

Hörte man seinem letzten Soloalbum Savane noch den Kampf gegen den Tod an, so klingt Ali & Toumani nach jemanden, der mit sich im Reinen ist. Ein würdevoller Abschied!


PS

Neben dem Album gibt es noch zwei weitere Stücke. Da wäre zum Einen Kenouna, ein bluesiges Stück mit Gesang, das World Circuit zum kostenlosen Donwload anbietet und zum Anderen Kala Djula, ein weiteres Instrumentalstück, das als Bonus der iTunes Version zur Verfügung gestellt wurde, das aber auch einzeln erhältlich ist.

(World Circuit / 2010)

Dienstag, 16. März 2010

Salif Keïta - La Différence

"I'm Black/ My skin is white. And I like this. It's difference that makes it beautiful/ I'm White/ My blood is black/ And I love this" singt Salif Keit im Titelstück seines neuen Albums. Das mag auf den ersten Blick etwas plakativ daherkommen, fasst aber im Grunde die Thematik des Albums und Keïtas damit verbundenes Anliegen sehr gut zusammen. Salif Keïta ist Albino, eine Laune der Natur, die ausgrechnet in Afrika besonders häufig vorkommt, denn dort haben es Albinos meist doppelt schwer: zum Einen wegen dem Klima und zum Anderen, was viel schwerwiegender ist, wegen gesellschaftlicher Ausgrenzung und Aberglaube, was dazu führt, dass Albinos wahlweise als Glücks- oder Unglücksbringer angesehen werden und sie in manchen Regionen regelrecht gejagt werden. Um dem entgegen zu wirken, hat Salif Keïta vor Jahren die Organisation Global Foundation gegründet, der auch der gesamte Erlös des Albums zugute kommt.

La Différence besteht sowohl aus neuen als auch aus alten Stücken, die speziell für dieses Album neu eingespielt wurden. Der bereits auf Moffou eingeschlagene Weg zurück zu traditionelleren Klängen wird hier fortgesetzt und hier und das um einige orientalische Elemente erweitert. So wird das ruhig dahinfließende Gaffou durch eine Oud verfeinert und Keïta selbst bezeichnete sich in einem Interview unlängst als großen Verehrer arabischer Musik. Es befinden sich auf dem Album aber auch andere unerwartete Kollaborationen. So wirkt auf der Neueinspielung von Folon der amerikanische Jazzmusiker Bill Frisell mit, der das Stück mit seinem superben Gitarrenspiel noch ergreifender wirken lässt, als dies die Originalversion aus dem Jahr 1995 schon tat. Folon ist nach eigener Aussage ein sehr wichtiges Stück für Salif Keïta, denn es entstand zu einer Zeit des politischen Umbruchs in Mali nämlich dem Ende von Moussa Traorés Diktatur. Das eingangs erwähnte Titelstück ist dagegen typischer mit Frauenchören und eingängiger Melodie ausgestatteter Mandingpop und mit seinem alten Weggefährten Kante Manfila, mit dem er seit seinen Zeiten bei den Ambassadeurs immer wieder zusammenarbeitet, spielte er das Stück Seydou neu ein, das zu Ambassadeurs Zeiten noch Seydou Bathily hieß und 1995 für das Album Folon schon mal neu eingespielt wurde. Eine weitere Neueinspielugn ist das Titelstück des Albums Papa, dessen Intensität hier durch das Hinzunehmen eines Cellos noch vertärkt wird. Ebenfalls erwähnenswert ist der Auftritt des libanesichen Trompeters Ibrahim Maalouf, der durch sein eher zurückhaltendes Spiel dem Stück Samiga eine spezielle Note verleiht.

Mit La Différence setzt Salif Keïta den auf Moffou eingeschlagenen musikalischen Weg konsequent fort ohne dabei die Experimentierfreudigkeit aus den Augen zu verlieren. Ursprünglich waren sogar zwei neue Alben geplant, aus Zeitgründen und der Sache wegen wurde jedoch erst einmal dieses Album veröffentlicht. Musikalisch hat es seinen Zweck und die Erwartungen mehr als erfüllt, bleibt also zu hoffen, dass sich der Erfolg auch auf den Einsatz für Albinos überträgt.

Dienstag, 9. März 2010

Justin Adams & Juldeh Camara - The Trance Sessions

Ein Nachschlag zum letztjährigen phänomenalen Tell No Lies Album. Wobei diese EP mit einer Gesamtlänge von ca. 36 Minuten fast schon als Album durchgeht. Darauf enthalten sind jedoch nur 3 Stücke, von denen man 2 bereits vom Album kennt. Hier ist jedoch alles länger, hypnotischer und von der Spieldauer her eben auch "afrikanischer", wie es so schön auf der Hülle steht: No 3.30s here. Und so lässt sich Sahara als Deep Sahara beinahe 15 Minuten Zeit und setzt dabei verstärkt auf eine Rhythmik, die Camaras Ritti und Adams' punkiges Gitarrenriff in einem noch helleren Glanz erscheinen lässt. Am Ende legt Camara die Ritti dann zu Seite und trommelt noch ein bisschen auf der Tama. Alles improvisiert und in One Takes live im Studio eingespielt. Man wollte die Atmosphäre der Livekonzerte ins Studio übertragen und schließlich auf einen Tonträger bannen. Und das ist ausgesprochen gut gelungen, denn obwohl die 3 Stücke nicht nur lang sondern beim ersten Hören auch eher monoton geraten sind, kommt hier zu keiner Zeit Langeweile auf.

(Real World Records / 2010)

Mittwoch, 3. März 2010

African Spacecraft 2

Sendetermin: 02.03.2010

Playlist:

01 Kandia Kouyate – San Barana
02 Extra Golden – Piny Yore Yore
03 Guelewar – Warteef Jiiggen
04 Youssou N'Dour – I bring what I love
05 Étoile De Dakar - Thiely
06 Tommy T feat. Gigi - Response
07 Gigi – Gud Fella
08 Bibi Tanga & The Selenites – Bê Africa
09 Keziah Jones – African Spacecraft

Freitag, 19. Februar 2010

Youssou N'Dour - I Bring What I Love

Dieser Tage erscheint Youssou N'Dours Film I Bring What I Love auf DVD. Darin geht es um sein 2004 erschienenes Album Egypt und die darauf folgenden Reaktionen vor allem in seiner Heimat Senegal. Mit dem Album wollte N'Dour in erster Linie und auch als Reaktion auf die Anschläge vom 11.09.2001 den Islam als friedliche Religion, ja als Religion der Liebe präsentieren, was ihm international auch viel Anerkennung einbrachte, wohl auch weil das Album erwartungsgemäß völlig frei von Missionierungsversuchen ist. Nur in seiner Heimat Senegal wurde er heftig dafür kritisiert, was darin gipfelte, dass Gerüchte in die Welt gesetzt wurden er würde nackte Frauen in seinen Videos auftreten lassen. Gehört hatten das Album wohl die wenigsten, es zeigt aber, wie einfach sich Menschen beeinflussen lassen. Die Wende kam erst im Jahr 2005, als Egypt mit dem Grammy ausgezeichnet wurde und somit überhaupt zum ersten mal ein Grammy an einen Künstler aus dem Senegal verliehen wurde. Youssou N'Dour ließ sich damals mit einem offenen Auto durch die Straßen Dakars fahren, um den Grammy wie einen Pokal der jubelnden Menge zu präsentieren. Ein Foto davon kann man auch auf dem Cover des bereits im Januar veröffentlichten dazugehörigen Soundtracks sehen.
Auf dem Soundtrack befinden sich neben 2 neuen Stücken 9 Neueinspielungen bzw. Liveversionen bekannter Stücke, z.T. in neuen Arrangements wie z.B. Li Ma Weesu vom eh schon superben Nothing's In Vain Album. Bei Immigrés (Bitim Rew) singt Seun Kuti im Chor mit, ohne die Info in den Credits hätte ich das aber nicht herausgehört. Von Egypt, um das es hier eigentlich geht, gibt es mit Touba Daru Salaam nur ein Stück, dem Mame Bamba vom Wommat Album als Intro vorangestellt wurde. Das Ganze wurde mit dem Fathy Salama Orchestra live eingepsielt und zählt zusammen mit Yama vom selben Konzert (vom Joko Album) zu den Highlights des Albums. Leider gibt es über die Quelle dieser Liveaufnahmen keine genaueren Angaben, allerdings sind sie so gut, dass ich mir nun eine DVD zur damaligen Tour wünsche. Ebenfalls deutlich besser gefällt mir die neue Version von Birima, dessen Original auf Joko nicht weiter aufgefallen ist, was sicher auch am damaligen Produktionsbombast lag. Davon befreit erstrahlt das Stück nun in völlig neuem Glanz. Auch die beiden neuen eher ruhig gehaltenen Stücke sind qualitativ auf der Höhe, letzteres als bewegendes Duett mit Moustapha Mbaye, der in Senegal als Griot des Propheten bekannt ist.
Einziger Kritikpunkt dieses ansonsten hervorragenden Soundtracks ist die fehlende Homogenität. So funktionieren die Stücke einzeln ganz wunderbar, wirken zusammen aber mehr wie eine Kompilation. Wer von Youssou N'Dour noch nichts hat, dem bietet dieser Soundtrack einen guten Einsteig und allen anderen gegenüber den Originalen z.T. bessere Neuversionen. So gesehen also (fast) alles richtig gemacht. Mit Spannung warte ich nun auf Dakar-Kingston.

Montag, 15. Februar 2010

Kassé Mady Diabaté - Manden Djeli Kan

Pech für Kassé Mady Diabaté, in Frankreich erschien das Album bereits im Herbst 2008, hierzulande aber erst im Frühjahr 2009. Somit taucht das Album in keiner Endjahresliste auf, obwohl es das mehr als verdient hätte. Wenngleich ich gestehen muss, dass es mich zunächst einmal fast ein bisschen enttäuscht hat. Eigentlich völlig unverständlich, denn Diabaté bietet auf seinem vermutlich 4. internationalen Album durchweg hochkarätige Songs und bewegt sich dabei sehr geschickt ziwschen Moderne und Manding Tradition. Obwohl er in seiner Heimat Mali ein Star ist, ist er international kaum bekannt. Allerdings hat er ebi einigen namhaften Projekten mitgewirkt. So singt er unter anderem für Toumani Diabaté's Symmetric Orchestra und wirkte auch auf dessen Kollaboration mit Taj Mahal Kulanjan mit. Des Weiteren arbeitete er mit Dee Dee Bridgewater auf deren Red Earth Album und mit seinem Landsmann Cheick Tidiane Seck.

Geboren wurde Diabaté 1949 in Kéla und ist Mitglied einer der größten Griot Familien in Westafrika. Im Alter von 20 Jahren wurde er bereits zu einer lokalen Berühmtheit in Kangaba, der alten Mandingo Hauptstadt. Der Gouverneur der Kangaba Bezirks gründete zu jener Zeit ein Orchester und bot Diabaté die Stelle des Sängers an. Dies war das erste mal, dass Diabaté mit eletrischer Musik in Berührung kam. 1972 schließlich wurde er vom Jugendministerium des sozialistischen Mali als Sänger des Badema National Orchestra verpflichtet. Fortan führte er ein zweigleisige Karriere, zum einen als Griot für die Oberschicht und zum anderen quasi als Popsänger in den Clubs der Hauptstadt Bamako. Und beides findet sich auch auf Manden Djeli Kan, das übersetzt etwa bedeutet, "Die Stimme des Manding Griot". Einem traditionellen Stück wie Kalou Man Kene folgt hier das ungemein poppige und mit einer unwiderstehlichen Melodie ausgestatte Kaninba. Unterstützt wird er dabei von großartigen Musikern wie Djelimady Tounkara, der schon bei der Rail Band Gitarre spielte und natürlich von den obligatorischen Frauenchören, wie man sie auch von Salif Keita kennt. Von der Umsetzung her ist Manden Djeli Kan durchaus vergleichbar mit Keitas letzten Alben jedoch auch mit einer ganz eigenen Note versehen. Ein weiterer Höhepunkt dieses an Höhepunkten nicht armen Albums ist das reduzierte, lediglich mit zwei Koras und zusammen mit Toumani Diabaté eingespielte Nankoumandjian, das den Sprung in etwas bluesigere Gefilde wagt und eine weitere Nuance auf einem abwechslungsreichen aber dennoch homogen wirkenden Album ist.

Schon erstaunlich, wie sich aus einem vermeintlich unscheinbaren Album im Lauf der Zeit doch noch ein kleines Meisterwerk entwickelt.Es zeigt aber, dass es manchmal nicht verkehrt ist, einem Album ein paar Chancen mehr zu geben. In diesem Fall hat es sich mehr als gelohnt.

(Wrasse Records / 2009)