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Mittwoch, 8. Juni 2011

African Spacecraft 20: Island Blues

Sendetermin: 07.06.2011

Playlist:

01 Mariana Ramos - Beleza
02 Mariana Ramos - Mariana
03 Mayra Andrade - Dimokransa
04 Mayra Andrade - Michelle
05 Cesaria Evora - Flôr Di Nha Esperanca
06 Cesaria Evora - Sodade
07 Mikea - Tsena Zoma
08 Fataka - Gasikara
09 Fataka - Drôtsy
10 Rajery - Mandehandeha
11 Nathalie Natiembé - Tangaz pa tro for
12 Culture Muscial Club - Ni Yeye

Montag, 20. Juli 2009

Mayra Andrade - Live in Karlsruhe (19.07.2009) / stória, stória...

Ich muss gestehen, dass die Musik der Kapverden bei mir bislang nicht gerade Begeisterungsstürme ausgelöst hat. Mayra Andrade bildet hier die Ausnahme, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie die Musik ihrer Heimat, die typische Melancholie der Kapverden, mit westafrikanischen, brasilianischen, kubanischen und auch französischen Einflüssen mischt und hier und da mit ein paar Jazztupfern versieht. Hinzu kommt diese leicht angerauhte Stimme, die viel erwachsener und lebenserfahrener klingt als man das von einer gerade mal 24-Jährigen erwarten würde. Wobei es der auf Kuba geborenen und auf Kap Verde, in Angola und in Frankreich aufgewachsenen Andrade sicher nicht an Lebenserfahrung mangeln dürfte. Wirkte sie bei ihrem Auftritt in Würzburg vor 3 Jahren noch etwas schüchtern, so wickelt sie ihr Publikum auf der aktuellen Tour mit jeder Menge Charme und Eleganz um den kleinen Finger, kokettiert mit ihrem manchmal etwas holprigen Englisch ("Gestern war mein Englisch viel besser. Ehrlich!") oder lobt mit einem Augenzwinkern die deutsche Perfektion. Einziger Wehrmutstropfen beim Konzert in Karlsruhe waren die Stuhlreihen, die bis vor an die Bühne aufgebaut wurden. Ansonsten war es aber ein wunderbares Konzert, das sich vor allem auf die Vorstellung des neuen Albums stória, stória... konzentrierte. Dabei wurde die Rhythmik vor allem durch den brasilianischen Perkussionisten Ze Luis Nascimiento gegenüber dem Album noch deutlich verstärkt. Flink wie ein Wiesel wechselte er zwischen einer ganzen Batterie von Instrumenten und sorgte bisweilen für eine Dynamik, welche die Stuhlreihen noch überflüssiger erscheinen ließ, als sie dies eh schon waren. Der kamerunischen Bassist Etienne M’Bappé sorgte dagegen hier und da für funkige Elemente und beim großartigen Luo vom Debüt Navega sang Andrade zunächst nur vom Bass begleitet, ehe die Percussion einsetzten.

Im Gegensatz zum Konzert wirkt auf dem Album alles etwas zurückhaltender und noch detailfreudiger, als dies beim Liveauftritt schon der Fall war. So sorgt im Stück Tchápu na bondera eine Kora für Akzente, während bei Seu eine einsame Trompete ein paar Jazztupfer setzt. Seu ist auch ein schönes Beispiel dafür, dass Mayra Andrade auch ein Händchen für das Songwriting hat, eine Fähigkeit, die sie hier aber leider nur 5 mal unter Beweis stellt, darunter auch Odjus fitchádu eine Kollaboration mit dem Israeli Idan Raichel, das auf einem kapverdischen Rhythmus, dem sogenannten Coladeira, basiert oder Mon carrousel, ein rhythmusbetontes Stück mit einer chansonartigen Melodie, das auch auf französisch gesungen wird. Aber auch die restlichen Stücke, darunter Songs ihres Gitarristen und kapverdischen Multiinstrumentalisten Kim Alvés wissen zu überzeugen. Auch die meisten anderen Fremdkompositionen wurden speziell für Mayra Andrade geschrieben, wobei die Autodidaktin, die keine Noten lesen kann, immer konkrete Vorstellungen davon hat, wie sie die einzelnen Songs umsetzen möchte und sie somit quasi zu ihren eigenen macht. Und das funktioniert auf stória, stória... ausgesprochen gut.

Dienstag, 20. Februar 2007

Mayra Andrade - Navega

Bislang war dieses Album nur als teurer Import erhältlich, umso schöner, dass dieses Album ein halbes Jahr später nun doch noch in Deutschland veröffentlicht wurde. Kennengelernt habe ich diese faszinierende Sängerin von den Kapverden letztes Jahr auf dem Afrika Festival in Würzburg, wo sie als Co-Headlinerin vor Salif Keita auftrat. Navega ist das Debüt dieser gerade mal 21 Jahre alten Sängerin, die vorher schon zusammen mit Joe Zawinul aufgetreten ist und mit Charles Aznavur duettierte. Geboren auf Kuba, aufgewachsen in Angola, Senegal, Deutschland und natürlich auf Kapverde selbst hat es sie irgendwann nach Paris verschlagen.
Die Musik der Kapverden ist indes auch hierzulande nicht ganz unbekannt, denn dank einer Cesaria Evora, die für ihr Album Voz D'Amor immerhin einen Grammy bekommen hat, ist manch einem diese ca. 600 km vor dem Senegal liegende Inselgruppe durchaus ein Begriff.
Mayra Andrades Debütalbum Navega ist ein kleines musikalisches Wunderwerk, eingespielt mit einer Reihe bemerkenswerter Musiker, deren musikalische Wurzeln aus Kamerun, Brasilien, Madagaskar oder Frankreich kongenial zusammengeführt werden. Navega bedeutet so viel wie "auf den Wellen" und auf den Wellen des Atlantiks ist Mayra Andrade unterwegs zwischen kapverdischer Melancholie, westafrikanischen Rhythmen, brasilianischer Leichtigkeit, karibischer Gelassenheit und auch ein wenig französischem Flair. Die eigentliche Heimat Kap Verde verliert sie dabei nie aus den Augen und so singt sie bis auf eine Ausnahme ihre Lieder in ihrer Muttersprache Kreolisch (englische und französische Übersetzungen sind beigelegt). Die Kapverden bieten eine erstaunliche Vielfalt musikalischer Traditionen und so greift Mayra auf ihrem Album auch weniger bekannte, traditionelle Liedformen, Rhythmen und Tänze wie Coladeira, Funana und Batuque auf. Und dass sich ihre wunderbare, niemals aufdringlich wirkende Stimme bei einer typisch sehnsuchtsvollen Morna, einem traditionellen Klagelied, geradezu verzehrt, ist quasi das Tüpfelchen auf dem i dieses durchweg hervorragenden Debüts.