Dieser Tage erscheint Kanes zweites Album Number One Bus, wann es hierzulande veröffentlicht werden wird ist mir aber im Moment noch nicht bekannt. Zeit genug also um das hervorragende Debüt aus dem Jahr 2006 in Erinnerung zu rufen. Wobei ich zugeben muss, dass ich erst letzten Herbst und auch mehr zufällig darauf gestoßen bin.
Geboren und aufgewachsen in Medina, einem Stadtteil von Dakar, lernte Kane zunächst Gitarre und Bass und spielte in diversen Bands in Senegal bis es ihn in den späten 90ern nach Paris verschlug. Ein Trip nach Marokko brachte ihm den Gnawa näher und er erlernte das dazugehörige dafür hauptsächlich verwendete Instrument, die Guimbri, ein 3-saitiger Akustikbass. Schließlich gründete er zusammen mit Thiery Fournel, einem Oud Spieler und Gitarristen, und dem Ngoni und Tama Spieler Djeli Makan Sissoko die Band Bayefall Gnawa, die nach der westafrikanischen islamischen Bruderschaft Baye Fall benannt ist. Das Ergebnis ist eine Mixtur aus Singer/Songwriter, Blues und Gnawa, wobei Fournels Oud dem Ganzen noch zusätzlich ein orientalisches Flair verleiht. Bei den Aufnahmen wurde darauf geachtet, dass die Live-Atmosphäre bestmöglich ins Studio übertragen wurde. So wurde das Stück Gorée in nur einem Take aufgenommen und auch sonst auf allzuviel Produktionsschnickschnack verzichtet. Im Grunde ist Kane aber ein fast schon klassischer Songwriter, wie man schon im ersten Stück Toueb, das vom Umgang eines Mannes mit seinem eigenen Versagen handelt, hören kann. Bei Niane wird dagegen über einen Gnawa Rhythmus eine elektrische Gitarre gelegt, die für Rhythm'n'Blues Einschübe sorgt. Ganz im Zeichen des Gnawa steht dann das Stück Colère, das vom Ärger über korrupte Machthaber handelt. Auffallend ist hier der hypnotische, tranceartige Rhythmus, der einen unweigerlich in seinen Bann zieht und für Gnawa so typisch ist. Cheikh Anta, das dem senegalesischen Philosphen Cheikh Anta Diop gewidmet ist, handelt davon, dass Afrika weit mehr ist als Hunger, Krieg und Korruption. In Diops Schriften findet sich, so Kane, der Reichtum afrikanischer Kultur. Im abschließenden epischen Mami wird schließlich der Schuldenerlass für die 3. Welt gefordert, da diese durch Sklaverei und Kolonialisierung ihre Schulden längst bezahlt hat. Dies ist sicher richtig wenn auch leider nicht ausreichend. Musikalisch großartig ist es natürlich allemal.
Sigil ist somit ein ganz außergewöhnliches Debütalbum, das die Messlatte für kommende Alben in schier unerreichbare Höhen legt. Auf Number One Bus darf man natürlich dennoch gespannt sein und erste Hörproben klingen schon einmal sehr vielversprechend.
(Riverboat / 2006)
Mittwoch, 27. Januar 2010
Dienstag, 19. Januar 2010
Gino Sitson - Way To Go
Gino Sitson ist ein Vokalakrobat. Wobei man das in diesem Fall absolut positiv bewerten muss zumal auch nicht die Gefahr besteht, dass seine Musik im Formatradio zu Tode gespielt wird wie einst Bobby McFerrins Don't Worry Be Happy. Auch gibt es auf dem neuen Album Way To Go im Gegensatz zu früher keine reinen Gesangsstücke. Alles wurde in kleiner Besetzung bestehend aus Schlagzeug, Bass und Piano eingespielt wodurch ein Jazzfundament entsteht, auf dem Sitson seine Gesangsschichten wunderbar aufbauen kann und dessen Polyrhythmik auch die Klänge seiner Heimat Kamerun widerspiegelt.
Sitson ist in einer musikalischen Familie aufgewachsen und war von klein auf von Jazz, Blues und traditioneller afrikanischer Musik umgeben. Und genau diese Kombination ist es, die man auch auf seinem mittlerweile 4. Soloalbum nachhören kann. Wobei der Fokus in der Tat auf seiner 4-Oktaven-Stimme liegt. Was er mit ihr so alles anstellt ist bisweilen nicht von dieser Welt. Dabei pendelt er mühelos zwischen Sopran und Tenor, erreicht auch schon mal Falsetthöhen und benutzt darüber hinaus die Stimme auch noch als perkussives Instrument. Wobei die Songs, die er überwiegend in seiner Muttersprache Medumba singt, nicht zu kurz kommen. Manchmal, wie z.B. im wunderbaren, seinem Vater gewidmeten Peaceful Journey, verzichtet er auch ganz auf Worte und ersetzt diese durch Lautmalerei. Das ebenfalls dem verstorbenen Vater gewidmeten Daddy verzichtet am Ende dann ganz auf den Gesang, der hier durch das Spiel der Sanza, dem kamerunischen Daumenklavier, ersetzt wird. Die Sanza hatte ihm sein Vater kurz vor dessen Tod überreicht und möglicherweise ist dieses tragische Ereignis auch der Grund dafür, dass Way To Go eine eher familiäre Angelegenheit geworden ist. So finden sich auch Songs über seine Tochter (Lucia) und seine Mutter (Magny Marcelline).
Gino Sitson hätte es sich einfach machen können und wie beim Vorgänger Bamisphere auf eine Reihe hochkarätiger Gäste zurückgreifen. Aber er zog dieses mal das Quartett vor, mit dem er schon zusammen spielt, seit er in den USA angekommen ist. Unterstützt wird er von dem Pianisten Helio Alvez, dem Schlagzeuger Willard Dyson und dem Bassisten Lonnie Plaxico, der auch als musikalischer Leiter für Cassandra Wilson arbeitet. Hier setzt er mit seinem wunderbar dahinfließenden Bassspiel Akzente und auch sonst ist Way To Go ein äußerst gelungenes Album.
(Alessa / 2009)
Sitson ist in einer musikalischen Familie aufgewachsen und war von klein auf von Jazz, Blues und traditioneller afrikanischer Musik umgeben. Und genau diese Kombination ist es, die man auch auf seinem mittlerweile 4. Soloalbum nachhören kann. Wobei der Fokus in der Tat auf seiner 4-Oktaven-Stimme liegt. Was er mit ihr so alles anstellt ist bisweilen nicht von dieser Welt. Dabei pendelt er mühelos zwischen Sopran und Tenor, erreicht auch schon mal Falsetthöhen und benutzt darüber hinaus die Stimme auch noch als perkussives Instrument. Wobei die Songs, die er überwiegend in seiner Muttersprache Medumba singt, nicht zu kurz kommen. Manchmal, wie z.B. im wunderbaren, seinem Vater gewidmeten Peaceful Journey, verzichtet er auch ganz auf Worte und ersetzt diese durch Lautmalerei. Das ebenfalls dem verstorbenen Vater gewidmeten Daddy verzichtet am Ende dann ganz auf den Gesang, der hier durch das Spiel der Sanza, dem kamerunischen Daumenklavier, ersetzt wird. Die Sanza hatte ihm sein Vater kurz vor dessen Tod überreicht und möglicherweise ist dieses tragische Ereignis auch der Grund dafür, dass Way To Go eine eher familiäre Angelegenheit geworden ist. So finden sich auch Songs über seine Tochter (Lucia) und seine Mutter (Magny Marcelline).
Gino Sitson hätte es sich einfach machen können und wie beim Vorgänger Bamisphere auf eine Reihe hochkarätiger Gäste zurückgreifen. Aber er zog dieses mal das Quartett vor, mit dem er schon zusammen spielt, seit er in den USA angekommen ist. Unterstützt wird er von dem Pianisten Helio Alvez, dem Schlagzeuger Willard Dyson und dem Bassisten Lonnie Plaxico, der auch als musikalischer Leiter für Cassandra Wilson arbeitet. Hier setzt er mit seinem wunderbar dahinfließenden Bassspiel Akzente und auch sonst ist Way To Go ein äußerst gelungenes Album.
(Alessa / 2009)
Dienstag, 22. Dezember 2009
Bassekou Kouyate & Ngoni Ba - I Speak Fula
Am Ende hat es dann doch noch geklappt. Die positive Resonanz für dieses Album konnte ich zunächst nicht nachvollziehen, was mir mittlerweile auch schon wieder unbegreiflich ist. Man muss manchmal nur bestimmte Erwartungshaltungen über Bord werfen und und sich einem Werk von einer ganz anderen Seite nähern. Was I Speak Fula vom Debüt unterscheidet ist, dass die Ngoni hier noch stärker als Soloinstrument in der Vordergrund rückt. Rock'n'Roll artige Soli und ausgedehnte Jams sind keine Seltenheit, wie man z.B. in Musow, einen Lobgesang an die Frauen, nachhören kann. Und zu allem Überfluss ist das Stück auch noch mit einem eingängigen und unwiderstehlichen Refrain ausgestattet. Was zudem beeindruckt ist, wie über galoppierenden Rhythmen ein Solo auf der Ngoni nach dem anderen gespielt wird. Rock'n'Roll from outer space!
Im Kern handelt es sich hier um ein Ngoni Quartett, verstärkt durch Percussion und dem Gesang von Amy Sacko, der Frau Kouyates. Jahrhunderte lang war die Ngoni lediglich ein ausschließlich von Männern gespieltes Begleitinstrument. Erst Bassekou Kouyate rückte es vor mehr als 20 Jahren in den Mittelpunkt, indem er es wagte, auf dem Instrument ein Solo zu spielen wie es sonst nur Gitarristen tun. Auch von der Tatsache, dass die Ngoni traditionell nur von Männern gespielt werden darf, hält Kouyate nichts und lässt seine Tochter schon fleißig auf dem Instrument üben, wie er unlängst in einem Interview erzählte.
Bevor Kouyate 2007 sein erstes internationales Album Segu Blue veröffentlichte, arbeitet er u.a. mit seinen Landsmännern Habib Koite, den er 1989 auf dessen Europatournee begleitete, und Toumani Diabate zusammen. Aber auch mit dem Amerikaner Taj Mahal hat er schon gespielt.
Was I Speak Fula auszeichnet, ist die Verschmelzung von Melodik und Rhythmik, was gerade ein Stück wie das eingangs erwähnte Musow zunächst einmal sehr kantig erscheinen lässt, dessen schnörkellose aber energiegeladene Verspieltheit jedoch zunehmend begeistert und niemals in belangloses Gedüdel ausartet. Unterstützt wird der Ngoni-Vierer von einer Reihe von Gästen, darunter Toumani Diabate, Kasse Mady Diabate und Vieux Farka Toure, der mit seiner E-Gitarre den Bambugu Blues veredelt. Dass das Stück das Wort Blues im Titel trägt, ist wohl durchaus augenzwinkernd gemeint, denn eigentlich mag es Bassekou Kouyate nicht, wenn seine Musik als Blues bezeichnet wird, was durchaus nachvollziehbar ist, denn im Programm seiner Band befinden sich schließlich auch Stücke, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind, also schon lange vor dem Begriff Blues existiert haben und somit dessen Wurzeln in Mali, oder genauer in der Region Segu, zu finden sind. Wie dem auch sei, wenn sich einem I Speak Fula erst einmal erschlossen hat, wird man auch das Einzigartige und Originäre dieser Musik erkennen. Phänomenal ist sie allemal.
Musikalisch ist Bassekou Kouyate schon wieder einen Schritt weiter, träumt gar von einer Ngoni Sinfonie. Allerdings investiert er auch einen Teil seines Verdienstes in Schulen, in denen Schüler das Spielen der Ngoni und auch den Bau des Instrumentes erlernen. Seit er international erfolgreich ist, wollen die Nachkommen der Griots wieder verstärkt das aus der Mode gekommene Instrument erlernen. Gut so, denn wie Kouyate selbst sagt: "Die Ngoni muss bleiben!"
(Out|Here / 2009)
Im Kern handelt es sich hier um ein Ngoni Quartett, verstärkt durch Percussion und dem Gesang von Amy Sacko, der Frau Kouyates. Jahrhunderte lang war die Ngoni lediglich ein ausschließlich von Männern gespieltes Begleitinstrument. Erst Bassekou Kouyate rückte es vor mehr als 20 Jahren in den Mittelpunkt, indem er es wagte, auf dem Instrument ein Solo zu spielen wie es sonst nur Gitarristen tun. Auch von der Tatsache, dass die Ngoni traditionell nur von Männern gespielt werden darf, hält Kouyate nichts und lässt seine Tochter schon fleißig auf dem Instrument üben, wie er unlängst in einem Interview erzählte.
Bevor Kouyate 2007 sein erstes internationales Album Segu Blue veröffentlichte, arbeitet er u.a. mit seinen Landsmännern Habib Koite, den er 1989 auf dessen Europatournee begleitete, und Toumani Diabate zusammen. Aber auch mit dem Amerikaner Taj Mahal hat er schon gespielt.
Was I Speak Fula auszeichnet, ist die Verschmelzung von Melodik und Rhythmik, was gerade ein Stück wie das eingangs erwähnte Musow zunächst einmal sehr kantig erscheinen lässt, dessen schnörkellose aber energiegeladene Verspieltheit jedoch zunehmend begeistert und niemals in belangloses Gedüdel ausartet. Unterstützt wird der Ngoni-Vierer von einer Reihe von Gästen, darunter Toumani Diabate, Kasse Mady Diabate und Vieux Farka Toure, der mit seiner E-Gitarre den Bambugu Blues veredelt. Dass das Stück das Wort Blues im Titel trägt, ist wohl durchaus augenzwinkernd gemeint, denn eigentlich mag es Bassekou Kouyate nicht, wenn seine Musik als Blues bezeichnet wird, was durchaus nachvollziehbar ist, denn im Programm seiner Band befinden sich schließlich auch Stücke, die schon mehrere Jahrhunderte alt sind, also schon lange vor dem Begriff Blues existiert haben und somit dessen Wurzeln in Mali, oder genauer in der Region Segu, zu finden sind. Wie dem auch sei, wenn sich einem I Speak Fula erst einmal erschlossen hat, wird man auch das Einzigartige und Originäre dieser Musik erkennen. Phänomenal ist sie allemal.
Musikalisch ist Bassekou Kouyate schon wieder einen Schritt weiter, träumt gar von einer Ngoni Sinfonie. Allerdings investiert er auch einen Teil seines Verdienstes in Schulen, in denen Schüler das Spielen der Ngoni und auch den Bau des Instrumentes erlernen. Seit er international erfolgreich ist, wollen die Nachkommen der Griots wieder verstärkt das aus der Mode gekommene Instrument erlernen. Gut so, denn wie Kouyate selbst sagt: "Die Ngoni muss bleiben!"
(Out|Here / 2009)
Freitag, 11. Dezember 2009
Group Bombino - Guitars From Agadez, Vol. 2
Sublime Frequencies, ein kleines Label aus Seattle, beschäftigt sich in erster Linie mit Feldaufnahmen aus aller Welt. Mit der Reihe Guitars From Agadez tauchte man vor mehr als einem Jahr in die "Musikszene" rund um Agadez ein. Agadez ist sowohl eine Stadt als auch eine Region im Norden Nigers, einem der weltweit größten Uranabbaugebiete. Traditionell ist Agadez aber eine von Tuareg gegründete Stadt, jedoch werden die Tuareg am Gewinn des Uranabbaus kaum beteiligt, was zu Konflikten und Bürgerkrieg führte. Agadez ist heute von der Außenwelt nahezu abgeschnitten, obwohl die Stadt in der Vergangenheit auch ein beliebtes Ziel für Sahara Touristen war. Die Tuareg gründete wiederum die MNJ, die "Nigrische Bewegung für Gerechtigkeit", die sich für deren Gleichberechtigung im Niger einsetzt.
Seit 2008 ist die Tuareg Revolution also wieder in vollem Gange, und den Soundtrack dazu liefert Guitars From Agadez. Der 2. Teil beschäftigt sich also mit Group Bombino, einer Band um den Sänger, Gitarristen und Songschreiber Omara "Bombino" Mochtar, der zwischenzeitlich wieder ins Exil flüchten musste und über dessen Verbleib derzeit nichts bekannt ist. Die Aufnahmen des Albums stammen aus seinem Archiv und setzen sich aus akustischen und elektrischen Tracks zusammen. Damit die Aufnahmen den Hörer möglichst ungefiltert erreichen, wurden sie im Studio nicht überarbeitet und somit ist die Klangqualität recht unterschiedlich. Die Musik handelt von Hoffnung, Gerechtigkeit und die Anerkennung der Lebensweise der Tuareg. Das Album beginnt mit 4 aksutischen Stücken, bei denen man im Hintergrund auch schon mal das Vieh hören kann, die aber zeigen, dass Bombino ein ausgezeichneter Songschreiber ist, der auch durchaus ein Händchen für eingängige Melodien hat. Musikalisch ist das weniger blueslastig als z.B. Tinariwen. Der 2. und elektrische Teil des Albums erinnert mit seinem Scheppern und Krachen mehr an Garagenrock als an Wüstenblues, was sicher auch daran liegen mag, dass im Gegensatz zu vielen anderen Tuareggruppen ein Schlagzeug zum Einsatz kommt. Dabei sollte man noch erwähnen, dass die "Musikszene" in Agadez sehr arm ist und die meisten Musiker sich keine eigenen Instrumente oder Verstärker leisten können, bwz. sich mehrere Gruppen das Equipment teilen. Für unsere Ohren erstaunlich, dass diese Bands auch bei Hochzeiten auftreten und zwar gerne auch in der elektischen Version. Aber eigentlich sollte das für uns mir unseren durch Alleinunterhalter malträtierten Ohren doch eine eher erfrischende Vorstellung sein.
Für audiophile Ohren ist dieses Album, das auch auf Vinyl vorliegt, sicher keine Empfehlung. Dennoch ist das Album weit mehr als nur eine obskure Aufnahme aus der Wüste. Vielmehr zeichnet sich Bombino durch eine außerordentliche Musikalität aus und zeigt, dass man auch mit bescheidenen Mitteln großartige Musik einspielen kann. Bleibt einerseits zu hoffen, dass die Guitars From Agadez Reihe noch einige Fortsetzungen finden wird und dass sich andererseits der Einsatz für bessere Lebensbedingungen am Ende auch lohnt.
(Sublime Frequencies / 2009)
Seit 2008 ist die Tuareg Revolution also wieder in vollem Gange, und den Soundtrack dazu liefert Guitars From Agadez. Der 2. Teil beschäftigt sich also mit Group Bombino, einer Band um den Sänger, Gitarristen und Songschreiber Omara "Bombino" Mochtar, der zwischenzeitlich wieder ins Exil flüchten musste und über dessen Verbleib derzeit nichts bekannt ist. Die Aufnahmen des Albums stammen aus seinem Archiv und setzen sich aus akustischen und elektrischen Tracks zusammen. Damit die Aufnahmen den Hörer möglichst ungefiltert erreichen, wurden sie im Studio nicht überarbeitet und somit ist die Klangqualität recht unterschiedlich. Die Musik handelt von Hoffnung, Gerechtigkeit und die Anerkennung der Lebensweise der Tuareg. Das Album beginnt mit 4 aksutischen Stücken, bei denen man im Hintergrund auch schon mal das Vieh hören kann, die aber zeigen, dass Bombino ein ausgezeichneter Songschreiber ist, der auch durchaus ein Händchen für eingängige Melodien hat. Musikalisch ist das weniger blueslastig als z.B. Tinariwen. Der 2. und elektrische Teil des Albums erinnert mit seinem Scheppern und Krachen mehr an Garagenrock als an Wüstenblues, was sicher auch daran liegen mag, dass im Gegensatz zu vielen anderen Tuareggruppen ein Schlagzeug zum Einsatz kommt. Dabei sollte man noch erwähnen, dass die "Musikszene" in Agadez sehr arm ist und die meisten Musiker sich keine eigenen Instrumente oder Verstärker leisten können, bwz. sich mehrere Gruppen das Equipment teilen. Für unsere Ohren erstaunlich, dass diese Bands auch bei Hochzeiten auftreten und zwar gerne auch in der elektischen Version. Aber eigentlich sollte das für uns mir unseren durch Alleinunterhalter malträtierten Ohren doch eine eher erfrischende Vorstellung sein.
Für audiophile Ohren ist dieses Album, das auch auf Vinyl vorliegt, sicher keine Empfehlung. Dennoch ist das Album weit mehr als nur eine obskure Aufnahme aus der Wüste. Vielmehr zeichnet sich Bombino durch eine außerordentliche Musikalität aus und zeigt, dass man auch mit bescheidenen Mitteln großartige Musik einspielen kann. Bleibt einerseits zu hoffen, dass die Guitars From Agadez Reihe noch einige Fortsetzungen finden wird und dass sich andererseits der Einsatz für bessere Lebensbedingungen am Ende auch lohnt.
(Sublime Frequencies / 2009)
Mittwoch, 9. Dezember 2009
Asa - Live in Paris
Sinn und Zweck dieser Kombination erschließt sich mir jedoch nicht so ganz, zumal die DVD hier nur als Bonus gekennzeichnet ist. Die Zusammenstellung auf der CD ist mehr als eigenartig. Die Pausen zwischen den Stücken sind sehr kurz, an die Reihenfolge im Konzert hat man sich nicht gehalten und z .T. wurden die Stücke ohne Not gekürzt bzw. einfach ausgeblendet. Musikalisch gibt es allerdings nichts zu meckern. Asa verfügt über eine gut eingespielte und dynamisch agierende Band, die es versteht, sich in den richtigen Momenten zurückzunehmen um dann wieder Fahrt aufzunehmen. Einige Stücke wurden auch leicht umarrangiert, wie z.B. das wunderbare Awé. 9 Stücke des Debüts sind hier vertreten, einzig Peace wurde ausgelassen. Ob sie es an jenen Abenden tatsächlich nicht gespielt hat, ist mir allerdings nicht bekannt. Neben den bekannten Stücken gibt es auch eine großartige Coverversion von Nina Simones Feeling Good sowie das neue Stück Iya, bei dem sie an einem der Abende von Keziah Jones unterstützt wurde.
An der DVD, die mit 70 Minuten sogar länger ist als die CD, gibt es nichts auszusetzen, außer dass sie zu kurz geraten ist. Im Gegensatz zur CD hat man sich hier an die Reihenfolge gehalten und die Ansagen nicht herausgeschnitten, was auch für die Drum und Percussion Soli bei So Beautiful gilt. Beim hervorragenden und nur mit akustischen Gitarren untermalten Iya wird sie hier von Yaël Naïm und Mayra Andrade unterstützt. Die andere Version mit Keziah Jones gibt es neben dessen Kpyfuca im Bonusteil der DVD.
Warum man nicht auf die CD verzichtet und sich ausschließlich auf die DVD konzentriert hat, ist nur schwer nachvollziehbar. Im Grunde ist die CD überflüssig, wäre darauf nicht Feeling Good enthalten, dass auf der DVD schmerzlich vermisst wird. Das selbe gilt für die Stücke No one knows und Eye adaba, von denen ersteres am Ende auch einfach ausgeblendet wurde. Eine lohnende Anschaffung ist dieses Album natürlich dennoch, da die Songs hier zum großen Teil deutlich druckvoller daherkommen und auch der Sound insgesamt sehr gut ist.
Mittwoch, 25. November 2009
Rachid Taha - Bonjour
Rachid Taha beschreitet neue Wege. Beinahe 3 Dekanden dauert sein musikalische Karriere nun an, zunächst in den 80er Jahren mit der Band Carte De Sejour, ab 1991 dann als Solist. Schon das kunterbunte Artwork zeigt Taha von einer völlig neuen Seite. Die Wut und das Rebellische vergangener Alben scheint wie weggeblasen und ein Blick auf die Rückseite zeigt auch schon die erste große Änderung: Steve Hillage, sein langjähriger Begleiter, Co-Autor und Produzent wirkt nur noch bei einem einzigen Stück mit. Den Platz des Co-Autors übernimmt der junge französische Musiker Gaetan Roussel, der beim Titelstück auch die zweite Stimme übernommen hat. Es ist wohl auch Roussel zu verdanken, dass das Album mehr in Richutng Folk und Chanson geht als dies bislang der Fall war, wenngleich das Orientalische, das Maghrebinische natürlich nach wie vor allgegenwärig ist. Nur klingt dieses mal alles leichter und eingängiger ja geradezu poppiger. "Schuld" daran dürfte in erster Linie die Fotografin Barbara D'Alessandri sein, in der Taha seine große Liebe gefunden hat, und die die Wut und die Verzweflung der Vergangneheit in so etwas wie Hoffnung verwandelt zu haben scheint. Einen Brecher wie Barra Barra sucht man auf Bonjour vergeblich und auch traditinelle, Rai-geprägte Stücke wie auf den beiden Diwân Alben sind hier nicht zu finden. Bonjour gilt als sein amerikanisches Album, was nicht weiter verwundert, denn die Liebe zur US-amerikanische Kultur ist kein Geheimnis und dennoch klingt das Album weit weniger amerikanisch, als man das nun erwarten würde. Selbst beim Titelstück, das als eine Art orientalischer Countrysong beschrieben wird, überwiegt eben doch mehr das Orientalische. Ila Iiqa erinnert mich von der Atmosphäre her sogar ein bisschen an eine arabische Version von Radiohead und It's An Arabian Song, bei dem er von Bruno Maman mit Oud und Stimme unterstützt wird, lässt augenzwinkernd die 80er Jahre aufleben, nicht nur wegen der Anspielung an PIL. Auch in den Texten geht es auf Bonjour oft um die Liebe. Am schönsten geschieht dies im Stück Ha Baby, ein unwiderstehlicher Popsong bei dem sich einmal mehr County mit nordafrikansicher Chaabimusik mischt. Der Titel ist ein Wortspiel und bezieht sich auf das arabische Wort "Habbi", das übersetzt etwa "mein Schatz" bedeutet. Und so ist Bonjour eine gelungene Neuausrichtung, musiklisch so bunt wie das Cover vermuten lässt aber auch tiefgründig genug, um auf Dauer zu bestehen.
(Wrasse Records / 2009)
(Wrasse Records / 2009)
Donnerstag, 19. November 2009
Mamadou Barry - Niyo
In Guinea ist der 1947 geborene Mamadou Barry sicher kein unbeschriebenes Blatt mehr, auch wenn er tatsächlich 62 Jahre alt werden musste, um sein erstes Album unter eigenem Namen zu veröffentlichen. Die Leidenschaft für Musik erbte er von seinem Vater, einem Akkordeon- und Schlagzeuspieler einer der bekannteste Bands jener Zeit, Le Pavillion Bleu. Mamadou selbst spielt Tenor-, Alt- und Sopransaxophon, aber auch Flöte und Percussion, war aber im sozialistischen Guinea dank Zwangsverpflichtung zunächst für kurze Zeit als Lehrer tätig, was ihm den Spitznamen 'Maitre Barry' einbrachte. Später als Arrangeur Bandleader und Komponist stellte er seine Saxophone und Flöten immer auch anderen Musikern zur Verfügung, was ihm den zweiten Spitznamen 'Arôme Maggi' einbrachte, eine Anspielung auf den in Westafrika nicht unbeliebten Brühwürfel. Ende der 60er Jahre war er Gründungsmitglied der Band Kaloum Star, die Teil des Authtenticité Programmes der sozialistischen Regierung unter Sekou Touré war. In Guinea wie auch im benachbarten Mali waren Musiker zu jener Zeit Staatsangestellte, die wie Beamte vom Staat bezahlt wurden. Ende der 60er wurde im Rahmen des Programmes das Syliphone Label gegründet, für das auch Miriam Makeba in der Zeit ihres Aufenthalts in Guinea einige Aufnahmen einspielte. Kaloum Star veröffentlichten 1973 ihr erste Aufnahme auf Syliphone als Beitrag eines Samplers, gefolgt von einigen Singles. In ihrer Musik verknüpfte die Band traditionelle Mandingo Melodien mit Jazz und Afrobeat und veröffentlichte in den 1990er Jahren schließlich ihr erstes internationales Album.
Das in Conakry aufgenommene Niyo wandelt nun auf den Spuren seiner ehemaligen Band und zeigt schon auf dem Cover an, wo es einzuordnen ist: "file under: Africa / Cool Groove". Dies trifft vor allem bei den Instrumentalstücken, die den größeren Teil des Albums einnehmen, zu. Hier gelingt ihm aufs Vorzüglichste dieser einzigartige Mandingo Afrobeat, der erstaunlicherweise ganz ohne Schlagzeug auskommt. Nur Bass und ein paar Percussion bilden das Rhythmusfundament, auf dem Barry mit seinen Saxophonen und hier und da auch mit einer Flöte zu glänzen versteht. Unter den Instrumentalstücken befindet sich auch eine Bearbeitung von Dave Brubecks Take Five, hier als Africa Five, das vor allem durch die Rhythmik stark "afrikanisiert" wurde.
Bei den Gesangsstücken wird Barry von drei hervorragenden Sänerginnen aus Guinea unterstützt: Sia Tolno, Sény Malomou and Missia Saran. Besonders erwähnenswert ist hier das von der jungen, in Sierra Leone geborenen Sia Tolno geschrieben und gesungene Sumbouya, das sie mit leicht angeauter Stimme vorträgt. Tolno hat selbst in diesem Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht.
Im letzten Stück Néné, das mit einem griotartigen Lobgesang auf Barry beginnt, übernimmt schließlich Koraspieler Kélontan Cissoko die Hauptrolle. Das wunderbare Zusammenspiel zwischen Kora, Flöte und Saxophophon demonstriert einmal mehr auch die Vielfältigkeit Barrys Musik und sorgt damit für einen fulminanten Abschluss eines hervorragenden Albums.
(World Village / 2009)
Das in Conakry aufgenommene Niyo wandelt nun auf den Spuren seiner ehemaligen Band und zeigt schon auf dem Cover an, wo es einzuordnen ist: "file under: Africa / Cool Groove". Dies trifft vor allem bei den Instrumentalstücken, die den größeren Teil des Albums einnehmen, zu. Hier gelingt ihm aufs Vorzüglichste dieser einzigartige Mandingo Afrobeat, der erstaunlicherweise ganz ohne Schlagzeug auskommt. Nur Bass und ein paar Percussion bilden das Rhythmusfundament, auf dem Barry mit seinen Saxophonen und hier und da auch mit einer Flöte zu glänzen versteht. Unter den Instrumentalstücken befindet sich auch eine Bearbeitung von Dave Brubecks Take Five, hier als Africa Five, das vor allem durch die Rhythmik stark "afrikanisiert" wurde.
Bei den Gesangsstücken wird Barry von drei hervorragenden Sänerginnen aus Guinea unterstützt: Sia Tolno, Sény Malomou and Missia Saran. Besonders erwähnenswert ist hier das von der jungen, in Sierra Leone geborenen Sia Tolno geschrieben und gesungene Sumbouya, das sie mit leicht angeauter Stimme vorträgt. Tolno hat selbst in diesem Jahr ihr Debütalbum veröffentlicht.
Im letzten Stück Néné, das mit einem griotartigen Lobgesang auf Barry beginnt, übernimmt schließlich Koraspieler Kélontan Cissoko die Hauptrolle. Das wunderbare Zusammenspiel zwischen Kora, Flöte und Saxophophon demonstriert einmal mehr auch die Vielfältigkeit Barrys Musik und sorgt damit für einen fulminanten Abschluss eines hervorragenden Albums.
(World Village / 2009)
Donnerstag, 12. November 2009
Afel Bocoum & Alkibar - Tabital Pulaaku
Das Cover, das Afel Bocoum mit seiner Gitarre vor einer Rinderherde zeigt, sagt vieles über den Künstler aus. Tatsächlich sieht sich Bocoum in erster Linie als Landwirt und erst danach auch als Musiker und tut es damit seinem Onkel, dem 2006 verstorbenen Ali Farka Toure gleich. Darüber hinaus investiert er die Einnahmen aus Plattenverkäufen und Tourneen in sein Heimatdorf Niafunke, in dem er vor mehr als 10 Jahren zusammen mit Toure sein erstes Album Alkibar aufgenommen hatte und nach dem er schließlich auch seine Band benannte. Nach Niger im Jahr 2006 entstand nun in Bamako das dritte Album Tabital Pulaaku, das sich nur marginal von seinen Vorgängern unterscheidet, das aber Bocoums Status als Nachfolger Ali Farka Toures festigt. Toure selbst war es, der ihn noch zu Lebzeiten dazu ernannt hatte.
Afel Bocoums Musik fehlt gänzlich das Schroffe, das seinen Onkel auszeichnete, was sicher kein Nachteil ist sondern vielmehr für Eigenständigkeit sorgt. WIe auch seinem Cousin Vieux Farka Toure gelingt es ihm, sich von den Einflüssen zu emanzipieren ohne diese zu verleugnen. Während Vieux jedoch seine Musik mit allerlei äußeren Einflüssen kombiniert, wählt Bocoum einen eher traditionellen Weg. So sind auch die Songs dieses dritten Album gebettet in die Klänge von Njarka und Njurkle, eine einsaitige Geige und eine einsaitige Gitarre, beides traditionelle Instrumente der Songhai, denen Bocoum angehört. Er selbst spielt Gitarre, wahlweise akustisch oder gelegentlich elektrisch und für den Rhythmus sorgen ein Bass sowie eine Kalebasse. Die zumeist kurz gehalteten Stücke sind oft ähnlich aufgebaut, erzeugen in ihrer Gesamtheit aber dennoch eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Hier und da blitzen wunderbare melodische Einwürfe auf, und einige Stücke enthalten in der Mitte einen Break um in ein beschwingteres Finale überzugehen. Bocoum singt nicht nur in seiner Muttersprache Songhai sondern auch in Peul (Fulani) und Bambara und sorgt somit wie auch schon sein Onkel für eine gewisse Völkerverständigung im Vielvölkerstaat Mali. Seine Stücke behandeln oft sozial-politische Probleme wie Abwanderung, fehlende Bildung oder Unterdrückung der Frau aber auch die westliche Freizügigkeit, die im muslimisch geprägten Mali nicht gern gesehen ist. Dabei geht es hier ganz und gar nicht um eine Kopftuch Diskussion, wie man im Stück Allah Tanu nachhören kann und dessen Text wie bei allen anderen Stücken auch in englischer und französischer Übersetzung vorliegt. Musikalisch wird das Ganze wie gewohnt mit gleichermaßen eleganten wie hypnotischen Klängen umgesetzt.
Wie seine Vorgänger auch ist Tabital Pulaaku kein Album, dass sich dem Hörer aufdrängt. Die Schönheit und der Reiz des Albums liegen nicht an der Oberfläche sondern müssen geradezu entdeckt werden und wer sich darauf einlässt, wird sicher fünding werden.
(Contre Jour / 2009)
Afel Bocoums Musik fehlt gänzlich das Schroffe, das seinen Onkel auszeichnete, was sicher kein Nachteil ist sondern vielmehr für Eigenständigkeit sorgt. WIe auch seinem Cousin Vieux Farka Toure gelingt es ihm, sich von den Einflüssen zu emanzipieren ohne diese zu verleugnen. Während Vieux jedoch seine Musik mit allerlei äußeren Einflüssen kombiniert, wählt Bocoum einen eher traditionellen Weg. So sind auch die Songs dieses dritten Album gebettet in die Klänge von Njarka und Njurkle, eine einsaitige Geige und eine einsaitige Gitarre, beides traditionelle Instrumente der Songhai, denen Bocoum angehört. Er selbst spielt Gitarre, wahlweise akustisch oder gelegentlich elektrisch und für den Rhythmus sorgen ein Bass sowie eine Kalebasse. Die zumeist kurz gehalteten Stücke sind oft ähnlich aufgebaut, erzeugen in ihrer Gesamtheit aber dennoch eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Hier und da blitzen wunderbare melodische Einwürfe auf, und einige Stücke enthalten in der Mitte einen Break um in ein beschwingteres Finale überzugehen. Bocoum singt nicht nur in seiner Muttersprache Songhai sondern auch in Peul (Fulani) und Bambara und sorgt somit wie auch schon sein Onkel für eine gewisse Völkerverständigung im Vielvölkerstaat Mali. Seine Stücke behandeln oft sozial-politische Probleme wie Abwanderung, fehlende Bildung oder Unterdrückung der Frau aber auch die westliche Freizügigkeit, die im muslimisch geprägten Mali nicht gern gesehen ist. Dabei geht es hier ganz und gar nicht um eine Kopftuch Diskussion, wie man im Stück Allah Tanu nachhören kann und dessen Text wie bei allen anderen Stücken auch in englischer und französischer Übersetzung vorliegt. Musikalisch wird das Ganze wie gewohnt mit gleichermaßen eleganten wie hypnotischen Klängen umgesetzt.
Wie seine Vorgänger auch ist Tabital Pulaaku kein Album, dass sich dem Hörer aufdrängt. Die Schönheit und der Reiz des Albums liegen nicht an der Oberfläche sondern müssen geradezu entdeckt werden und wer sich darauf einlässt, wird sicher fünding werden.
(Contre Jour / 2009)
Mittwoch, 4. November 2009
Mikea - Taholy
Vor einigen Jahren gründete Théo Rakotovao die Band Mikea, die er nach einer kleinen Bevölkerungsgruppe im Südwesten Madagaskars benannte und der er selbst entstammt. Mittlerweile nennt er sich auch selbst Mikea und veröffentlichte nun unter diesem Namen sein zweites internationales Album Taholy.
Mikea wuchs in der Region Masikoro im Südwqesten Madagaskars auf und studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften. Doch schon während des Studiums verfolgte er das Ziel, sein musikalisches Talent für die Musik seiner Heimat einzusetzen. Sein Landsmann Rajery produzierte im Jahr 2002 sein erstes Album Longo und im Jahr 2008 erhielt er den Preis "Découvertes RFI musiques" des französischen Radiosenders RFI.
Taholy ist ein beinahe klassisches Singer/Songwriter Album geworden. Die sparsame Instrumentierung besteht meist nur aus Gitarre, Bass, ein paar wenige Percussion und hier und da mal eine Flöte. Stilistisch handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung des Beko, einem traditionellen A Capella Gesang, der vor allem bei Beerdigungen zum Einsatz kommt. Beka nennt man übrigens auch die 4-saitige und kastenförmige Gitarre, die auf dem Cover zu sehen ist und die mit ihrem markanten Klang für die nötigen Ecken und Kanten sorgt.
In seinen Liedern geht es allerdings durchaus um weltliche Themen wie Armut, Verrat, der Macht des Geldes aber auch um traditionelle Familienwerte und Heimweh. Was Mikea jedoch besonders am Herzen liegt ist auf die Umweltzerstörung in seiner Heimat hinzuweisen. Die Ausrodung des Waldes zerstört die Lebensgrundlage seiner Region. Gepackt werden die Songs in wunderbare und subtile Melodien, die sich ziwschen Folk und Blues bewegen und eine schier magische Anziehungskraft ausüben. Brillant!
(Contre Jour / 2009)
Mikea wuchs in der Region Masikoro im Südwqesten Madagaskars auf und studierte zunächst Wirtschaftswissenschaften. Doch schon während des Studiums verfolgte er das Ziel, sein musikalisches Talent für die Musik seiner Heimat einzusetzen. Sein Landsmann Rajery produzierte im Jahr 2002 sein erstes Album Longo und im Jahr 2008 erhielt er den Preis "Découvertes RFI musiques" des französischen Radiosenders RFI.
Taholy ist ein beinahe klassisches Singer/Songwriter Album geworden. Die sparsame Instrumentierung besteht meist nur aus Gitarre, Bass, ein paar wenige Percussion und hier und da mal eine Flöte. Stilistisch handelt es sich dabei um eine Weiterentwicklung des Beko, einem traditionellen A Capella Gesang, der vor allem bei Beerdigungen zum Einsatz kommt. Beka nennt man übrigens auch die 4-saitige und kastenförmige Gitarre, die auf dem Cover zu sehen ist und die mit ihrem markanten Klang für die nötigen Ecken und Kanten sorgt.
In seinen Liedern geht es allerdings durchaus um weltliche Themen wie Armut, Verrat, der Macht des Geldes aber auch um traditionelle Familienwerte und Heimweh. Was Mikea jedoch besonders am Herzen liegt ist auf die Umweltzerstörung in seiner Heimat hinzuweisen. Die Ausrodung des Waldes zerstört die Lebensgrundlage seiner Region. Gepackt werden die Songs in wunderbare und subtile Melodien, die sich ziwschen Folk und Blues bewegen und eine schier magische Anziehungskraft ausüben. Brillant!
(Contre Jour / 2009)
Dienstag, 20. Oktober 2009
Richard Bona - The Ten Shades Of Blues
"A few notes where each one has the strength to reach out and touch you. They're present in all kinds of popular music everywhere in the world, they resound in people's hearts. There's also a particular way to play them and join them together."
Richard Bona
Richard Bonas Beschreibung des Blues ist mehr als passend für dieses Album. Ohne diese Eklärung könnte der Titel durchaus in die Irre führen, denn wer hier 10 klassische 12-Takter erwartet, liegt falsch. Allenfalls Yara's Blues bietet klassischen Blues, zumal es auch auf Englisch gesugen wird, obwohl Bona den Text zunächst in Douala verfasste. The Ten Shades Of Blues erforscht vielmehr unterschiedliche Auffassungen des Blues verschiedener Kulturen. Nach eigener Aussage präsentiert das Album also 10 Arten den Blues zu spielen. Als Grundlage dient dazu der geschmeidige Bona Sound, der sich aus Jazz, Soul, Funk und den Rhythmen seiner Heimat Kamerun zusammensetzt. Ein perfektes Fundament für Bonas Projekt, dass mit dem indisch beeinflussten Shiva Mantra beginnt. Ein afroinidsches Klanggemälde, bei dem neben diversen Trommeln wie Mridangam und Tabla auch eine Sitar zum Einsatz kommt. Den Gesang übernehmen neben Bona Shankar Mahadevan und Nandini Srikar. Das Stück ist eine Beschwörung der Göttin Shiva und wurde in Bombay, Neu Delhi und Madras mit Musikern aufgenommen, die Bona auf seinen vorangegangenen Tourneen getroffen hat. Ganz anders ist dagegen das urbane Soul Stück Good Times, bei dem Frank McComb den Gesang übernommen hat und für den Bona auch schon Bass gespielt hat. Ein weiteres Highlight ist Kurumalete, das in seiner Polyrhythmik an senegalesischen Mbalax erinnert. Das Stück handelt davon, dass man sich nicht zu sehr hinter seinem Glauben verstecken sollte. Ebenfalls eine neue musikalische Nuance in Bonas Kosmos bietet African Cowboy, dessen Titel hält, was er verspricht. Stilistisch kann man es als Afro Country bezeichnen, inklusive Banjo und Geige, wobei das Banjo auch in Kamerun verbreitet ist. Der African Cowboy ist Bona selbst, der auch ein Faible für Country Musik hat. Dem seiner Frau gewidmeten Yara's Blues kommt Bona schließlich der klassischen Vorstellung von Blues am nächsten, inklusive Bluesharp und Hammond Orgel.
Trotz seiner Vielschichtigkeit wirken Bonas Ten Shades Of Blues zu keiner Zeit beliebig sondern bilden ein homogens Ganzes, das von Bonas samtweicher Stimme und seinem markanten Bassspiel zusammengehalten wird. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man seine Musik als Easy Listening abtun, unter der Oberfläche brodelt es jedoch spürbar. Auf höchstem Niveau gelingt ihm somit sein vielleicht bislang bestes Album.
( Wrasse Records / 2009)
Richard Bona
Richard Bonas Beschreibung des Blues ist mehr als passend für dieses Album. Ohne diese Eklärung könnte der Titel durchaus in die Irre führen, denn wer hier 10 klassische 12-Takter erwartet, liegt falsch. Allenfalls Yara's Blues bietet klassischen Blues, zumal es auch auf Englisch gesugen wird, obwohl Bona den Text zunächst in Douala verfasste. The Ten Shades Of Blues erforscht vielmehr unterschiedliche Auffassungen des Blues verschiedener Kulturen. Nach eigener Aussage präsentiert das Album also 10 Arten den Blues zu spielen. Als Grundlage dient dazu der geschmeidige Bona Sound, der sich aus Jazz, Soul, Funk und den Rhythmen seiner Heimat Kamerun zusammensetzt. Ein perfektes Fundament für Bonas Projekt, dass mit dem indisch beeinflussten Shiva Mantra beginnt. Ein afroinidsches Klanggemälde, bei dem neben diversen Trommeln wie Mridangam und Tabla auch eine Sitar zum Einsatz kommt. Den Gesang übernehmen neben Bona Shankar Mahadevan und Nandini Srikar. Das Stück ist eine Beschwörung der Göttin Shiva und wurde in Bombay, Neu Delhi und Madras mit Musikern aufgenommen, die Bona auf seinen vorangegangenen Tourneen getroffen hat. Ganz anders ist dagegen das urbane Soul Stück Good Times, bei dem Frank McComb den Gesang übernommen hat und für den Bona auch schon Bass gespielt hat. Ein weiteres Highlight ist Kurumalete, das in seiner Polyrhythmik an senegalesischen Mbalax erinnert. Das Stück handelt davon, dass man sich nicht zu sehr hinter seinem Glauben verstecken sollte. Ebenfalls eine neue musikalische Nuance in Bonas Kosmos bietet African Cowboy, dessen Titel hält, was er verspricht. Stilistisch kann man es als Afro Country bezeichnen, inklusive Banjo und Geige, wobei das Banjo auch in Kamerun verbreitet ist. Der African Cowboy ist Bona selbst, der auch ein Faible für Country Musik hat. Dem seiner Frau gewidmeten Yara's Blues kommt Bona schließlich der klassischen Vorstellung von Blues am nächsten, inklusive Bluesharp und Hammond Orgel.
Trotz seiner Vielschichtigkeit wirken Bonas Ten Shades Of Blues zu keiner Zeit beliebig sondern bilden ein homogens Ganzes, das von Bonas samtweicher Stimme und seinem markanten Bassspiel zusammengehalten wird. Bei oberflächlicher Betrachtung könnte man seine Musik als Easy Listening abtun, unter der Oberfläche brodelt es jedoch spürbar. Auf höchstem Niveau gelingt ihm somit sein vielleicht bislang bestes Album.
( Wrasse Records / 2009)
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