Ein altes Tuareg Sprichwort lautet: "Aman Iman, Akh Issudar (Wasser ist Leben, Milch ist Überleben)". Zusammen mit Tinariwens letztem Album Aman Iman würde Akh Issudar genau dieses Sprichwort ergeben. Und in der Tat ist dies nicht die einzige Verbindung, die zwischen diesen beiden Gruppen besteht. Gegründet wurde Terakaft von den beiden Sängern und Gitarristen Kedou ag Ossad und Liya Ag Ablil. Kedou begleitet Tinariwen im Jahr 2001 beim ersten Festival au Desert bei Tin-Essako und wirkte bei 4 Stücken auf deren Debütalbum The Radio Tisdas Sessions mit. Allerdings erntschloss er sich schnell dazu, einen anderen Weg einzuschlagen und gründete zusammen mit Liya Ag Ablil Terakaft. Zum Trio komplettiert wird die Gruppe durch Sanou Ag Ahmed, einem weiteren Gitarristen und Sänger. Das Live Debüt hatte die Band im Jahr 2007 beim Festival au Desert und kurz darauf erschien auch das Debütalbum Bismilla (The Bko Sessions). Nach einer ausgiebigen Europa Tournee, die auch einen gemeinsamen Auftritt mit Tinariwen im Pariser Olympia beinhaltete, nahm die Band in Frankreich ihr zweites Album Akh Issudar auf.
Wenn man Akh Issudar mit Tinariwens Aman Iman vergleicht, stellt man schnell fest, dass Terakaft noch reduzierter zu Werke gehen als ihre erfolgreichen Landsmänner. Die Call & Respone Gesänge und die bluesigen Strukturen sind vorhanden, dies jedoch noch mehr auf das Wesentliche reduziert. Es gibt keine Percussion, keine traditionellen Instrumente sondern nur Gitarren und hier und da mal ein Bass, der auch schon mal funkig aufspielen darf. Die meist elektrisch verstärkten Gitarren sorgen des öfteren für rollende Rhythmen, welche die Musik auflockern. Als Blues'n'Roll könnte man das quasi bezeichnen und trotz der kargen Musiklandschaft gibt es auf diesem Album keinerlei Längen. Und obwohl es die Band gar nicht nötig hätte, wird sie hier und da von Tinariwen Mitgliedern unterstützt. So stammen die beiden Stücke Tenere Wer Tat Zinchegh und Iswegh Atay aus der Feder von Inteyeden Ag Ablil, dem großen Bruder von Liya Ag Ablil. Ersteres wird on Inteyeden auch gesungen. Islegh Teghram stammt dagegen aus der Feder von Ibrahim Al Aghabib. Die restlichen Stücke sind Eigenkompositionen oder selbst arrangierte traditionelle Stücke. So trifft in Djer Aman eine luftig lockere Melodie auf harte Gitarrenanschläge und in Legh Assistane Dagh Aïtma faszinieren die Wechsel zwischen akustischer un elekrischer Gitarre während in Amdagh der Rhythmus seltsam neben der Spur zu liegen scheint. Allen Stücken gemeinsam ist der immer großartige Klang der 3 Gitarren, die nie ins Dudelhafte abschweifen sondern sich immer dem Song unterordnen. Soli sucht man hier glücklicherweise vergeblich.
Akh Issudar ist ein weiterer Höhepunkt in einem an Höhepunkten nicht armen Jahr und Terakaft müssen sich vor der "Konkurrenz" von Tinariwen oder auch Toumast ganz und gar nicht verstecken. Möge die Milch noch lange nicht ausgehen.
(World Village / 2008)
Freitag, 19. Dezember 2008
Donnerstag, 4. Dezember 2008
Kasai Allstars - In the 7th moon, the chief turned into a swimming fish and ate the head of his enemy by magic
Den Preis für den Albumtitel des Jahres hätte diese Gruppe aus dem Kongo schon einmal sicher. Nicht nur dass er Assoziationen zu Captain Beefhearts's Magic Band weckt, auch die Musik ist für europäische Ohren bisweilen durchaus avantgardistisch anmutend. Nein, mit Don Van Vliets Deltablues und Freejazz hat das natürlich nichts zu tun, mit uns bekannten Hörgewohnheiten allerdings auch nicht. Das in Kinshasa ansässige Kollektiv besteht aus 25 Musikern aus 5 verschiedenen Bands, die alle aus der Kasai Region im Süden der Demokratischen Republik Kongo stammen. Jede Band gehört wiederum einer anderen ethnischen Gruppe an: Luba, Songye, Lulua, Tetela und Luntu. Jede dieser Gruppen hat ihre eigenen Sprache, Kultur und Tradition und das Nebeneinander war in der Vergangenheit nicht immer friedlich. Dennoch gelingt es den Musikern all diese Unterschiede zu einer Einheit zu verschmelzen. Eine Einheit, die völlig frei ist von bekannten Stilen wie Soul, Funk oder Jazz, denn die Kasai Allstars beziehen sich musikalisch auf vorkoloniale Traditionen, welche durch die Christianisierung durch die Europäer, die in den erotischen Tänzen und der heidnischen Musik Teufelswerk sahen, größenteils verbannt wurden. In den Dörfern der Kasai Region, die trotz Reichtum an Bodenschätzen zu den ärmsten Regionen des Landes zählt, hat das bis heute Gültigkeit. In den Großstädten besinnt man sich jedoch zunehmend dieser alten Traditionen.
Ganz frei von westlichen Einflüssen ist die Musik dann allerdings doch nicht, so spielt die elektrisch verstärkte Gitarre neben einer Reihe traditioneller Instrumente eine entscheidende Rolle und entfaltet hier auch einen recht eigenständigen Klang, der sich perfekt in das Klangbild einfügt. Neben Xylophon und Likembe, dem kongolesischen Daumenklavier, das hier ebenfalls elektrisch verstärkt wird, fällt vor allem ein Instrument namens Tam Tam auf, ein Percussion Instrument, das vom Klang her dem Zirpen einer Grille nicht unähnlich ist. Daneben gibt es noch jede Menge weiterer Percussion, die für ein polyrhythmisches Fundament sorgen. Dazu erklingen beseelte Gesänge und mal psychedelische, mal rumbaesque Gitarren. Das alles wird verpackt in 9 lange, bisweilen tranceartige und hypnotische Stücke, die für ein durchaus organisches, auf jeden fall aber unglaublich intensives Klangbild sorgen. Es ist schlicht und ergreifend beeindruckend, wie hier die Gegensätze zu einer Einheit zusammenfinden. Denn es galt ja nicht nur, neue Instrumente zu integrieren, sondern auch dafür zu sorgen, dass die 5 Ethnien gleichberechtigt und zu gleichen Anteilen präsentiert werden. Für die Musiker bedeutete das, dass sie z.T. ungewohnte Passagen einstudieren mussten.
Stellvertretend sei hier das erste Stück Quick As White genannt, das natürlich nicht auf englisch gesungen wird aber bereits über all diese großartigen Zutaten verfügt: brodelnde Polyrhythmen, die über ca. 8 Minuten am Köcheln gehalten werden, feine, sich wiederholende Motive auf der E-Gitarre und eine Gesangstimme, die im Wechsel mit einem Chor für eine Art Melodie sorgt. Eingespielt wurde das Album übrigens bis auf eine Ausnahme live in Kinshasa.
In the 7th moon... wurde als dritter Teil der Congotronics Reihe des belgischen Labels Crammed veröffentlicht.
(Crammed / 2008)
Ganz frei von westlichen Einflüssen ist die Musik dann allerdings doch nicht, so spielt die elektrisch verstärkte Gitarre neben einer Reihe traditioneller Instrumente eine entscheidende Rolle und entfaltet hier auch einen recht eigenständigen Klang, der sich perfekt in das Klangbild einfügt. Neben Xylophon und Likembe, dem kongolesischen Daumenklavier, das hier ebenfalls elektrisch verstärkt wird, fällt vor allem ein Instrument namens Tam Tam auf, ein Percussion Instrument, das vom Klang her dem Zirpen einer Grille nicht unähnlich ist. Daneben gibt es noch jede Menge weiterer Percussion, die für ein polyrhythmisches Fundament sorgen. Dazu erklingen beseelte Gesänge und mal psychedelische, mal rumbaesque Gitarren. Das alles wird verpackt in 9 lange, bisweilen tranceartige und hypnotische Stücke, die für ein durchaus organisches, auf jeden fall aber unglaublich intensives Klangbild sorgen. Es ist schlicht und ergreifend beeindruckend, wie hier die Gegensätze zu einer Einheit zusammenfinden. Denn es galt ja nicht nur, neue Instrumente zu integrieren, sondern auch dafür zu sorgen, dass die 5 Ethnien gleichberechtigt und zu gleichen Anteilen präsentiert werden. Für die Musiker bedeutete das, dass sie z.T. ungewohnte Passagen einstudieren mussten.
Stellvertretend sei hier das erste Stück Quick As White genannt, das natürlich nicht auf englisch gesungen wird aber bereits über all diese großartigen Zutaten verfügt: brodelnde Polyrhythmen, die über ca. 8 Minuten am Köcheln gehalten werden, feine, sich wiederholende Motive auf der E-Gitarre und eine Gesangstimme, die im Wechsel mit einem Chor für eine Art Melodie sorgt. Eingespielt wurde das Album übrigens bis auf eine Ausnahme live in Kinshasa.
In the 7th moon... wurde als dritter Teil der Congotronics Reihe des belgischen Labels Crammed veröffentlicht.
(Crammed / 2008)
Dienstag, 18. November 2008
Seun Kuti - Seun Kuti & Fela's Egypt 80
2008 ist ein Kuti Jahr, Femi veröffentlicht sein lange erwartetes neues
Album, von Fela erscheint erstmals die Frühphase komplett auf einem
Album, und der jüngste Sohn Seun ging bereits im Frühjahr mit seinem
Debütalbum ins Rennen. Das erschien zunächst in Frankreich unter dem
Titel Many Things, später dann in den USA als Seun Kuti & Fela's Egypt 80.
Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei seiner Band um die selbe
Band, die Anfang der 80er Fela's Africa 70 ablöste. Und da ist dann auch
der einzige Vorwurf, den man Seun machen könnte, dass Egypt 80 immer
noch klingen wie damals und sich kaum weiterentwickelt haben.
Andererseits halten ihn deshalb nicht wenige in Nigeria für den wahren
Fela Nachfolger, da sich Seun (sprich Schönn) auch deutlich stärker am
Vater orientiert als sein Halbbruder Femi. Das Verhältnis der beiden
scheint leider nicht das Beste zu sein, aber immerhin taucht Femis Name
in der Dankesliste des Albums auf.
Bereits mit 8 Jahren stand Seun zum ersten mal zusammen mit Egypt 80 auf der Bühne. Nach dem Tod des Vaters 1997 übernahm er die Band mit 15 Jahren. Lange Zeit beschränkte er sich auf Liveauftritte und hatte keine Lust, ein Album zu produzieren. 2006 begann er dann schließlich doch in Lagos mit den Aufnahmen zu Many Things, das knapp 2 Jahre später dann veröffentlicht wurde. Der Afrobeatkenner muss beim Hören dieses Albums das Gefühl haben, dass die Zeit stehen geblieben ist. In der Tat klingen Egypt 80 noch exakt so wie Ende die 80er. Im Unterschied zu heute bestand ein Egypt 80 Album in den 80er Jahren allerdings meist aus nur einem langen Stück, auf Seuns Debüt gibt es immerhin 7 Stücke, die hier und da auch einen eigenen Charakter entwickeln, so dass Seun nicht zur bloßen Kopie verkommt. Unverändert ist jedoch dieser hypnotische Groove, der sich hier über 53 Minuten erstreckt und dem man sich nur sehr schwer entziehen kann. Ein sattes Gebläse, gespickt mit Polyrhythmen und weiblichem Chorgesang, hier und da ein paar feine Gitarrenlicks, das sind die Zutaten des Afrobeat den die Band hier zelebriert und die Menschen in Nigeria seit gut 30 Jahren begeistert. Auch in seinen Texten nimmt er kein Blatt vor den Mund, was man schon beim Betrachten des Rückcovers erahnen kann, dort ist eine brennende Silhouette des afrikanischen Kontinents abgebildet. So geht es im Mosquito Song und Korruption, die er gleichermaßen als Seuche brandmarkt wie Malaria. Beides ist im Grunde einfach zu bekämpfen, doch es geschieht nichts. Vorgetragen werden die Texte meist in einer Mischung aus Englisch, Pidgin Englisch und Yoruba, so dass sie zunächst zwar nicht so ohne weiteres verständlich sind, wer aber wenigstens ein bisschen Fela kennt, sollte kein Problem mit dem Verständnis haben.
Wie auch sein Vater spielt Seun Saxophon und überzeugt beispielsweise in Don't Give That Shit To Me, eine Reminiszenz an Felas Gimme Shit I Give You Shit, mit einem coolen Solo. Many Things dagegen köchelt in einem geschmeidigen Rhythmus 8 Minuten vor sich hin während Fire Dance mit schweren Funkgrooves aufwartet.
Zwar bringt Seun Kutis Debüt musikalisch nicht viel Neues, dennoch ist es natürlich ein großartiges Album und hat durchaus das Potential zur Weiterentwicklung. Zusammen mit Bruder Femi auf jeden Fall eine Bank gegenüber all dem Möchtegernafrobeat, den das Jahr hervorgebracht hat.
Bereits mit 8 Jahren stand Seun zum ersten mal zusammen mit Egypt 80 auf der Bühne. Nach dem Tod des Vaters 1997 übernahm er die Band mit 15 Jahren. Lange Zeit beschränkte er sich auf Liveauftritte und hatte keine Lust, ein Album zu produzieren. 2006 begann er dann schließlich doch in Lagos mit den Aufnahmen zu Many Things, das knapp 2 Jahre später dann veröffentlicht wurde. Der Afrobeatkenner muss beim Hören dieses Albums das Gefühl haben, dass die Zeit stehen geblieben ist. In der Tat klingen Egypt 80 noch exakt so wie Ende die 80er. Im Unterschied zu heute bestand ein Egypt 80 Album in den 80er Jahren allerdings meist aus nur einem langen Stück, auf Seuns Debüt gibt es immerhin 7 Stücke, die hier und da auch einen eigenen Charakter entwickeln, so dass Seun nicht zur bloßen Kopie verkommt. Unverändert ist jedoch dieser hypnotische Groove, der sich hier über 53 Minuten erstreckt und dem man sich nur sehr schwer entziehen kann. Ein sattes Gebläse, gespickt mit Polyrhythmen und weiblichem Chorgesang, hier und da ein paar feine Gitarrenlicks, das sind die Zutaten des Afrobeat den die Band hier zelebriert und die Menschen in Nigeria seit gut 30 Jahren begeistert. Auch in seinen Texten nimmt er kein Blatt vor den Mund, was man schon beim Betrachten des Rückcovers erahnen kann, dort ist eine brennende Silhouette des afrikanischen Kontinents abgebildet. So geht es im Mosquito Song und Korruption, die er gleichermaßen als Seuche brandmarkt wie Malaria. Beides ist im Grunde einfach zu bekämpfen, doch es geschieht nichts. Vorgetragen werden die Texte meist in einer Mischung aus Englisch, Pidgin Englisch und Yoruba, so dass sie zunächst zwar nicht so ohne weiteres verständlich sind, wer aber wenigstens ein bisschen Fela kennt, sollte kein Problem mit dem Verständnis haben.
Wie auch sein Vater spielt Seun Saxophon und überzeugt beispielsweise in Don't Give That Shit To Me, eine Reminiszenz an Felas Gimme Shit I Give You Shit, mit einem coolen Solo. Many Things dagegen köchelt in einem geschmeidigen Rhythmus 8 Minuten vor sich hin während Fire Dance mit schweren Funkgrooves aufwartet.
Zwar bringt Seun Kutis Debüt musikalisch nicht viel Neues, dennoch ist es natürlich ein großartiges Album und hat durchaus das Potential zur Weiterentwicklung. Zusammen mit Bruder Femi auf jeden Fall eine Bank gegenüber all dem Möchtegernafrobeat, den das Jahr hervorgebracht hat.
Montag, 10. November 2008
Femi Kuti - Day By Day
Gerade noch rechtzeitig erschien das neue Album von Femi Kuti. Gerade noch rechtzeitig um endlich einmal klarzustellen, dass Langweilerbands wie Vampire Weekend nichts, aber auch gar nichts mit Afrobeat zu tun haben. Warum solche Bands anfang des Jahres dennoch einen Afrobeat Hype ausgelöst haben, bleibt das Geheimnis der heimischen Musikpresse, die eilig ein paar Afrobeat Beiträge zusammengeklopft und Afrobeat Rare Trax Sampler zusammengestellt hatte, die fast gar keinen Afrobeat enthielten. Für den Laien musste das ja fast schon so aussehen, als ob quasi jede Musik aus Afrika automatisch Afrobeat sei. Dem ist freilich nicht so, Afrobeat wurde Ende der 60er in Nigeria von Fela Kuti und Tony Allen erfunden und ist eine Gemisch aus Funk, Soul und Jazz gewürzt mit jeder Menge westafrikanisch geprägter Polyrhythmen. Femi Kuti geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt, dass jeder, der Afrobeat spielen möchte, sich auf Fela Kuti beziehen muss.
Femi, der älteste Sohn Felas, versuchte schon früh, sich musikalisch vom übermächtigen Vater zu emanzipieren und gründete, nachdem er auch zeitweise dessen Band Egypt 80 geleitet hatte, seine eigene Band The Positive Force. Er entwickelte seine eigene Version des Afrobeat und setzte mehr auf kurze, eingängige Stücke und weniger auf die langen Jams, die man von Fela kennt. Dennoch war die Herkunft nie zu überhören und so setzte er dem Vater auch das ein oder andere musikalische Denkmal, wie z.B. 97 auf dem letzten Studioalbum Fight To Win. Auf dem neuen Album stellt er Fela im Stück Do You Know auf eine Höhe mit Größen wie Miles Davis, Dizzie Gellespie oder Billie Holiday und auch sonst klingt hier einiges nach klassischem Afrobeat wie schon lange nicht mehr. Aber Day By Day bringt auch neues, so handelt es sich beim Titelstück tatsächlich unm eine Art Afrobeatwalzer. Die Stücke Oyimbo, Eh Oh und One Two kennt man schon vom Africa Shrine Album, hier jedoch iegen sie erstmals in der jeweiligen Studioversion vor. Bei letzterem darf Femis Sohn Made, der hier und da auch Saxofon spielt, den Refrain singen. Im Chor singt übrigens u.a. Schwester Yeni, mit der er zusammen den Shrine Club in Lagos betreibt. Ein weiterer prominenter Gast ist Landsmann Keziah Jones, der bei zwei Stücken Gitarre spielt.
Das Stück Demo Crazy nimmt die ähnlich klingende Staatsform auf die Schippe und zeigt deutlich, was Femi von Demokratie hält, nämlich gar nichts. Allerdings ist Femi auch durchaus Utopist, denn eine bessere Alternative kann er leider nicht anbieten, wenngleich die Frage, warum der (rohstoff-)reichste Kontinent von den ärmsten Menschen bevölkert wird natürlich absolut berechtigt ist. Untermalt wird das Ganze wie gewohnt mit bigbandartigen Bläsern, fetten Orgeln und bisweilen manischen Polyrhythmen. Die musikalisache Palette wurde aber auch erweitert, so hört man bei dem bereits erwähnten Do You Know oder They Will Run eine deutliche Jazzlastigkeit.
Day By Day stellt eindrucksvoll unter Beweis, wer den wahren Afrobeat spielt. Wer sich also Vampire Weekend zugelegt hat und meint, jetzt Afrobeat zu hören, der sollte sich dringend dieses Album zulegen, um eine Bildungslücke zu schließen. Allen anderen sei dieses Album natürlich ebenfalls wärmstens an Herz gelegt.
(Wrasse Records / 2008)
Femi, der älteste Sohn Felas, versuchte schon früh, sich musikalisch vom übermächtigen Vater zu emanzipieren und gründete, nachdem er auch zeitweise dessen Band Egypt 80 geleitet hatte, seine eigene Band The Positive Force. Er entwickelte seine eigene Version des Afrobeat und setzte mehr auf kurze, eingängige Stücke und weniger auf die langen Jams, die man von Fela kennt. Dennoch war die Herkunft nie zu überhören und so setzte er dem Vater auch das ein oder andere musikalische Denkmal, wie z.B. 97 auf dem letzten Studioalbum Fight To Win. Auf dem neuen Album stellt er Fela im Stück Do You Know auf eine Höhe mit Größen wie Miles Davis, Dizzie Gellespie oder Billie Holiday und auch sonst klingt hier einiges nach klassischem Afrobeat wie schon lange nicht mehr. Aber Day By Day bringt auch neues, so handelt es sich beim Titelstück tatsächlich unm eine Art Afrobeatwalzer. Die Stücke Oyimbo, Eh Oh und One Two kennt man schon vom Africa Shrine Album, hier jedoch iegen sie erstmals in der jeweiligen Studioversion vor. Bei letzterem darf Femis Sohn Made, der hier und da auch Saxofon spielt, den Refrain singen. Im Chor singt übrigens u.a. Schwester Yeni, mit der er zusammen den Shrine Club in Lagos betreibt. Ein weiterer prominenter Gast ist Landsmann Keziah Jones, der bei zwei Stücken Gitarre spielt.
Das Stück Demo Crazy nimmt die ähnlich klingende Staatsform auf die Schippe und zeigt deutlich, was Femi von Demokratie hält, nämlich gar nichts. Allerdings ist Femi auch durchaus Utopist, denn eine bessere Alternative kann er leider nicht anbieten, wenngleich die Frage, warum der (rohstoff-)reichste Kontinent von den ärmsten Menschen bevölkert wird natürlich absolut berechtigt ist. Untermalt wird das Ganze wie gewohnt mit bigbandartigen Bläsern, fetten Orgeln und bisweilen manischen Polyrhythmen. Die musikalisache Palette wurde aber auch erweitert, so hört man bei dem bereits erwähnten Do You Know oder They Will Run eine deutliche Jazzlastigkeit.
Day By Day stellt eindrucksvoll unter Beweis, wer den wahren Afrobeat spielt. Wer sich also Vampire Weekend zugelegt hat und meint, jetzt Afrobeat zu hören, der sollte sich dringend dieses Album zulegen, um eine Bildungslücke zu schließen. Allen anderen sei dieses Album natürlich ebenfalls wärmstens an Herz gelegt.
(Wrasse Records / 2008)
Montag, 20. Oktober 2008
Rokia Traoré - Tchamantché
Tchamantché ist für mich mit Sicherheit das mit am meisten Spannung erwartete Album des Jahres. Bereits Ende letzten Jahres schon angekündigt und im Frühjahr in Frankreich veröffentlicht, musste ich mich dann doch bis zum September dieses Jahres gedulden, bis eine englische Version veröffentlicht wurde. Dies ist insofern wichtig, da bei einer französischen Ausgabe vermutlich auf die Übersetzung der Texte oder Linernotes ins Englische verzichtet wird.
5 Jahre liegen zwischen Tchamantché und Bowmboï, dem letzten Studioalbum aus dem Jahr 2003. Hauptgrund für die lange Wartezeit ist sicher die Tatsache, das Rokia Traoré in der Zwischenzeit Mutter geworden ist. Nichtsdestotrotz hat sich die lange Wartezeit gelohnt, so führt Tchamantche das Werk konsequent fort und setzt neue Akzente ohne sich dabei allzusehr vom bisherigen Stil zu entfernen. Dies ist insofern wichtig zu erwähnen, als dass hier zum ersten mal eine E-Gitarre zu hören ist. Rokia Traoré hat sich eine alte Gretsch Gitarre zugelegt und im Vorfeld wurden Vermutungen laut, dass das neue Album deutlich blueslastiger werden würde. Tatsächlich wurden die musikalischen Koordinaten aber nicht weiter westlich ans Ufer des Mississippi gelegt. Die Musik atmet weiterhin den Geist des Niger, die Gitarre sorgt allerdings für eine mehr als interessante neue Nuance und fügt sich perfekt ins musikalische Konzept ein. Dies wird schon im ersten Stück Dounia deutlich, ein Bild von einem Afrika, wie es sein sollte aber nicht ist, das nur mit Gitarre und Gesang beginnt. Eine Liveversion davon konnte man sich im Vorfeld auf ihrer Homepage anschauen und schon damals bin ich vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und beim ersten Hören der Albumversion stellte sich spontan ein Déjà Vu Erlebnis ein. Nach 3 Minuten gesellen sich zur Gitarre Ngoni und Percussion und man stellt zusätzlich fest, das Rokias Stimme kräftiger geworden ist. Weit weniger dramatisch aber nicht minder eindringlich ist das folgende Dianfa, das von Vertauen und der Angst vor Verrat handelt. Mit einer einfachen Gitarrenmelodie gelingt es ihr, eine einzigartige Atmosphäre herzustellen, die sich auf das gesamte Album ausbreitet. Noch minimalistischer kommt das in französischer Sprache gesungene Zen daher, das sie mit ungewohnt verführerischer Stimme singt und bei dem sie u.a. von einer Human Beatbox begleitet wird. Es ist übrigens das erste mal, dass sie auf einem Album ein Stück nicht auf Bambara singt. Auch das Liebeslied Aimer hat einen französischen Text. Im rhythmischen Tounka, das vom Reichtum Afrikas handelt, der jedoch nur zu Krieg und Leid führt, wirkt sie fast schon ein bisschen wütend, was aufgrund der Thematik nicht weiter verwundert. Ein weiteres Novum auf diesem Album ist das Einbringen einer Coverversion. Mit gefühlvoller Stimme singt sie die Gershwin Komposition The Man I Love, eine Ode an die große Billie Holiday, verlegt an den Niger. Nicht nur wegen dem Einsatz der Ngoni sondern auch deshalb, da das Stück am Ende um eine Bambara Strophe erweitert wurde. Das Album endet mit A Ou Ni Sou, bei dem sie lediglich von einer Art Steeldrum begleitet wird, und mehr braucht es am Ende auch nicht, um diese wunderbare Stimme zu begleiten.
Tchamantché ist übrigens dem im letzten Jahr verstorbenen Ali Farka Toure gewidmet, der zu Lebzeiten große Stücke auf Rokia Traoré hielt. Und vor dessen besten Alben muss sich Tchamantché nicht im Geringsten verstecken. Album des Jahres? Mindestens!
(Out|Here / 2008)
5 Jahre liegen zwischen Tchamantché und Bowmboï, dem letzten Studioalbum aus dem Jahr 2003. Hauptgrund für die lange Wartezeit ist sicher die Tatsache, das Rokia Traoré in der Zwischenzeit Mutter geworden ist. Nichtsdestotrotz hat sich die lange Wartezeit gelohnt, so führt Tchamantche das Werk konsequent fort und setzt neue Akzente ohne sich dabei allzusehr vom bisherigen Stil zu entfernen. Dies ist insofern wichtig zu erwähnen, als dass hier zum ersten mal eine E-Gitarre zu hören ist. Rokia Traoré hat sich eine alte Gretsch Gitarre zugelegt und im Vorfeld wurden Vermutungen laut, dass das neue Album deutlich blueslastiger werden würde. Tatsächlich wurden die musikalischen Koordinaten aber nicht weiter westlich ans Ufer des Mississippi gelegt. Die Musik atmet weiterhin den Geist des Niger, die Gitarre sorgt allerdings für eine mehr als interessante neue Nuance und fügt sich perfekt ins musikalische Konzept ein. Dies wird schon im ersten Stück Dounia deutlich, ein Bild von einem Afrika, wie es sein sollte aber nicht ist, das nur mit Gitarre und Gesang beginnt. Eine Liveversion davon konnte man sich im Vorfeld auf ihrer Homepage anschauen und schon damals bin ich vor Ehrfurcht in die Knie gegangen und beim ersten Hören der Albumversion stellte sich spontan ein Déjà Vu Erlebnis ein. Nach 3 Minuten gesellen sich zur Gitarre Ngoni und Percussion und man stellt zusätzlich fest, das Rokias Stimme kräftiger geworden ist. Weit weniger dramatisch aber nicht minder eindringlich ist das folgende Dianfa, das von Vertauen und der Angst vor Verrat handelt. Mit einer einfachen Gitarrenmelodie gelingt es ihr, eine einzigartige Atmosphäre herzustellen, die sich auf das gesamte Album ausbreitet. Noch minimalistischer kommt das in französischer Sprache gesungene Zen daher, das sie mit ungewohnt verführerischer Stimme singt und bei dem sie u.a. von einer Human Beatbox begleitet wird. Es ist übrigens das erste mal, dass sie auf einem Album ein Stück nicht auf Bambara singt. Auch das Liebeslied Aimer hat einen französischen Text. Im rhythmischen Tounka, das vom Reichtum Afrikas handelt, der jedoch nur zu Krieg und Leid führt, wirkt sie fast schon ein bisschen wütend, was aufgrund der Thematik nicht weiter verwundert. Ein weiteres Novum auf diesem Album ist das Einbringen einer Coverversion. Mit gefühlvoller Stimme singt sie die Gershwin Komposition The Man I Love, eine Ode an die große Billie Holiday, verlegt an den Niger. Nicht nur wegen dem Einsatz der Ngoni sondern auch deshalb, da das Stück am Ende um eine Bambara Strophe erweitert wurde. Das Album endet mit A Ou Ni Sou, bei dem sie lediglich von einer Art Steeldrum begleitet wird, und mehr braucht es am Ende auch nicht, um diese wunderbare Stimme zu begleiten.
Tchamantché ist übrigens dem im letzten Jahr verstorbenen Ali Farka Toure gewidmet, der zu Lebzeiten große Stücke auf Rokia Traoré hielt. Und vor dessen besten Alben muss sich Tchamantché nicht im Geringsten verstecken. Album des Jahres? Mindestens!
(Out|Here / 2008)
Donnerstag, 18. September 2008
Issa Bagayogo - Mali Koura
Zugegeben, moderne Musik aus Mali hat mich bislang nicht überzeugt. Zumindest, wenn man die Verwendung elektronischer Elemente als modern bezeichnen möchte. Auch Issa Bagayogo stand ich zunächst mehr skeptisch gegenüber und nach dem ersten Hören hinterlässt Mali Koura auch kaum einen bleibenden Eindruck. Aber irgendetwas ist dran an dieser Mischung aus eleganten Clubgrooves und traditionellem Instrumentarium.
Bereits mitte der 90er Jahre versuchte sich Bagayogo in seiner Heimat an ersten Aufnahmen ohne damit jedoch auf ein breiteres Interesse zu stoßen. Seinen Unterhalt verdiente er sich als Busfahrer. Nachdem er, als Folge einer Drogenabhängigkeit, Job und Frau verloren hatte, zog er sich zunächst auf das Land zurück um gegen Ende des Jahrzehnts zurück nach Bamako zu kehren und einen zweiten Anlauf als Musiker zu starten. Dieses Mal gelang es ihm mit einem professionellen Produktionsteam dem u.a. der Franzose Yves Wernert angehörte, einen modernen Sound zu kreieren, der traditionelle Klänge mit Rock, Dub und Funk kombinierte. So wurde Issa Bagayogo zunächst zu einer nationalen Größe, die vor allem bei der Jugend sehr gut ankam und die ihm den Spitznamen Techno-Issa gab. Von dieser Bezeichnung sollte man sich allerdings nicht in die Irre führen lassen, mit dumpfen Eurodance hat diese Musik nicht das Geringste zu tun.
Mali Koura ist nun bereits das vierte Album Bagayogos, das erneut von Yves Wernert produziert wurde. Dabei wählte man dieses Mal eine neue Variante: die Basistracks wurden auf der Veranda von Wernerts Haus in Bamako mit traditionellen Instrumenten und Chören aufgenommen. Anschließend nahm Wernert die Bänder mit nach Paris und gab ihnen den Feinschliff. Das Ergebnis ist die Verschmelzung afrikanischer und europäischer Einflüsse und man gewinnt den Eindruck, es wäre nie anders gewesen. Das erste Stück Sebero, das mit einer simplen und doch effektiven Synthesizermeldoie daherhommt, gibt die Richtung vor. Elegant dahinfließende Grooves treffen auf traditionelle Rhythmen und werden untermalt mit jazzigen Bläsern aber auch Flöten und einheimischen Violinen, dazu kommt noch der lässige Gesang Issa Bagayogos. In diesem Kontext funktionieren aber auch ruhigere Stücke wie Tcheni Tchemakan, das auf Beats verzichtet und bei dem nur ein paar Percussion den Rhythmus bestimmen. Zudem sorgen feine Gitarrenlicks und zurückhaltende Bläser für ein jazziges Ambiente. Dunu Kan setzt ebenfalls auf Jazz hier jedoch gepaart mit einem Afrobeat-Gebläse. Namadjidja wiederum sorgt mit seinen Frauenchören für eine eher traditionelle Atmosphäre.
Mali Koura ist sicher kein Album, dass einen sofort begeistert, es entwicklet sich eher langsam aber stetig. Dafür sorgen eine Reihe feiner Melodien und eine Umsetzung die zeigt, dass Musik aus Mali modern klingen kann, ohne sich bei einem internationalen Publikum allzu sehr anzubiedern. Well done, Techno-Issa!
(Six Degrees / 2008)
Bereits mitte der 90er Jahre versuchte sich Bagayogo in seiner Heimat an ersten Aufnahmen ohne damit jedoch auf ein breiteres Interesse zu stoßen. Seinen Unterhalt verdiente er sich als Busfahrer. Nachdem er, als Folge einer Drogenabhängigkeit, Job und Frau verloren hatte, zog er sich zunächst auf das Land zurück um gegen Ende des Jahrzehnts zurück nach Bamako zu kehren und einen zweiten Anlauf als Musiker zu starten. Dieses Mal gelang es ihm mit einem professionellen Produktionsteam dem u.a. der Franzose Yves Wernert angehörte, einen modernen Sound zu kreieren, der traditionelle Klänge mit Rock, Dub und Funk kombinierte. So wurde Issa Bagayogo zunächst zu einer nationalen Größe, die vor allem bei der Jugend sehr gut ankam und die ihm den Spitznamen Techno-Issa gab. Von dieser Bezeichnung sollte man sich allerdings nicht in die Irre führen lassen, mit dumpfen Eurodance hat diese Musik nicht das Geringste zu tun.
Mali Koura ist nun bereits das vierte Album Bagayogos, das erneut von Yves Wernert produziert wurde. Dabei wählte man dieses Mal eine neue Variante: die Basistracks wurden auf der Veranda von Wernerts Haus in Bamako mit traditionellen Instrumenten und Chören aufgenommen. Anschließend nahm Wernert die Bänder mit nach Paris und gab ihnen den Feinschliff. Das Ergebnis ist die Verschmelzung afrikanischer und europäischer Einflüsse und man gewinnt den Eindruck, es wäre nie anders gewesen. Das erste Stück Sebero, das mit einer simplen und doch effektiven Synthesizermeldoie daherhommt, gibt die Richtung vor. Elegant dahinfließende Grooves treffen auf traditionelle Rhythmen und werden untermalt mit jazzigen Bläsern aber auch Flöten und einheimischen Violinen, dazu kommt noch der lässige Gesang Issa Bagayogos. In diesem Kontext funktionieren aber auch ruhigere Stücke wie Tcheni Tchemakan, das auf Beats verzichtet und bei dem nur ein paar Percussion den Rhythmus bestimmen. Zudem sorgen feine Gitarrenlicks und zurückhaltende Bläser für ein jazziges Ambiente. Dunu Kan setzt ebenfalls auf Jazz hier jedoch gepaart mit einem Afrobeat-Gebläse. Namadjidja wiederum sorgt mit seinen Frauenchören für eine eher traditionelle Atmosphäre.
Mali Koura ist sicher kein Album, dass einen sofort begeistert, es entwicklet sich eher langsam aber stetig. Dafür sorgen eine Reihe feiner Melodien und eine Umsetzung die zeigt, dass Musik aus Mali modern klingen kann, ohne sich bei einem internationalen Publikum allzu sehr anzubiedern. Well done, Techno-Issa!
(Six Degrees / 2008)
Freitag, 12. September 2008
Toumast - Ishumar
Ein weiteres Highlight des Jahres 2007 aus dem Hause Real World. Und im Gegensatz zu Daby Tourés aktuellem Album gibt es hier auch englische Übersetzungen und kurze Linernotes.
Im Kern handelt es sich bei Toumast um ein Tuareg Duo aus dem Niger, bestehend aus dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber Moussa Ag Keyna und der Sängerin Aminatou Goumar, die auch Percussion und Gitarre spielt. Die Tuareg sind praktisch über ganz Westafrika verteilt, von Mali über Burkina Faso und Niger bis in den Norden nach Algerien und Libyen. Nach dem Ende der Kolonialzeit wurde ihr Territorium auf jene Länder verteilt, in denen sie meist als Minderheit unterdrückt wurden. Hinzu kam die Landflucht infolge von Dürrekatastrophen, viele der Nomaden wurden sesshaft und ließen sich in den Städten nieder auf der Suche nach Arbeit, die zumeist erfolglos blieb. Auch davon handelt das erste Album Ishumar, das übersetzt Arbeitsloser bedeutet. Wie viele andere Tuareg auch, bereitete sich Moussa Ag Keyna in Libyen auf den Befreiungskampf vor, landete jedoch schließlich verletzt in Frankreich, wo er sein Gewehr in eine Gitarre umtauschte. Als im Jahr 1995 die Befreiungsfront der Tuareg und die Regierung des Niger ein Friedensabkommen schlossen, plante Moussa Ag Keyna die Rückkehr in seine Heimat doch nur 3 Monate nach der Unterzeichnung wurden 12 seiner Verwandten umgebracht, was eine Rückkehr unmöglich machte. Das melancholische Ammilana, in dem Aminatou mit engelsgleicher Stimme singt, handelt davon, vom Verrat und der Unfähigkeit der Regierung. Andere Stücke, wie z.B. Innulamane geben einen nostalgischen Einblick in das Nomadenleben, das so heute nicht mehr möglich ist. Es handelt von der Freiheit, vergleichbar mit der eines Falken, der über die Wüste hinwegfliegt. Wie andere Tuareg Ensembles werden auch Toumast zunächst einmal mit Tinariwen aus dem benachbarten Mali verglichen. Ein Vergleich, der zwar durchaus angebracht ist, der aber auch zeigt, dass Toumast zumindest musikalisch einen etwas anderen Weg einschlagen. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat Dan Levy, der als Multiinstrumentalist einen wichtigen Beitrag zum Album leistet. So spielt er neben Bass, Keyboards und Fender Rhodes im Liebelied Tallyatidagh auch ein Saxophonsolo, was im harschen Wüstensound seine ganz eigenen Reize entwickelt. Aber auch den reduzierten, nur mit E-Gitarre vorgetragenen Blues beherrscht Moussa Ag Keyna, wie in Ezeref zu hören ist. Ansonsten aber klingt Ishumar weit weniger blueslastig als die Konkurrenz aus Mali. Durch den verstärkten Einsatz von Percussion ist die Musik rhythmischer, beinahe schon Rock'n'Roll zumindest aber das Rollen beschreibt die Musik sehr gut. Hinzu kommen Elemente von Funk und Jazz und dazwischen finden sich immer wieder feine und ungewöhnliche Gitarrenmelodien die auch für Abwechslung sorgen. Und wenn im Mittelteil von Maraou Oran plötzlich ein kurzer Rap auftaucht, der ganz und gar nicht wie ein Fremdkörper wirkt, dann zeigt das, dass auch die Moderne nicht ganz außer Acht gelassen wurde.
(Real World Records / 2007)
Im Kern handelt es sich bei Toumast um ein Tuareg Duo aus dem Niger, bestehend aus dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber Moussa Ag Keyna und der Sängerin Aminatou Goumar, die auch Percussion und Gitarre spielt. Die Tuareg sind praktisch über ganz Westafrika verteilt, von Mali über Burkina Faso und Niger bis in den Norden nach Algerien und Libyen. Nach dem Ende der Kolonialzeit wurde ihr Territorium auf jene Länder verteilt, in denen sie meist als Minderheit unterdrückt wurden. Hinzu kam die Landflucht infolge von Dürrekatastrophen, viele der Nomaden wurden sesshaft und ließen sich in den Städten nieder auf der Suche nach Arbeit, die zumeist erfolglos blieb. Auch davon handelt das erste Album Ishumar, das übersetzt Arbeitsloser bedeutet. Wie viele andere Tuareg auch, bereitete sich Moussa Ag Keyna in Libyen auf den Befreiungskampf vor, landete jedoch schließlich verletzt in Frankreich, wo er sein Gewehr in eine Gitarre umtauschte. Als im Jahr 1995 die Befreiungsfront der Tuareg und die Regierung des Niger ein Friedensabkommen schlossen, plante Moussa Ag Keyna die Rückkehr in seine Heimat doch nur 3 Monate nach der Unterzeichnung wurden 12 seiner Verwandten umgebracht, was eine Rückkehr unmöglich machte. Das melancholische Ammilana, in dem Aminatou mit engelsgleicher Stimme singt, handelt davon, vom Verrat und der Unfähigkeit der Regierung. Andere Stücke, wie z.B. Innulamane geben einen nostalgischen Einblick in das Nomadenleben, das so heute nicht mehr möglich ist. Es handelt von der Freiheit, vergleichbar mit der eines Falken, der über die Wüste hinwegfliegt. Wie andere Tuareg Ensembles werden auch Toumast zunächst einmal mit Tinariwen aus dem benachbarten Mali verglichen. Ein Vergleich, der zwar durchaus angebracht ist, der aber auch zeigt, dass Toumast zumindest musikalisch einen etwas anderen Weg einschlagen. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat Dan Levy, der als Multiinstrumentalist einen wichtigen Beitrag zum Album leistet. So spielt er neben Bass, Keyboards und Fender Rhodes im Liebelied Tallyatidagh auch ein Saxophonsolo, was im harschen Wüstensound seine ganz eigenen Reize entwickelt. Aber auch den reduzierten, nur mit E-Gitarre vorgetragenen Blues beherrscht Moussa Ag Keyna, wie in Ezeref zu hören ist. Ansonsten aber klingt Ishumar weit weniger blueslastig als die Konkurrenz aus Mali. Durch den verstärkten Einsatz von Percussion ist die Musik rhythmischer, beinahe schon Rock'n'Roll zumindest aber das Rollen beschreibt die Musik sehr gut. Hinzu kommen Elemente von Funk und Jazz und dazwischen finden sich immer wieder feine und ungewöhnliche Gitarrenmelodien die auch für Abwechslung sorgen. Und wenn im Mittelteil von Maraou Oran plötzlich ein kurzer Rap auftaucht, der ganz und gar nicht wie ein Fremdkörper wirkt, dann zeigt das, dass auch die Moderne nicht ganz außer Acht gelassen wurde.
(Real World Records / 2007)
Freitag, 5. September 2008
Daby Touré - Stereo Spirit
Besser spät als nie, hätte ich dieses Album schon letztes Jahr gehört, mit großer Wahrscheinlichkeit wäre es bei den besten Alben 2007 ganz mit vorne dabei gewesen.
Die Wurzeln des in Mauretanien geborenen und aufgewachsenen Daby Touré liegen in Mali. 4 Brüder lebten in einem Dorf in der Nähe von Kayes als Schuhmacher, doch als der Bestand an Krokodilen stark zurückging, sahen sie keine Zukunft mehr und verliesen die Gegend. Einer von ihnen, Daby Touré, ließ sich in der Casamance Region im südlichen Senegal nieder und hatte mehrere Frauen und viele Kinder, die allesamt mit einem außerordentlichen musikalischen Talent gesegnet waren. Eines dieser Kinder, Hamidou, wuchs bei einem Onkel in Mauretanien auf. Hamidou ist der Vater des jungen Daby Touré, der nach seinem Großvater benannt wurde, und auch der große Bruder von Ismaila und Sixu Tidiane Touré, welche Ende der 70er Jahre die Band Touré Kunda gründeten und der er 1989 für ein paar Jahre beitrat. Mittlerweile in Paris lebend, wendete sich der junge Daby Touré zunehmend und gegen den Willen des Vaters der Musik zu. Er spielte kleinere Gigs mit Coverband und gründetet schließlich mit seinem Cousin Omar das Duo Touré Touré und experimentierte mit Jazz und afrikanischer Musik und veröffentlichte 1999 das Debütalbum Laddé. Nach weiteren Jahren der musikalischen Experimente erscheint 2004 das Solodebüt Diam, das er zusammen mit Cyrille Dufay eingespielt hat. Diam bot zeitgenössischen und durchaus tradionsbewussten Pop
Im Herbst 2007 wurde das 2. Album Stereo Spirit veröffentlicht und wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht auf die Idee kommen, dass Touré aus Mauretanien stammt. Traditionelle Elemente sucht man hier vergeblich, einzig die Sprachen, in denen Touré singt (u.a. Wolof), verbreiten ein Flair des Unbekannten. Hinzu kommt, dass Touré dieses Album nahezu im Alleingang eingespielt hat. Er hat alle Songs geschrieben, sämtliche Instrumente eingespielt und auch gleich noch die Produktion übernommen. Herausgekommen ist ein Album, das einem die Sprache verschlägt, denn es stimmt hier schlicht und ergreifend alles. Ein Dutzend feinster Songs auf höchstem Niveau umgesetzt, da stört es dann auch nicht weiter, dass die traditionellen Elemente fehlen und Touré auf einen internationalen und doch auch sehr eigenen Sound setzt, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein paar Percussion. Hinzu kommt noch der Gesang, der ebenfalls nicht von dieser Welt zu sein scheint, eine Stimme, die einen direkt ins Herz trifft. Tourés Texte bestehen aus den unterschiedlichen Sprachen seiner Kindheit und Jugend wie Wolof, Soninké und Pulaar und werden hier und da auch schon mal mit englischen Zeilen versehen, was auch seinen Anspruch, die eigene Kultur mit der europäischen zu vermischen verdeutlicht. Touré selbst sieht sich selbst als Afropäer. Seine Songs sind durchweg sehr eingängig, verfügen aber dennoch über genügend Ecken und Kanten und gleich das erste Stück Kebaluso, das von der Einheit innerhalb eines Landes handelt, weißt den Weg für den Rest des Albums: eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt, nur mit dem Nötigsten interpretiert. In Kiyé tauchen plötzlich spacige Effekte auf und wenn am Ende von Wasso doch noch dezent eine Talking Drum erklingt, ist die Heimat doch gar nicht mehr so weit. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich das Real World Label bei der Gestaltung seiner Alben leider nicht so viel Mühe gibt, wie das die Konkurrenz zumindest teilweise tut. So fehlen z.B. die englischen Übersetzungen der Texte, die lediglich im Original abgedruckt sind. Leider ist mein Wolof nicht so gut, als dass ich irgend etwas verstehen könnte.
Stereo Spirit ist eines jener Alben, die beim ersten Hören vielleicht noch etwas unscheinbar wirken, die aber mit jedem weiteren Hörduchgang mehr und mehr ihre ganze Strahlkraft offenbaren. Inkommensurabel!
(Real World Records / 2007)
Die Wurzeln des in Mauretanien geborenen und aufgewachsenen Daby Touré liegen in Mali. 4 Brüder lebten in einem Dorf in der Nähe von Kayes als Schuhmacher, doch als der Bestand an Krokodilen stark zurückging, sahen sie keine Zukunft mehr und verliesen die Gegend. Einer von ihnen, Daby Touré, ließ sich in der Casamance Region im südlichen Senegal nieder und hatte mehrere Frauen und viele Kinder, die allesamt mit einem außerordentlichen musikalischen Talent gesegnet waren. Eines dieser Kinder, Hamidou, wuchs bei einem Onkel in Mauretanien auf. Hamidou ist der Vater des jungen Daby Touré, der nach seinem Großvater benannt wurde, und auch der große Bruder von Ismaila und Sixu Tidiane Touré, welche Ende der 70er Jahre die Band Touré Kunda gründeten und der er 1989 für ein paar Jahre beitrat. Mittlerweile in Paris lebend, wendete sich der junge Daby Touré zunehmend und gegen den Willen des Vaters der Musik zu. Er spielte kleinere Gigs mit Coverband und gründetet schließlich mit seinem Cousin Omar das Duo Touré Touré und experimentierte mit Jazz und afrikanischer Musik und veröffentlichte 1999 das Debütalbum Laddé. Nach weiteren Jahren der musikalischen Experimente erscheint 2004 das Solodebüt Diam, das er zusammen mit Cyrille Dufay eingespielt hat. Diam bot zeitgenössischen und durchaus tradionsbewussten Pop
Im Herbst 2007 wurde das 2. Album Stereo Spirit veröffentlicht und wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht auf die Idee kommen, dass Touré aus Mauretanien stammt. Traditionelle Elemente sucht man hier vergeblich, einzig die Sprachen, in denen Touré singt (u.a. Wolof), verbreiten ein Flair des Unbekannten. Hinzu kommt, dass Touré dieses Album nahezu im Alleingang eingespielt hat. Er hat alle Songs geschrieben, sämtliche Instrumente eingespielt und auch gleich noch die Produktion übernommen. Herausgekommen ist ein Album, das einem die Sprache verschlägt, denn es stimmt hier schlicht und ergreifend alles. Ein Dutzend feinster Songs auf höchstem Niveau umgesetzt, da stört es dann auch nicht weiter, dass die traditionellen Elemente fehlen und Touré auf einen internationalen und doch auch sehr eigenen Sound setzt, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein paar Percussion. Hinzu kommt noch der Gesang, der ebenfalls nicht von dieser Welt zu sein scheint, eine Stimme, die einen direkt ins Herz trifft. Tourés Texte bestehen aus den unterschiedlichen Sprachen seiner Kindheit und Jugend wie Wolof, Soninké und Pulaar und werden hier und da auch schon mal mit englischen Zeilen versehen, was auch seinen Anspruch, die eigene Kultur mit der europäischen zu vermischen verdeutlicht. Touré selbst sieht sich selbst als Afropäer. Seine Songs sind durchweg sehr eingängig, verfügen aber dennoch über genügend Ecken und Kanten und gleich das erste Stück Kebaluso, das von der Einheit innerhalb eines Landes handelt, weißt den Weg für den Rest des Albums: eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt, nur mit dem Nötigsten interpretiert. In Kiyé tauchen plötzlich spacige Effekte auf und wenn am Ende von Wasso doch noch dezent eine Talking Drum erklingt, ist die Heimat doch gar nicht mehr so weit. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich das Real World Label bei der Gestaltung seiner Alben leider nicht so viel Mühe gibt, wie das die Konkurrenz zumindest teilweise tut. So fehlen z.B. die englischen Übersetzungen der Texte, die lediglich im Original abgedruckt sind. Leider ist mein Wolof nicht so gut, als dass ich irgend etwas verstehen könnte.
Stereo Spirit ist eines jener Alben, die beim ersten Hören vielleicht noch etwas unscheinbar wirken, die aber mit jedem weiteren Hörduchgang mehr und mehr ihre ganze Strahlkraft offenbaren. Inkommensurabel!
(Real World Records / 2007)
Freitag, 29. August 2008
Rajery, Ballaké Sissoko, Driss El Maloumi - 3 Ma (Madagascar, Mali, Maroc)
Auf den ersten Blick scheint es sich hier um ein allzu konstruiertes Projekt zu handeln, doch der Schein trügt. In einem bislang einzigartigen Projekt gelingt es diesen 3 Musikern, die unterschiedlichn musikalischen Traditionen ihrer Heimatländer zu einer wunderbaren Einheit zu verschmelzen.
Germain Randrianrisoa alias Rajery verlor bereits im Alter von 11 Monaten seine rechte Hand. Im Alter von 14 Jahren beschloss er, trotz seines Handicaps das Spiel der Valiha zu erlernen. Die Valiha ist das traditionelle Saiteninstrumnet auf Madagaskar. Das mit einer Zither vergleichbare Instrument besteht aus einem rundherum mit Saiten bespannten Bambusrohr. Zunächst hatte es Rajery nicht leicht und wurde wegen seines Handicaps auch verspottet. Aber er biss sich durch und entwickelte sich zu einem der besten Valiha Spielern des Landes. Er gründete die Band Akombaliha, die einem Valiha-Orchester gleichkam, spielte aber auch in kleineren Besetzungen und vermischte traditionelle Musik mit Jazz. Unter dem Namen Rajery veröffentlichte er bislang 4 Alben, zuletzt im Jahr 2007 Sofera auf dem französischen Label Marabi.
Ballaké Sissoko, geboren in einer Griot Dynastie in Mali, zählt neben Toumani Diabaté, mit dem er das Album New Ancient Strings eingespielt hat, zu den weltbesten Koraspielern. Er spielte mit dem in Mali angesehenen Ensemble Instrumental du Mali, begleitete viele einheimische Sängerinenn und arbeitete u.a. mit Taj Mahal.
Der Marokkaner Driss El Maloumi wurde 1970 in Agadir geboren. Es studierte arabische Literatur und besuchte die Staatliche Musikschule in Rabat. Sein Oudspiel ist nicht nur von westlichen und östlichen Einflüssen geprägt, sondern auch von den Berbern.
"Warum spielte der Oud noch nie mit der Kora zusammen, und die Valiha nie mit dem Oud? Ein Dialog zwischen unseren Kulturen ist nicht nur möglich, er wird uns auch alle bereichern. Unsere traditionellen Instrumente sind ein Symbol dafür, dass wir uns im Geiste vereinen können.", so die 3 Protagonisten über ihr gemeinsames Projekt. Was in einem Proberaum in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, begann, entwickelte sich zu einer vorzüglichen Kombination unterschiedlichster Traditionen, die zumindest musikalisch gar nicht so fremd zu sein scheinen. Tatsächlich passen die 3 Instrumente perfekt zueinenader, sowohl im Zusammenspiel als auch in den solistischen Einlagen. Es geht um die Weiterentwicklung der jeweils eigenen Tradition, anhand der Verschmelzung mit anderen Traditionen. Das wird schon beim ersten Stück Anfass deutlich, das klingt, als würden die Musiker schon ewig miteinander spielen. Ballakes kristallklare Koraklänge treffen auf die klagenden Laute der Oud El Maloumis und den luftigen Klängen Rajerys Valiha. 3 Ma ist über weite Strecken ien Instrumentalalbum, nur bei einem Stück wird auch gesungen. Beim knapp 9 Minuten langen gleichermaßen majestätisch wie tranceartigen Wüstenblues Awal teilen sich die 3 Protagonisten nicht nur die Soli sondern auch den Gesang, so dass jeder eine Strophe singt. Das Titelstück dagegen ist fast schon Rock'n'Roll an dessen Ende Sissoko auf der Kalabasse seiner Kora den Rhythmus trommelt, während die anderen beite ihre Instrumente nur noch kurz anzupfen, grandios! Im darauffolgenden Kouroukanfouga kommt dagegen die melancholische Seite des Trios zum tragen, und man merkt, wie nahezu perfekt es ihnen doch gelingt, verschiedene Stimmungen einzufangen und musikalisch wiederzugeben. Jeder der Muisiker hat auf diesem Album auch ein Solostück, von denen mir vor allem El Maloumis Rania besonders gefällt, ein Stück, dass er seiner Tochter gewidmet hat. Ganz am Ende des Albums gibt es noch einen unbetitelten live aufgenommen Song, bei dem man noch einmal die ganze Spielfreude dieses Trios zu hören bekommt und wenn sie hier mit ihren Stimmen allerlei Unsinn anstellen, dann merkt man, dass hier auch der Spaß an der Sache nicht zu kurz gekommen ist. Ein gelungener Abschluss eines grandiosen Albums.
(Contre Jour / 2008)
Germain Randrianrisoa alias Rajery verlor bereits im Alter von 11 Monaten seine rechte Hand. Im Alter von 14 Jahren beschloss er, trotz seines Handicaps das Spiel der Valiha zu erlernen. Die Valiha ist das traditionelle Saiteninstrumnet auf Madagaskar. Das mit einer Zither vergleichbare Instrument besteht aus einem rundherum mit Saiten bespannten Bambusrohr. Zunächst hatte es Rajery nicht leicht und wurde wegen seines Handicaps auch verspottet. Aber er biss sich durch und entwickelte sich zu einem der besten Valiha Spielern des Landes. Er gründete die Band Akombaliha, die einem Valiha-Orchester gleichkam, spielte aber auch in kleineren Besetzungen und vermischte traditionelle Musik mit Jazz. Unter dem Namen Rajery veröffentlichte er bislang 4 Alben, zuletzt im Jahr 2007 Sofera auf dem französischen Label Marabi.
Ballaké Sissoko, geboren in einer Griot Dynastie in Mali, zählt neben Toumani Diabaté, mit dem er das Album New Ancient Strings eingespielt hat, zu den weltbesten Koraspielern. Er spielte mit dem in Mali angesehenen Ensemble Instrumental du Mali, begleitete viele einheimische Sängerinenn und arbeitete u.a. mit Taj Mahal.
Der Marokkaner Driss El Maloumi wurde 1970 in Agadir geboren. Es studierte arabische Literatur und besuchte die Staatliche Musikschule in Rabat. Sein Oudspiel ist nicht nur von westlichen und östlichen Einflüssen geprägt, sondern auch von den Berbern.
"Warum spielte der Oud noch nie mit der Kora zusammen, und die Valiha nie mit dem Oud? Ein Dialog zwischen unseren Kulturen ist nicht nur möglich, er wird uns auch alle bereichern. Unsere traditionellen Instrumente sind ein Symbol dafür, dass wir uns im Geiste vereinen können.", so die 3 Protagonisten über ihr gemeinsames Projekt. Was in einem Proberaum in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, begann, entwickelte sich zu einer vorzüglichen Kombination unterschiedlichster Traditionen, die zumindest musikalisch gar nicht so fremd zu sein scheinen. Tatsächlich passen die 3 Instrumente perfekt zueinenader, sowohl im Zusammenspiel als auch in den solistischen Einlagen. Es geht um die Weiterentwicklung der jeweils eigenen Tradition, anhand der Verschmelzung mit anderen Traditionen. Das wird schon beim ersten Stück Anfass deutlich, das klingt, als würden die Musiker schon ewig miteinander spielen. Ballakes kristallklare Koraklänge treffen auf die klagenden Laute der Oud El Maloumis und den luftigen Klängen Rajerys Valiha. 3 Ma ist über weite Strecken ien Instrumentalalbum, nur bei einem Stück wird auch gesungen. Beim knapp 9 Minuten langen gleichermaßen majestätisch wie tranceartigen Wüstenblues Awal teilen sich die 3 Protagonisten nicht nur die Soli sondern auch den Gesang, so dass jeder eine Strophe singt. Das Titelstück dagegen ist fast schon Rock'n'Roll an dessen Ende Sissoko auf der Kalabasse seiner Kora den Rhythmus trommelt, während die anderen beite ihre Instrumente nur noch kurz anzupfen, grandios! Im darauffolgenden Kouroukanfouga kommt dagegen die melancholische Seite des Trios zum tragen, und man merkt, wie nahezu perfekt es ihnen doch gelingt, verschiedene Stimmungen einzufangen und musikalisch wiederzugeben. Jeder der Muisiker hat auf diesem Album auch ein Solostück, von denen mir vor allem El Maloumis Rania besonders gefällt, ein Stück, dass er seiner Tochter gewidmet hat. Ganz am Ende des Albums gibt es noch einen unbetitelten live aufgenommen Song, bei dem man noch einmal die ganze Spielfreude dieses Trios zu hören bekommt und wenn sie hier mit ihren Stimmen allerlei Unsinn anstellen, dann merkt man, dass hier auch der Spaß an der Sache nicht zu kurz gekommen ist. Ein gelungener Abschluss eines grandiosen Albums.
(Contre Jour / 2008)
Donnerstag, 7. August 2008
Les Tambours De Brazza - "Brazza"
Ein weiteres Highlight des kleinen französischen Labels Marabi ist diese Werkschau des wohl bekanntesten Tommelensembles aus Afrika. Drummer und Songwriter Emile Biayenda gründet die Band, die zunächst nur aus Trommlern besteht, im Jahr 1991. Von Anfang an ist die Vermischung von Tradition und Moderne die Grundlage dieser Band, die im Lauf der Jahre weitere Instrumente wie Gitarre, Bass oder Keyboard in das Bandgefüge integriert. Die Trommeln stehen jedoch bis heute im Vordergrund und der dadurch entstehende einzigartige Klang ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, das von Anfang an ein modernes Schlagzeug, gespielt von Bandleader Biayenda, mit den traditionellen Ngoma Trommeln kombiniert wurde. Dadurch entstehen moderne Varianten der Rhythmen verschiedener kongolesischer Bevölkerungsgruppen.
"Brazza", übrigens die Kurzform der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville, ist ein CD/DVD Package, das neben Studioaufnahmen auch ausgewählte Liveaufnahmen aller Phasen der Band präsentiert. Auf der CD befinden sich 14 ausgewählte Stücke der Alben Ahaando, Zangoula und Tandala, lediglich das Debüt Congo Drums wurde ausgespart. Die 14 Stücke wurden zwar nicht chronologisch angeordnet, aber man kann dennoch die Entwicklung der Band sehr gut nachvollziehen. So bestehen die Ahhando Tracks noch ausschließlich aus Trommeln und Gesang. Besonders erwähnenswert ist hier das Stück Nostalgie, das beweist, dass ein Song auch nur mit Trommelbegleitung funktionieren kann. Die Stücke des Livealbums Zangoula gehen einen Schritt weiter und integrieren zumeist Bass (hier gespielt von Manou Gallo) oder Gitarre in das Bandgefüge. Vor allem der Bass wirkt hier wie eine Art Klebstoff, der die Trommeln noch dichter zu einer Einheit verschmelzt. Auch gesangstechnisch bleibt die Moderne nicht außen vor, so wird das Stück Ahaando um einen Rap erweitert. Die Stücke des bislang letzten Albums Tandala machen einen weiteren Schritt in die Moderne und präsentieren erstmals auch Keyboards. Dadurch erhält so manches Stück einen durchaus poppigen Charakter wie z.B. Sango (les news), und das, obwohl die Trommeln nach wie vor dominieren, während sich alle anderen Instrumente dezent im Hintergrund halten.
Die DVD beinhaltet drei Livemittschnitte, anhand derer man die Entwicklung der Band nun auch bildlich nachvollziehen kann. Der Auftritt in Windhoek aus dem Jahr 1997 zeigt noch das ursprüngliche Trommelensemble, während im Maison de la Culture im belgischen Arlon im Jahr 2000 der Bass eine nicht zu vernachlässigende Position einnimmt. Ein Mitschnitt aus Nancy aus dem Jahr 2002 zeigt schließlich die aktuelle Besetzung. Als Bonus bietet die DVD einen 30 minütigen Trommel-Workshop, eine 40 minütige Jam Session sowie ein kurzes Interview mit Emile Biayenda. Leider hat man sich jedoch nicht die Mühe gemacht, Untertitel bereitzustellen. so dass man schon des Französischen mächtig sein muss, um die Musiker zu verstehen. Auch während der Konzerte eingeblendete Erläuterungen gibt es nur in französischer Sprache. Klang und Bild reichen von amateurhaft (Windhoek) bis professionell (Nancy), wobei man sich auch bei den Schnitten keine große Mühe gegeben hat, was den Fluss vor allem beim Nancy Auftritt etwas stört.
Wenn man mal von der Kleinigkeiten absieht, die es bei der DVD zu kritisieren gibt, handelt es sich bei "Brazza" um eine hervorrragende Retrospektive. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft auch neues Material dieser aufregenden Gruppe geben wird.
(Marabi / 2007)
"Brazza", übrigens die Kurzform der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville, ist ein CD/DVD Package, das neben Studioaufnahmen auch ausgewählte Liveaufnahmen aller Phasen der Band präsentiert. Auf der CD befinden sich 14 ausgewählte Stücke der Alben Ahaando, Zangoula und Tandala, lediglich das Debüt Congo Drums wurde ausgespart. Die 14 Stücke wurden zwar nicht chronologisch angeordnet, aber man kann dennoch die Entwicklung der Band sehr gut nachvollziehen. So bestehen die Ahhando Tracks noch ausschließlich aus Trommeln und Gesang. Besonders erwähnenswert ist hier das Stück Nostalgie, das beweist, dass ein Song auch nur mit Trommelbegleitung funktionieren kann. Die Stücke des Livealbums Zangoula gehen einen Schritt weiter und integrieren zumeist Bass (hier gespielt von Manou Gallo) oder Gitarre in das Bandgefüge. Vor allem der Bass wirkt hier wie eine Art Klebstoff, der die Trommeln noch dichter zu einer Einheit verschmelzt. Auch gesangstechnisch bleibt die Moderne nicht außen vor, so wird das Stück Ahaando um einen Rap erweitert. Die Stücke des bislang letzten Albums Tandala machen einen weiteren Schritt in die Moderne und präsentieren erstmals auch Keyboards. Dadurch erhält so manches Stück einen durchaus poppigen Charakter wie z.B. Sango (les news), und das, obwohl die Trommeln nach wie vor dominieren, während sich alle anderen Instrumente dezent im Hintergrund halten.
Die DVD beinhaltet drei Livemittschnitte, anhand derer man die Entwicklung der Band nun auch bildlich nachvollziehen kann. Der Auftritt in Windhoek aus dem Jahr 1997 zeigt noch das ursprüngliche Trommelensemble, während im Maison de la Culture im belgischen Arlon im Jahr 2000 der Bass eine nicht zu vernachlässigende Position einnimmt. Ein Mitschnitt aus Nancy aus dem Jahr 2002 zeigt schließlich die aktuelle Besetzung. Als Bonus bietet die DVD einen 30 minütigen Trommel-Workshop, eine 40 minütige Jam Session sowie ein kurzes Interview mit Emile Biayenda. Leider hat man sich jedoch nicht die Mühe gemacht, Untertitel bereitzustellen. so dass man schon des Französischen mächtig sein muss, um die Musiker zu verstehen. Auch während der Konzerte eingeblendete Erläuterungen gibt es nur in französischer Sprache. Klang und Bild reichen von amateurhaft (Windhoek) bis professionell (Nancy), wobei man sich auch bei den Schnitten keine große Mühe gegeben hat, was den Fluss vor allem beim Nancy Auftritt etwas stört.
Wenn man mal von der Kleinigkeiten absieht, die es bei der DVD zu kritisieren gibt, handelt es sich bei "Brazza" um eine hervorrragende Retrospektive. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft auch neues Material dieser aufregenden Gruppe geben wird.
(Marabi / 2007)
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