Zugegeben, moderne Musik aus Mali hat mich bislang nicht überzeugt. Zumindest, wenn man die Verwendung elektronischer Elemente als modern bezeichnen möchte. Auch Issa Bagayogo stand ich zunächst mehr skeptisch gegenüber und nach dem ersten Hören hinterlässt Mali Koura auch kaum einen bleibenden Eindruck. Aber irgendetwas ist dran an dieser Mischung aus eleganten Clubgrooves und traditionellem Instrumentarium.
Bereits mitte der 90er Jahre versuchte sich Bagayogo in seiner Heimat an ersten Aufnahmen ohne damit jedoch auf ein breiteres Interesse zu stoßen. Seinen Unterhalt verdiente er sich als Busfahrer. Nachdem er, als Folge einer Drogenabhängigkeit, Job und Frau verloren hatte, zog er sich zunächst auf das Land zurück um gegen Ende des Jahrzehnts zurück nach Bamako zu kehren und einen zweiten Anlauf als Musiker zu starten. Dieses Mal gelang es ihm mit einem professionellen Produktionsteam dem u.a. der Franzose Yves Wernert angehörte, einen modernen Sound zu kreieren, der traditionelle Klänge mit Rock, Dub und Funk kombinierte. So wurde Issa Bagayogo zunächst zu einer nationalen Größe, die vor allem bei der Jugend sehr gut ankam und die ihm den Spitznamen Techno-Issa gab. Von dieser Bezeichnung sollte man sich allerdings nicht in die Irre führen lassen, mit dumpfen Eurodance hat diese Musik nicht das Geringste zu tun.
Mali Koura ist nun bereits das vierte Album Bagayogos, das erneut von Yves Wernert produziert wurde. Dabei wählte man dieses Mal eine neue Variante: die Basistracks wurden auf der Veranda von Wernerts Haus in Bamako mit traditionellen Instrumenten und Chören aufgenommen. Anschließend nahm Wernert die Bänder mit nach Paris und gab ihnen den Feinschliff. Das Ergebnis ist die Verschmelzung afrikanischer und europäischer Einflüsse und man gewinnt den Eindruck, es wäre nie anders gewesen. Das erste Stück Sebero, das mit einer simplen und doch effektiven Synthesizermeldoie daherhommt, gibt die Richtung vor. Elegant dahinfließende Grooves treffen auf traditionelle Rhythmen und werden untermalt mit jazzigen Bläsern aber auch Flöten und einheimischen Violinen, dazu kommt noch der lässige Gesang Issa Bagayogos. In diesem Kontext funktionieren aber auch ruhigere Stücke wie Tcheni Tchemakan, das auf Beats verzichtet und bei dem nur ein paar Percussion den Rhythmus bestimmen. Zudem sorgen feine Gitarrenlicks und zurückhaltende Bläser für ein jazziges Ambiente. Dunu Kan setzt ebenfalls auf Jazz hier jedoch gepaart mit einem Afrobeat-Gebläse. Namadjidja wiederum sorgt mit seinen Frauenchören für eine eher traditionelle Atmosphäre.
Mali Koura ist sicher kein Album, dass einen sofort begeistert, es entwicklet sich eher langsam aber stetig. Dafür sorgen eine Reihe feiner Melodien und eine Umsetzung die zeigt, dass Musik aus Mali modern klingen kann, ohne sich bei einem internationalen Publikum allzu sehr anzubiedern. Well done, Techno-Issa!
(Six Degrees / 2008)
Donnerstag, 18. September 2008
Freitag, 12. September 2008
Toumast - Ishumar
Ein weiteres Highlight des Jahres 2007 aus dem Hause Real World. Und im Gegensatz zu Daby Tourés aktuellem Album gibt es hier auch englische Übersetzungen und kurze Linernotes.
Im Kern handelt es sich bei Toumast um ein Tuareg Duo aus dem Niger, bestehend aus dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber Moussa Ag Keyna und der Sängerin Aminatou Goumar, die auch Percussion und Gitarre spielt. Die Tuareg sind praktisch über ganz Westafrika verteilt, von Mali über Burkina Faso und Niger bis in den Norden nach Algerien und Libyen. Nach dem Ende der Kolonialzeit wurde ihr Territorium auf jene Länder verteilt, in denen sie meist als Minderheit unterdrückt wurden. Hinzu kam die Landflucht infolge von Dürrekatastrophen, viele der Nomaden wurden sesshaft und ließen sich in den Städten nieder auf der Suche nach Arbeit, die zumeist erfolglos blieb. Auch davon handelt das erste Album Ishumar, das übersetzt Arbeitsloser bedeutet. Wie viele andere Tuareg auch, bereitete sich Moussa Ag Keyna in Libyen auf den Befreiungskampf vor, landete jedoch schließlich verletzt in Frankreich, wo er sein Gewehr in eine Gitarre umtauschte. Als im Jahr 1995 die Befreiungsfront der Tuareg und die Regierung des Niger ein Friedensabkommen schlossen, plante Moussa Ag Keyna die Rückkehr in seine Heimat doch nur 3 Monate nach der Unterzeichnung wurden 12 seiner Verwandten umgebracht, was eine Rückkehr unmöglich machte. Das melancholische Ammilana, in dem Aminatou mit engelsgleicher Stimme singt, handelt davon, vom Verrat und der Unfähigkeit der Regierung. Andere Stücke, wie z.B. Innulamane geben einen nostalgischen Einblick in das Nomadenleben, das so heute nicht mehr möglich ist. Es handelt von der Freiheit, vergleichbar mit der eines Falken, der über die Wüste hinwegfliegt. Wie andere Tuareg Ensembles werden auch Toumast zunächst einmal mit Tinariwen aus dem benachbarten Mali verglichen. Ein Vergleich, der zwar durchaus angebracht ist, der aber auch zeigt, dass Toumast zumindest musikalisch einen etwas anderen Weg einschlagen. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat Dan Levy, der als Multiinstrumentalist einen wichtigen Beitrag zum Album leistet. So spielt er neben Bass, Keyboards und Fender Rhodes im Liebelied Tallyatidagh auch ein Saxophonsolo, was im harschen Wüstensound seine ganz eigenen Reize entwickelt. Aber auch den reduzierten, nur mit E-Gitarre vorgetragenen Blues beherrscht Moussa Ag Keyna, wie in Ezeref zu hören ist. Ansonsten aber klingt Ishumar weit weniger blueslastig als die Konkurrenz aus Mali. Durch den verstärkten Einsatz von Percussion ist die Musik rhythmischer, beinahe schon Rock'n'Roll zumindest aber das Rollen beschreibt die Musik sehr gut. Hinzu kommen Elemente von Funk und Jazz und dazwischen finden sich immer wieder feine und ungewöhnliche Gitarrenmelodien die auch für Abwechslung sorgen. Und wenn im Mittelteil von Maraou Oran plötzlich ein kurzer Rap auftaucht, der ganz und gar nicht wie ein Fremdkörper wirkt, dann zeigt das, dass auch die Moderne nicht ganz außer Acht gelassen wurde.
(Real World Records / 2007)
Im Kern handelt es sich bei Toumast um ein Tuareg Duo aus dem Niger, bestehend aus dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber Moussa Ag Keyna und der Sängerin Aminatou Goumar, die auch Percussion und Gitarre spielt. Die Tuareg sind praktisch über ganz Westafrika verteilt, von Mali über Burkina Faso und Niger bis in den Norden nach Algerien und Libyen. Nach dem Ende der Kolonialzeit wurde ihr Territorium auf jene Länder verteilt, in denen sie meist als Minderheit unterdrückt wurden. Hinzu kam die Landflucht infolge von Dürrekatastrophen, viele der Nomaden wurden sesshaft und ließen sich in den Städten nieder auf der Suche nach Arbeit, die zumeist erfolglos blieb. Auch davon handelt das erste Album Ishumar, das übersetzt Arbeitsloser bedeutet. Wie viele andere Tuareg auch, bereitete sich Moussa Ag Keyna in Libyen auf den Befreiungskampf vor, landete jedoch schließlich verletzt in Frankreich, wo er sein Gewehr in eine Gitarre umtauschte. Als im Jahr 1995 die Befreiungsfront der Tuareg und die Regierung des Niger ein Friedensabkommen schlossen, plante Moussa Ag Keyna die Rückkehr in seine Heimat doch nur 3 Monate nach der Unterzeichnung wurden 12 seiner Verwandten umgebracht, was eine Rückkehr unmöglich machte. Das melancholische Ammilana, in dem Aminatou mit engelsgleicher Stimme singt, handelt davon, vom Verrat und der Unfähigkeit der Regierung. Andere Stücke, wie z.B. Innulamane geben einen nostalgischen Einblick in das Nomadenleben, das so heute nicht mehr möglich ist. Es handelt von der Freiheit, vergleichbar mit der eines Falken, der über die Wüste hinwegfliegt. Wie andere Tuareg Ensembles werden auch Toumast zunächst einmal mit Tinariwen aus dem benachbarten Mali verglichen. Ein Vergleich, der zwar durchaus angebracht ist, der aber auch zeigt, dass Toumast zumindest musikalisch einen etwas anderen Weg einschlagen. Einen nicht unwesentlichen Anteil daran hat Dan Levy, der als Multiinstrumentalist einen wichtigen Beitrag zum Album leistet. So spielt er neben Bass, Keyboards und Fender Rhodes im Liebelied Tallyatidagh auch ein Saxophonsolo, was im harschen Wüstensound seine ganz eigenen Reize entwickelt. Aber auch den reduzierten, nur mit E-Gitarre vorgetragenen Blues beherrscht Moussa Ag Keyna, wie in Ezeref zu hören ist. Ansonsten aber klingt Ishumar weit weniger blueslastig als die Konkurrenz aus Mali. Durch den verstärkten Einsatz von Percussion ist die Musik rhythmischer, beinahe schon Rock'n'Roll zumindest aber das Rollen beschreibt die Musik sehr gut. Hinzu kommen Elemente von Funk und Jazz und dazwischen finden sich immer wieder feine und ungewöhnliche Gitarrenmelodien die auch für Abwechslung sorgen. Und wenn im Mittelteil von Maraou Oran plötzlich ein kurzer Rap auftaucht, der ganz und gar nicht wie ein Fremdkörper wirkt, dann zeigt das, dass auch die Moderne nicht ganz außer Acht gelassen wurde.
(Real World Records / 2007)
Freitag, 5. September 2008
Daby Touré - Stereo Spirit
Besser spät als nie, hätte ich dieses Album schon letztes Jahr gehört, mit großer Wahrscheinlichkeit wäre es bei den besten Alben 2007 ganz mit vorne dabei gewesen.
Die Wurzeln des in Mauretanien geborenen und aufgewachsenen Daby Touré liegen in Mali. 4 Brüder lebten in einem Dorf in der Nähe von Kayes als Schuhmacher, doch als der Bestand an Krokodilen stark zurückging, sahen sie keine Zukunft mehr und verliesen die Gegend. Einer von ihnen, Daby Touré, ließ sich in der Casamance Region im südlichen Senegal nieder und hatte mehrere Frauen und viele Kinder, die allesamt mit einem außerordentlichen musikalischen Talent gesegnet waren. Eines dieser Kinder, Hamidou, wuchs bei einem Onkel in Mauretanien auf. Hamidou ist der Vater des jungen Daby Touré, der nach seinem Großvater benannt wurde, und auch der große Bruder von Ismaila und Sixu Tidiane Touré, welche Ende der 70er Jahre die Band Touré Kunda gründeten und der er 1989 für ein paar Jahre beitrat. Mittlerweile in Paris lebend, wendete sich der junge Daby Touré zunehmend und gegen den Willen des Vaters der Musik zu. Er spielte kleinere Gigs mit Coverband und gründetet schließlich mit seinem Cousin Omar das Duo Touré Touré und experimentierte mit Jazz und afrikanischer Musik und veröffentlichte 1999 das Debütalbum Laddé. Nach weiteren Jahren der musikalischen Experimente erscheint 2004 das Solodebüt Diam, das er zusammen mit Cyrille Dufay eingespielt hat. Diam bot zeitgenössischen und durchaus tradionsbewussten Pop
Im Herbst 2007 wurde das 2. Album Stereo Spirit veröffentlicht und wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht auf die Idee kommen, dass Touré aus Mauretanien stammt. Traditionelle Elemente sucht man hier vergeblich, einzig die Sprachen, in denen Touré singt (u.a. Wolof), verbreiten ein Flair des Unbekannten. Hinzu kommt, dass Touré dieses Album nahezu im Alleingang eingespielt hat. Er hat alle Songs geschrieben, sämtliche Instrumente eingespielt und auch gleich noch die Produktion übernommen. Herausgekommen ist ein Album, das einem die Sprache verschlägt, denn es stimmt hier schlicht und ergreifend alles. Ein Dutzend feinster Songs auf höchstem Niveau umgesetzt, da stört es dann auch nicht weiter, dass die traditionellen Elemente fehlen und Touré auf einen internationalen und doch auch sehr eigenen Sound setzt, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein paar Percussion. Hinzu kommt noch der Gesang, der ebenfalls nicht von dieser Welt zu sein scheint, eine Stimme, die einen direkt ins Herz trifft. Tourés Texte bestehen aus den unterschiedlichen Sprachen seiner Kindheit und Jugend wie Wolof, Soninké und Pulaar und werden hier und da auch schon mal mit englischen Zeilen versehen, was auch seinen Anspruch, die eigene Kultur mit der europäischen zu vermischen verdeutlicht. Touré selbst sieht sich selbst als Afropäer. Seine Songs sind durchweg sehr eingängig, verfügen aber dennoch über genügend Ecken und Kanten und gleich das erste Stück Kebaluso, das von der Einheit innerhalb eines Landes handelt, weißt den Weg für den Rest des Albums: eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt, nur mit dem Nötigsten interpretiert. In Kiyé tauchen plötzlich spacige Effekte auf und wenn am Ende von Wasso doch noch dezent eine Talking Drum erklingt, ist die Heimat doch gar nicht mehr so weit. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich das Real World Label bei der Gestaltung seiner Alben leider nicht so viel Mühe gibt, wie das die Konkurrenz zumindest teilweise tut. So fehlen z.B. die englischen Übersetzungen der Texte, die lediglich im Original abgedruckt sind. Leider ist mein Wolof nicht so gut, als dass ich irgend etwas verstehen könnte.
Stereo Spirit ist eines jener Alben, die beim ersten Hören vielleicht noch etwas unscheinbar wirken, die aber mit jedem weiteren Hörduchgang mehr und mehr ihre ganze Strahlkraft offenbaren. Inkommensurabel!
(Real World Records / 2007)
Die Wurzeln des in Mauretanien geborenen und aufgewachsenen Daby Touré liegen in Mali. 4 Brüder lebten in einem Dorf in der Nähe von Kayes als Schuhmacher, doch als der Bestand an Krokodilen stark zurückging, sahen sie keine Zukunft mehr und verliesen die Gegend. Einer von ihnen, Daby Touré, ließ sich in der Casamance Region im südlichen Senegal nieder und hatte mehrere Frauen und viele Kinder, die allesamt mit einem außerordentlichen musikalischen Talent gesegnet waren. Eines dieser Kinder, Hamidou, wuchs bei einem Onkel in Mauretanien auf. Hamidou ist der Vater des jungen Daby Touré, der nach seinem Großvater benannt wurde, und auch der große Bruder von Ismaila und Sixu Tidiane Touré, welche Ende der 70er Jahre die Band Touré Kunda gründeten und der er 1989 für ein paar Jahre beitrat. Mittlerweile in Paris lebend, wendete sich der junge Daby Touré zunehmend und gegen den Willen des Vaters der Musik zu. Er spielte kleinere Gigs mit Coverband und gründetet schließlich mit seinem Cousin Omar das Duo Touré Touré und experimentierte mit Jazz und afrikanischer Musik und veröffentlichte 1999 das Debütalbum Laddé. Nach weiteren Jahren der musikalischen Experimente erscheint 2004 das Solodebüt Diam, das er zusammen mit Cyrille Dufay eingespielt hat. Diam bot zeitgenössischen und durchaus tradionsbewussten Pop
Im Herbst 2007 wurde das 2. Album Stereo Spirit veröffentlicht und wenn man es nicht besser wüsste, würde man nicht auf die Idee kommen, dass Touré aus Mauretanien stammt. Traditionelle Elemente sucht man hier vergeblich, einzig die Sprachen, in denen Touré singt (u.a. Wolof), verbreiten ein Flair des Unbekannten. Hinzu kommt, dass Touré dieses Album nahezu im Alleingang eingespielt hat. Er hat alle Songs geschrieben, sämtliche Instrumente eingespielt und auch gleich noch die Produktion übernommen. Herausgekommen ist ein Album, das einem die Sprache verschlägt, denn es stimmt hier schlicht und ergreifend alles. Ein Dutzend feinster Songs auf höchstem Niveau umgesetzt, da stört es dann auch nicht weiter, dass die traditionellen Elemente fehlen und Touré auf einen internationalen und doch auch sehr eigenen Sound setzt, bestehend aus Gitarre, Bass, Schlagzeug und ein paar Percussion. Hinzu kommt noch der Gesang, der ebenfalls nicht von dieser Welt zu sein scheint, eine Stimme, die einen direkt ins Herz trifft. Tourés Texte bestehen aus den unterschiedlichen Sprachen seiner Kindheit und Jugend wie Wolof, Soninké und Pulaar und werden hier und da auch schon mal mit englischen Zeilen versehen, was auch seinen Anspruch, die eigene Kultur mit der europäischen zu vermischen verdeutlicht. Touré selbst sieht sich selbst als Afropäer. Seine Songs sind durchweg sehr eingängig, verfügen aber dennoch über genügend Ecken und Kanten und gleich das erste Stück Kebaluso, das von der Einheit innerhalb eines Landes handelt, weißt den Weg für den Rest des Albums: eine Melodie, die einen nicht mehr loslässt, nur mit dem Nötigsten interpretiert. In Kiyé tauchen plötzlich spacige Effekte auf und wenn am Ende von Wasso doch noch dezent eine Talking Drum erklingt, ist die Heimat doch gar nicht mehr so weit. Einziger Kritikpunkt ist, dass sich das Real World Label bei der Gestaltung seiner Alben leider nicht so viel Mühe gibt, wie das die Konkurrenz zumindest teilweise tut. So fehlen z.B. die englischen Übersetzungen der Texte, die lediglich im Original abgedruckt sind. Leider ist mein Wolof nicht so gut, als dass ich irgend etwas verstehen könnte.
Stereo Spirit ist eines jener Alben, die beim ersten Hören vielleicht noch etwas unscheinbar wirken, die aber mit jedem weiteren Hörduchgang mehr und mehr ihre ganze Strahlkraft offenbaren. Inkommensurabel!
(Real World Records / 2007)
Freitag, 29. August 2008
Rajery, Ballaké Sissoko, Driss El Maloumi - 3 Ma (Madagascar, Mali, Maroc)
Auf den ersten Blick scheint es sich hier um ein allzu konstruiertes Projekt zu handeln, doch der Schein trügt. In einem bislang einzigartigen Projekt gelingt es diesen 3 Musikern, die unterschiedlichn musikalischen Traditionen ihrer Heimatländer zu einer wunderbaren Einheit zu verschmelzen.
Germain Randrianrisoa alias Rajery verlor bereits im Alter von 11 Monaten seine rechte Hand. Im Alter von 14 Jahren beschloss er, trotz seines Handicaps das Spiel der Valiha zu erlernen. Die Valiha ist das traditionelle Saiteninstrumnet auf Madagaskar. Das mit einer Zither vergleichbare Instrument besteht aus einem rundherum mit Saiten bespannten Bambusrohr. Zunächst hatte es Rajery nicht leicht und wurde wegen seines Handicaps auch verspottet. Aber er biss sich durch und entwickelte sich zu einem der besten Valiha Spielern des Landes. Er gründete die Band Akombaliha, die einem Valiha-Orchester gleichkam, spielte aber auch in kleineren Besetzungen und vermischte traditionelle Musik mit Jazz. Unter dem Namen Rajery veröffentlichte er bislang 4 Alben, zuletzt im Jahr 2007 Sofera auf dem französischen Label Marabi.
Ballaké Sissoko, geboren in einer Griot Dynastie in Mali, zählt neben Toumani Diabaté, mit dem er das Album New Ancient Strings eingespielt hat, zu den weltbesten Koraspielern. Er spielte mit dem in Mali angesehenen Ensemble Instrumental du Mali, begleitete viele einheimische Sängerinenn und arbeitete u.a. mit Taj Mahal.
Der Marokkaner Driss El Maloumi wurde 1970 in Agadir geboren. Es studierte arabische Literatur und besuchte die Staatliche Musikschule in Rabat. Sein Oudspiel ist nicht nur von westlichen und östlichen Einflüssen geprägt, sondern auch von den Berbern.
"Warum spielte der Oud noch nie mit der Kora zusammen, und die Valiha nie mit dem Oud? Ein Dialog zwischen unseren Kulturen ist nicht nur möglich, er wird uns auch alle bereichern. Unsere traditionellen Instrumente sind ein Symbol dafür, dass wir uns im Geiste vereinen können.", so die 3 Protagonisten über ihr gemeinsames Projekt. Was in einem Proberaum in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, begann, entwickelte sich zu einer vorzüglichen Kombination unterschiedlichster Traditionen, die zumindest musikalisch gar nicht so fremd zu sein scheinen. Tatsächlich passen die 3 Instrumente perfekt zueinenader, sowohl im Zusammenspiel als auch in den solistischen Einlagen. Es geht um die Weiterentwicklung der jeweils eigenen Tradition, anhand der Verschmelzung mit anderen Traditionen. Das wird schon beim ersten Stück Anfass deutlich, das klingt, als würden die Musiker schon ewig miteinander spielen. Ballakes kristallklare Koraklänge treffen auf die klagenden Laute der Oud El Maloumis und den luftigen Klängen Rajerys Valiha. 3 Ma ist über weite Strecken ien Instrumentalalbum, nur bei einem Stück wird auch gesungen. Beim knapp 9 Minuten langen gleichermaßen majestätisch wie tranceartigen Wüstenblues Awal teilen sich die 3 Protagonisten nicht nur die Soli sondern auch den Gesang, so dass jeder eine Strophe singt. Das Titelstück dagegen ist fast schon Rock'n'Roll an dessen Ende Sissoko auf der Kalabasse seiner Kora den Rhythmus trommelt, während die anderen beite ihre Instrumente nur noch kurz anzupfen, grandios! Im darauffolgenden Kouroukanfouga kommt dagegen die melancholische Seite des Trios zum tragen, und man merkt, wie nahezu perfekt es ihnen doch gelingt, verschiedene Stimmungen einzufangen und musikalisch wiederzugeben. Jeder der Muisiker hat auf diesem Album auch ein Solostück, von denen mir vor allem El Maloumis Rania besonders gefällt, ein Stück, dass er seiner Tochter gewidmet hat. Ganz am Ende des Albums gibt es noch einen unbetitelten live aufgenommen Song, bei dem man noch einmal die ganze Spielfreude dieses Trios zu hören bekommt und wenn sie hier mit ihren Stimmen allerlei Unsinn anstellen, dann merkt man, dass hier auch der Spaß an der Sache nicht zu kurz gekommen ist. Ein gelungener Abschluss eines grandiosen Albums.
(Contre Jour / 2008)
Germain Randrianrisoa alias Rajery verlor bereits im Alter von 11 Monaten seine rechte Hand. Im Alter von 14 Jahren beschloss er, trotz seines Handicaps das Spiel der Valiha zu erlernen. Die Valiha ist das traditionelle Saiteninstrumnet auf Madagaskar. Das mit einer Zither vergleichbare Instrument besteht aus einem rundherum mit Saiten bespannten Bambusrohr. Zunächst hatte es Rajery nicht leicht und wurde wegen seines Handicaps auch verspottet. Aber er biss sich durch und entwickelte sich zu einem der besten Valiha Spielern des Landes. Er gründete die Band Akombaliha, die einem Valiha-Orchester gleichkam, spielte aber auch in kleineren Besetzungen und vermischte traditionelle Musik mit Jazz. Unter dem Namen Rajery veröffentlichte er bislang 4 Alben, zuletzt im Jahr 2007 Sofera auf dem französischen Label Marabi.
Ballaké Sissoko, geboren in einer Griot Dynastie in Mali, zählt neben Toumani Diabaté, mit dem er das Album New Ancient Strings eingespielt hat, zu den weltbesten Koraspielern. Er spielte mit dem in Mali angesehenen Ensemble Instrumental du Mali, begleitete viele einheimische Sängerinenn und arbeitete u.a. mit Taj Mahal.
Der Marokkaner Driss El Maloumi wurde 1970 in Agadir geboren. Es studierte arabische Literatur und besuchte die Staatliche Musikschule in Rabat. Sein Oudspiel ist nicht nur von westlichen und östlichen Einflüssen geprägt, sondern auch von den Berbern.
"Warum spielte der Oud noch nie mit der Kora zusammen, und die Valiha nie mit dem Oud? Ein Dialog zwischen unseren Kulturen ist nicht nur möglich, er wird uns auch alle bereichern. Unsere traditionellen Instrumente sind ein Symbol dafür, dass wir uns im Geiste vereinen können.", so die 3 Protagonisten über ihr gemeinsames Projekt. Was in einem Proberaum in Antananarivo, der Hauptstadt Madagaskars, begann, entwickelte sich zu einer vorzüglichen Kombination unterschiedlichster Traditionen, die zumindest musikalisch gar nicht so fremd zu sein scheinen. Tatsächlich passen die 3 Instrumente perfekt zueinenader, sowohl im Zusammenspiel als auch in den solistischen Einlagen. Es geht um die Weiterentwicklung der jeweils eigenen Tradition, anhand der Verschmelzung mit anderen Traditionen. Das wird schon beim ersten Stück Anfass deutlich, das klingt, als würden die Musiker schon ewig miteinander spielen. Ballakes kristallklare Koraklänge treffen auf die klagenden Laute der Oud El Maloumis und den luftigen Klängen Rajerys Valiha. 3 Ma ist über weite Strecken ien Instrumentalalbum, nur bei einem Stück wird auch gesungen. Beim knapp 9 Minuten langen gleichermaßen majestätisch wie tranceartigen Wüstenblues Awal teilen sich die 3 Protagonisten nicht nur die Soli sondern auch den Gesang, so dass jeder eine Strophe singt. Das Titelstück dagegen ist fast schon Rock'n'Roll an dessen Ende Sissoko auf der Kalabasse seiner Kora den Rhythmus trommelt, während die anderen beite ihre Instrumente nur noch kurz anzupfen, grandios! Im darauffolgenden Kouroukanfouga kommt dagegen die melancholische Seite des Trios zum tragen, und man merkt, wie nahezu perfekt es ihnen doch gelingt, verschiedene Stimmungen einzufangen und musikalisch wiederzugeben. Jeder der Muisiker hat auf diesem Album auch ein Solostück, von denen mir vor allem El Maloumis Rania besonders gefällt, ein Stück, dass er seiner Tochter gewidmet hat. Ganz am Ende des Albums gibt es noch einen unbetitelten live aufgenommen Song, bei dem man noch einmal die ganze Spielfreude dieses Trios zu hören bekommt und wenn sie hier mit ihren Stimmen allerlei Unsinn anstellen, dann merkt man, dass hier auch der Spaß an der Sache nicht zu kurz gekommen ist. Ein gelungener Abschluss eines grandiosen Albums.
(Contre Jour / 2008)
Donnerstag, 7. August 2008
Les Tambours De Brazza - "Brazza"
Ein weiteres Highlight des kleinen französischen Labels Marabi ist diese Werkschau des wohl bekanntesten Tommelensembles aus Afrika. Drummer und Songwriter Emile Biayenda gründet die Band, die zunächst nur aus Trommlern besteht, im Jahr 1991. Von Anfang an ist die Vermischung von Tradition und Moderne die Grundlage dieser Band, die im Lauf der Jahre weitere Instrumente wie Gitarre, Bass oder Keyboard in das Bandgefüge integriert. Die Trommeln stehen jedoch bis heute im Vordergrund und der dadurch entstehende einzigartige Klang ist nicht zuletzt auch darauf zurückzuführen, das von Anfang an ein modernes Schlagzeug, gespielt von Bandleader Biayenda, mit den traditionellen Ngoma Trommeln kombiniert wurde. Dadurch entstehen moderne Varianten der Rhythmen verschiedener kongolesischer Bevölkerungsgruppen.
"Brazza", übrigens die Kurzform der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville, ist ein CD/DVD Package, das neben Studioaufnahmen auch ausgewählte Liveaufnahmen aller Phasen der Band präsentiert. Auf der CD befinden sich 14 ausgewählte Stücke der Alben Ahaando, Zangoula und Tandala, lediglich das Debüt Congo Drums wurde ausgespart. Die 14 Stücke wurden zwar nicht chronologisch angeordnet, aber man kann dennoch die Entwicklung der Band sehr gut nachvollziehen. So bestehen die Ahhando Tracks noch ausschließlich aus Trommeln und Gesang. Besonders erwähnenswert ist hier das Stück Nostalgie, das beweist, dass ein Song auch nur mit Trommelbegleitung funktionieren kann. Die Stücke des Livealbums Zangoula gehen einen Schritt weiter und integrieren zumeist Bass (hier gespielt von Manou Gallo) oder Gitarre in das Bandgefüge. Vor allem der Bass wirkt hier wie eine Art Klebstoff, der die Trommeln noch dichter zu einer Einheit verschmelzt. Auch gesangstechnisch bleibt die Moderne nicht außen vor, so wird das Stück Ahaando um einen Rap erweitert. Die Stücke des bislang letzten Albums Tandala machen einen weiteren Schritt in die Moderne und präsentieren erstmals auch Keyboards. Dadurch erhält so manches Stück einen durchaus poppigen Charakter wie z.B. Sango (les news), und das, obwohl die Trommeln nach wie vor dominieren, während sich alle anderen Instrumente dezent im Hintergrund halten.
Die DVD beinhaltet drei Livemittschnitte, anhand derer man die Entwicklung der Band nun auch bildlich nachvollziehen kann. Der Auftritt in Windhoek aus dem Jahr 1997 zeigt noch das ursprüngliche Trommelensemble, während im Maison de la Culture im belgischen Arlon im Jahr 2000 der Bass eine nicht zu vernachlässigende Position einnimmt. Ein Mitschnitt aus Nancy aus dem Jahr 2002 zeigt schließlich die aktuelle Besetzung. Als Bonus bietet die DVD einen 30 minütigen Trommel-Workshop, eine 40 minütige Jam Session sowie ein kurzes Interview mit Emile Biayenda. Leider hat man sich jedoch nicht die Mühe gemacht, Untertitel bereitzustellen. so dass man schon des Französischen mächtig sein muss, um die Musiker zu verstehen. Auch während der Konzerte eingeblendete Erläuterungen gibt es nur in französischer Sprache. Klang und Bild reichen von amateurhaft (Windhoek) bis professionell (Nancy), wobei man sich auch bei den Schnitten keine große Mühe gegeben hat, was den Fluss vor allem beim Nancy Auftritt etwas stört.
Wenn man mal von der Kleinigkeiten absieht, die es bei der DVD zu kritisieren gibt, handelt es sich bei "Brazza" um eine hervorrragende Retrospektive. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft auch neues Material dieser aufregenden Gruppe geben wird.
(Marabi / 2007)
"Brazza", übrigens die Kurzform der kongolesischen Hauptstadt Brazzaville, ist ein CD/DVD Package, das neben Studioaufnahmen auch ausgewählte Liveaufnahmen aller Phasen der Band präsentiert. Auf der CD befinden sich 14 ausgewählte Stücke der Alben Ahaando, Zangoula und Tandala, lediglich das Debüt Congo Drums wurde ausgespart. Die 14 Stücke wurden zwar nicht chronologisch angeordnet, aber man kann dennoch die Entwicklung der Band sehr gut nachvollziehen. So bestehen die Ahhando Tracks noch ausschließlich aus Trommeln und Gesang. Besonders erwähnenswert ist hier das Stück Nostalgie, das beweist, dass ein Song auch nur mit Trommelbegleitung funktionieren kann. Die Stücke des Livealbums Zangoula gehen einen Schritt weiter und integrieren zumeist Bass (hier gespielt von Manou Gallo) oder Gitarre in das Bandgefüge. Vor allem der Bass wirkt hier wie eine Art Klebstoff, der die Trommeln noch dichter zu einer Einheit verschmelzt. Auch gesangstechnisch bleibt die Moderne nicht außen vor, so wird das Stück Ahaando um einen Rap erweitert. Die Stücke des bislang letzten Albums Tandala machen einen weiteren Schritt in die Moderne und präsentieren erstmals auch Keyboards. Dadurch erhält so manches Stück einen durchaus poppigen Charakter wie z.B. Sango (les news), und das, obwohl die Trommeln nach wie vor dominieren, während sich alle anderen Instrumente dezent im Hintergrund halten.
Die DVD beinhaltet drei Livemittschnitte, anhand derer man die Entwicklung der Band nun auch bildlich nachvollziehen kann. Der Auftritt in Windhoek aus dem Jahr 1997 zeigt noch das ursprüngliche Trommelensemble, während im Maison de la Culture im belgischen Arlon im Jahr 2000 der Bass eine nicht zu vernachlässigende Position einnimmt. Ein Mitschnitt aus Nancy aus dem Jahr 2002 zeigt schließlich die aktuelle Besetzung. Als Bonus bietet die DVD einen 30 minütigen Trommel-Workshop, eine 40 minütige Jam Session sowie ein kurzes Interview mit Emile Biayenda. Leider hat man sich jedoch nicht die Mühe gemacht, Untertitel bereitzustellen. so dass man schon des Französischen mächtig sein muss, um die Musiker zu verstehen. Auch während der Konzerte eingeblendete Erläuterungen gibt es nur in französischer Sprache. Klang und Bild reichen von amateurhaft (Windhoek) bis professionell (Nancy), wobei man sich auch bei den Schnitten keine große Mühe gegeben hat, was den Fluss vor allem beim Nancy Auftritt etwas stört.
Wenn man mal von der Kleinigkeiten absieht, die es bei der DVD zu kritisieren gibt, handelt es sich bei "Brazza" um eine hervorrragende Retrospektive. Bleibt zu hoffen, dass es in naher Zukunft auch neues Material dieser aufregenden Gruppe geben wird.
(Marabi / 2007)
Montag, 28. Juli 2008
Sir Victor Uwaifo - Guitar-Boy Superstar 1970-76
Phänomenal! Sensationell! Inkommensurabel! Im Hause Soundway hat man wieder einmal seine Hausaufgaben gemacht, die Superlative gehen so langsam aus. Man kann Miles Cleret für seine Arbeit gar nicht oft genug loben. Auch dieser Sampler, der sich mit dem Werk der Jahre 1970-1976 des bei uns kaum bekannten nigerianischen Superstars Sir Victor Uwaifo beschäftigt, ist wieder eine höchst feine Angelegenheit geworden und der einzige Kritikpunkt ist die Tatsache, dass von den ca. 50 Stücken, die in diesem Zeitraum aufgenommen wurden, sich hier "nur" 19 wiederfinden. Ansonsten beinhaltet dieses Album alles, was man von einer guten Kompilation erwarten kann: eine ausgezeichnete klangliche Aufbereitung, informative Linernotes von Miles Cleret sowie "Song für Song" Erläuterungen von Uwaifo selbst. Den hat Cleret eigens für die Zusammenstellung dieses Samplers in Benin City im Bundesstaat Edo besucht. Benin City hat übrigens nichts mit dem heutigen Staat Benin zu tun, sondern bezieht sich auf das ursprüngliche Königreich Benin, dessen Sitz die Stadt war.
Der 1941 in Benin City geborene Victor Uwaifo wurde von seinem Vater schon früh dazu ermutigt, Musik zu machen. Bei Auftritten in Palmweinbars entschied er sich für die Gitarre, was zu jener Zeit aber nicht ganz unproblematisch war, da die Gitarre in der Gesellschaft keinen guten Ruf hatte. Bis sich Uwaifo eine eigene Gitarre leisten konnte, baute er sich seine Instrumente selbst. Als er mit 16 Jahren auf eine Schule in Lagos wechselte, traf er auf Victor Olaiya, dem "Evil Genius of Highlife" und wurde Mitglied in dessen Allstars Band. Seine erste eigene Band The Pickups gründete er 1963. Im selben Jahr begann er mit Aufnahmen für die Jofabros Recording Company. Nur zwei Jahre später gründete er die Melody Maestros, welche auch die erste Phase seiner musikalischen Karriere prägen sollte. Mit dieser Band spielte er seine ganz eigene Form des Highlife, welche er Akwete nannte. Der größte Hit in dieser Phase war das Stück Joromi, vermutlich bis heute die erfolgreichste Single aller Zeiten in Nigeria und die erste in Afrika mit Gold ausgezeichnete Platte für das Philips Label. Nach Tourneen durch die USA, Europa und Japan kehrte Uwaifo Anfang der 70er Jahre nach Benin City zurück. Seine Melody Maestros hatten sich zu einer eingespielten 12-köpfigen Band entwickelt und Victor wollte eine neue musikalische Richtung einschlagen. Er experimentierte mit den Rhythmen der Krönungstänze für die Benin Obas (Könige), die Ekassa genannt wurden. Gleich die ersten Single dieser "neuen" Musikrichtung, Dododo, war ein derartiger Hit, das rasch das Album Ekassa nachgeschoben wurde. Laut Uwaifo haben die Ekassa Rhythmen ihren Ursprung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und die dazugehörigen Tänze wurden nur zur Krönung von Königen aufgeführt. Uwaifo war der erste, der Ekassa aus seinem starren Korsett herauslöste, mit Highlife kombinierte und dadurch eine völlig neue Musikrichtung schuf. Mit dem (Gitarren-) Highlife der 60er Jahre hat diese Musik in der Tat gar nicht so viel zu tun, was sicher auch an Uwaifos Gitarrenspiel liegt. Die bisweilen harten Anschläge erinnern manchmal tatsächlich mehr an eine Rhythm'n'Blues Variante und hier und da hat die Musik auch einen psychedelischen Einschlag. Die Texte griffen dagegen mehr folkloristische Themen auf und waren völlig unpolitisch.
Die Ekassa Phase dauerte etwa von 1971 bis 1975 und in dieser Zeit brachte Uwaifo 4 Alben und eine ganze Reihe von Singles heraus. Die vorliegende Kompilation beschränkt sich nicht ausschließlich auf diese Phase sondern beinhaltet auch Stücke, die unmittelbar davor oder danach entstanden sind, darunter das einzige hier in englischer Sprache gesungene und ungemein eingängige Stück Happy day from me to you, eine rare Single B-Seite.
Laut Miles Cleret ist das Ende der Fahnenstange bezüglich nigerianischer Musik noch lange nicht erreicht. Man darf also gespannt sein, welche Schätze in Zukunft noch veröffentlicht werden.
(Soundway / 2008)
Der 1941 in Benin City geborene Victor Uwaifo wurde von seinem Vater schon früh dazu ermutigt, Musik zu machen. Bei Auftritten in Palmweinbars entschied er sich für die Gitarre, was zu jener Zeit aber nicht ganz unproblematisch war, da die Gitarre in der Gesellschaft keinen guten Ruf hatte. Bis sich Uwaifo eine eigene Gitarre leisten konnte, baute er sich seine Instrumente selbst. Als er mit 16 Jahren auf eine Schule in Lagos wechselte, traf er auf Victor Olaiya, dem "Evil Genius of Highlife" und wurde Mitglied in dessen Allstars Band. Seine erste eigene Band The Pickups gründete er 1963. Im selben Jahr begann er mit Aufnahmen für die Jofabros Recording Company. Nur zwei Jahre später gründete er die Melody Maestros, welche auch die erste Phase seiner musikalischen Karriere prägen sollte. Mit dieser Band spielte er seine ganz eigene Form des Highlife, welche er Akwete nannte. Der größte Hit in dieser Phase war das Stück Joromi, vermutlich bis heute die erfolgreichste Single aller Zeiten in Nigeria und die erste in Afrika mit Gold ausgezeichnete Platte für das Philips Label. Nach Tourneen durch die USA, Europa und Japan kehrte Uwaifo Anfang der 70er Jahre nach Benin City zurück. Seine Melody Maestros hatten sich zu einer eingespielten 12-köpfigen Band entwickelt und Victor wollte eine neue musikalische Richtung einschlagen. Er experimentierte mit den Rhythmen der Krönungstänze für die Benin Obas (Könige), die Ekassa genannt wurden. Gleich die ersten Single dieser "neuen" Musikrichtung, Dododo, war ein derartiger Hit, das rasch das Album Ekassa nachgeschoben wurde. Laut Uwaifo haben die Ekassa Rhythmen ihren Ursprung in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und die dazugehörigen Tänze wurden nur zur Krönung von Königen aufgeführt. Uwaifo war der erste, der Ekassa aus seinem starren Korsett herauslöste, mit Highlife kombinierte und dadurch eine völlig neue Musikrichtung schuf. Mit dem (Gitarren-) Highlife der 60er Jahre hat diese Musik in der Tat gar nicht so viel zu tun, was sicher auch an Uwaifos Gitarrenspiel liegt. Die bisweilen harten Anschläge erinnern manchmal tatsächlich mehr an eine Rhythm'n'Blues Variante und hier und da hat die Musik auch einen psychedelischen Einschlag. Die Texte griffen dagegen mehr folkloristische Themen auf und waren völlig unpolitisch.
Die Ekassa Phase dauerte etwa von 1971 bis 1975 und in dieser Zeit brachte Uwaifo 4 Alben und eine ganze Reihe von Singles heraus. Die vorliegende Kompilation beschränkt sich nicht ausschließlich auf diese Phase sondern beinhaltet auch Stücke, die unmittelbar davor oder danach entstanden sind, darunter das einzige hier in englischer Sprache gesungene und ungemein eingängige Stück Happy day from me to you, eine rare Single B-Seite.
Laut Miles Cleret ist das Ende der Fahnenstange bezüglich nigerianischer Musik noch lange nicht erreicht. Man darf also gespannt sein, welche Schätze in Zukunft noch veröffentlicht werden.
(Soundway / 2008)
Samstag, 26. Juli 2008
Various: Highlife Time - Nigerian & Ghanaian Sounds from the 60s and early 70s
Die Messlatte im Bereich der Afrosampler liegt sehr hoch. Verantwortlich dafür sind nicht zuletzt die Labels Analog Africa, Strut und vor allem Soundway mit seinen Nigeria Specials. Auch VampiSoul hatte bereits im letzten Jahr mit Retrospekitven von Orlando Julius und Tony Allen für Aufsehen gesorgt und setzt nun zu einer zweiten Runde an. Dabei wirkt Highlife Time aber leider mehr wie ein hastig nachgeschobener Sampler um den Anschluss an die Konkurrenz nicht zu verlieren. Und genau darin liegt das Problem, mehr Sorgfalt an einigen Stellen wäre hier angebracht gewesen. Das beginnt damit, dass bei der Erstauflage im Booklet und auf dem Cover ein Stück mehr angegeben ist. Track 5 auf CD 1, Dr. Victor Olaiyas Omopupa ist nicht auf der CD enthalten. Doch damit leider nicht genug, die beiden Rex Lawson Stücke Yellow Sisi und Pay me my money now sind sowohl im Booklet als auch auf dem Cover vertauscht. Solche Schlampereien sind einfach ärgerlich und auch die Klangqualität ist über weite Strecken nicht zufriedenstellend, so ist der Sound bei Rex Lawsons Numfinye derart schlecht, dass es kaum noch Freude bereitet, sich das Stück anzuhören. Ebenfalls störend ist die unterschiedliche Klangqualität der einzelnen Stücke, deren Aufnahmen zum Teil auch noch unterschiedlich laut sind.
Kommen wir zum Positiven. Was die Songauswahl angeht, so handelt es sich bei Highlife Time um ein ähnliches Schatzkästchen wie es auch die Sampler der Konkurrenz sind. Gleich am Anfang steht Trumpet Highlife, eine Gemeinschaftsarbeit von Dr. Victor Olaiya, dem "Evil Genius of Highlife" und E.T. Mensah, dem "King of Highlife", der den harten Bläsern mit einem lässigen Saxofon entgegentritt. Opotopo integrieren in ihrem Stück Belama kongolesische Rumbaklänge mit traumhaften Gitarrenpassagen und Stan Plange and the Uhuru Dance Band machen aus Hugh Masekelas Grazing in the grass eine waschechte Highlife Nummer. Am Ende des ersten Teils steht Chief Stephen Osita Osadebes Makojo, ein Stück das tatsächlich aus dem Jahr 1985 stammt, jedoch in einem Retro 60s Sound produziert wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass das Stück nicht besonders gut klingt sondern etwas kraftlos vor sich hineiert. Es ist kaum vorstellbar, dass man das nicht hätte besser aufbereiten können.
Der zweite Teil beginnt mit Sir Victor Uwaifos Joromi, das in Nigeria ein Hit war und hier mit eines der besten Stücke ist. Auch Ikoro Special von Dan Satch and his Atomic 8 könnte ein Highlight sein, würde es nicht so dumpf klingen. Da sich das Stück mehr am Afrobeat orientiert, wirkt es auf diesem Sampler allerdings auch einigermaßen Fehl am Platz. Das gilt auch für Etuk Owo, ein weiteres Stück der Band Opotopo, die sich hier vom Highlife entfernt und eine Art psychedelischen Afrorock präsentiert. Weitere Highlights sind die Songs von Rex Lawson and His Rivers Men, die hier gleich 5 mal vertreten sind. Oko kombiniert beispielsweise Highlife mit Latin- und Calypsoelementen. Ganz am Ende dann noch ein Ausblick auf das, was VampiSoul anscheinend plant. Okina von Akama Man ist ein weiteres Stück aus den 80er Jahren und präsentiert Highlife im damals weit verbreiteten Paris/Abidjan Sound, was man vor allem an den Synthesizern heraushören kann.
Bleibt zum Abschluss die Frage, ob dieser Sampler nun empfehlenswert ist. In Anbetracht der Tatsache, dass hier hauptsächlich Raritäten verwendet wurden, muss diese Frage trotz aller Kritik mit "Ja" beantwortet werden. Bleibt zu hoffen, dass VampiSoul bei den anstehenden Veröffentlichungen mehr Sorgfalt walten lässt.
(VampiSoul / 2009)
Kommen wir zum Positiven. Was die Songauswahl angeht, so handelt es sich bei Highlife Time um ein ähnliches Schatzkästchen wie es auch die Sampler der Konkurrenz sind. Gleich am Anfang steht Trumpet Highlife, eine Gemeinschaftsarbeit von Dr. Victor Olaiya, dem "Evil Genius of Highlife" und E.T. Mensah, dem "King of Highlife", der den harten Bläsern mit einem lässigen Saxofon entgegentritt. Opotopo integrieren in ihrem Stück Belama kongolesische Rumbaklänge mit traumhaften Gitarrenpassagen und Stan Plange and the Uhuru Dance Band machen aus Hugh Masekelas Grazing in the grass eine waschechte Highlife Nummer. Am Ende des ersten Teils steht Chief Stephen Osita Osadebes Makojo, ein Stück das tatsächlich aus dem Jahr 1985 stammt, jedoch in einem Retro 60s Sound produziert wurde. Umso erstaunlicher ist es, dass das Stück nicht besonders gut klingt sondern etwas kraftlos vor sich hineiert. Es ist kaum vorstellbar, dass man das nicht hätte besser aufbereiten können.
Der zweite Teil beginnt mit Sir Victor Uwaifos Joromi, das in Nigeria ein Hit war und hier mit eines der besten Stücke ist. Auch Ikoro Special von Dan Satch and his Atomic 8 könnte ein Highlight sein, würde es nicht so dumpf klingen. Da sich das Stück mehr am Afrobeat orientiert, wirkt es auf diesem Sampler allerdings auch einigermaßen Fehl am Platz. Das gilt auch für Etuk Owo, ein weiteres Stück der Band Opotopo, die sich hier vom Highlife entfernt und eine Art psychedelischen Afrorock präsentiert. Weitere Highlights sind die Songs von Rex Lawson and His Rivers Men, die hier gleich 5 mal vertreten sind. Oko kombiniert beispielsweise Highlife mit Latin- und Calypsoelementen. Ganz am Ende dann noch ein Ausblick auf das, was VampiSoul anscheinend plant. Okina von Akama Man ist ein weiteres Stück aus den 80er Jahren und präsentiert Highlife im damals weit verbreiteten Paris/Abidjan Sound, was man vor allem an den Synthesizern heraushören kann.
Bleibt zum Abschluss die Frage, ob dieser Sampler nun empfehlenswert ist. In Anbetracht der Tatsache, dass hier hauptsächlich Raritäten verwendet wurden, muss diese Frage trotz aller Kritik mit "Ja" beantwortet werden. Bleibt zu hoffen, dass VampiSoul bei den anstehenden Veröffentlichungen mehr Sorgfalt walten lässt.
(VampiSoul / 2009)
Montag, 21. Juli 2008
Portrait: Habib Koité
Habib Koité entstammt dem Adelsgeschlecht der Khassonké Griots. Seine Leidenschaft für Musik erbte er von seinem Großvater väterlicherseits, der die Kamale N'Goni, eine traditionelle viersaitige Laute, gespielt von Jägern im Gebiet der Wassolou, spielte. Koité entschied sich jedoch für die Gitarre und entwickelte eine einzigartige Spielweise, um seine Mutter, eine bekannte Griotte, zu begleiten. Gitarrenspiel und Gesang erlernte er nach eigener Aussage autodidaktisch, Unterricht hat er nie erhalten.
Ursprünglich sollte Koité den Beruf eine Ingenieurs erlernen, aber auf Drängen seines Onkels, der sein musiklisches Talent erkannte, bewarb er sich beim National Institute of Arts (INA) in Bamako. Nach nur sechs Monaten wurde er 1978 zum Leiter der Schulband INA Star ernannt. Insgesamt 4 Jahre studierte er Musik und schloss das Studium 1982 mit Bestnoten ab. In der Tat war sein Talent so groß, dass das INA ihn als Gitarrenlehrer einstellte. Schon während des Studiums hatte er die Möglichkeit, mit anerkannten Musikern aus Mali zu spielen, darunter namhafte Künstler wie Kélétigui Diabaté oder Toumani Diabaté. Ersterer ist mittlerweile schon seit einigen Jahren Vollzeitmitglied seiner Band.
1988 gründete er seine bis heute bestehende Band Bamada (ein Spitzname für die Einwohner Bamakos, der frei übersetzt etwa "im Maul des Krokodils" bedeutet), bestehend aus jungen malischen Musikern, mit denen er schon seit seiner Kindheit befreundet war. 1991 gewann er den ersten Preis beim Voxpole Festival im französichen Perpignan, der ihm genügend Geld einbrachte, um 2 seiner Songs aufzunehmen und zu veröffentlichen. Einer davon war Cigarette A Bana, welcher ein Hit in Westafrika war. Das Stück ist übrigens ein Antirauchlied, das die Geschichte von einem Jungen erzählt, der sich nichts aus Zigaretten macht, sich aber schließlich doch von seinen Freunden überzeugen lässt, eine zu rauchen, wovon ihm jedoch schlecht wird und er daraufhin schwört, nie wieder zu rauchen. Nach der Veröffentlichung einer weiteren erfolgreichen Single mit dem Titel Nanalé gewann er den angesehenen Radio France International (RFI) Discoveries Preis, der es ihm ermöglichte, mit seiner Gruppe eine erste Tour außerhalb Afrikas zu unternehmen.
Im Januar 1995 reiste Koité zu seinem Manager Michel de Bock nach Belgien und nahm sein erstes Album Muso Ko auf, welches auch gleichzeitig das erste für das damals neu gegründete Label Contre Jour war. Auf dem Album waren auch die beiden zuvor veröffentlichten Singles enthalten. Muso Ko klingt im Gegensatz zu späteren Veröffentlichungen hier und da noch ein bisschen ungestüm, zeigte aber schon alle Qualitäten, die Koité bis heute auszeichnen. Vergleichsweise noch wenig traditionel empfiehlt er sich bereits hier als ausgezeichneter Songwriter. Das Album erreichte in den europäische Weltmusikcharts Platz 3 und Habib Koité wurde zu einer festen Größe im europäischen Festivalzirkus und seine energiegeladenen Shows wurden weltbekannt.
Weitaus subtiler als noch auf dem Debüt ging es auf dem 1998 veröffentlichten 2. Album Ma Ya zu, welches eine introspektivere Seite Koités offenbarte. Mit Foro Banna findet sich hier auch ein Blues, bis heute einmalig in Koités Discographie. Ebenso einmalig ist die Tatsache, dass ein Stück (Kumbin) auf Englisch gesungen wird. Für gewöhnlich singt Koité seine Lieder auf Bamara, der meistgesprochenen Sprache in Mali.
Sowohl die kritischen als auch die kommerziellen Reaktionen auf Ma Ya in den USA waren überwältigend, was zur Folge hatte, dass Habib Koité Thema in vielen Zeitungen und Magazinen wie New York Times oder Rolling Stone war. Auch im Radio und Fernsehen wurde er nun des öfteren gespielt. Prominente Fans wie Jackson Browne oder Bonnie Raitt besuchten ihn in Mali, um mit ihm zu arbeiten.
Das dritte Album Baro machte 2001 da weiter, wo Ma Ya zuvor aufgehört hatte und präsentierte erstmals Kélétigui Diabaté an Balafon (ein westafrikanisches, hölzernes Xylophon) und Violine. Diabaté, der in den 60er Jahren schon mit Lionel Hampton gearbeitet hatte, wurde zum festen Bestandteil in Koités Band Bamada. Auf Baro wurde das musikalische Spektrum um kubanische und Latinoelemente erweitert, was vor allem in Batoumanbe und einer neuen Einspielung von Cigarette A Bana zu hören ist. Aber auch sonst kombiniert Baro auf das Vorzüglichste malische Traditionen mit westlichen Einflüssen.
Nach einer ausgedehnten Welttour erscheint 2003 das Livealbum Fôly! Live around the World, welches in 150 Minuten 18 Songs aus den 3 vorangegangenen Alben präsentiert. Die Aufnahmen stammen aus verschiedenen Konzerten in Europa, wurden aber so zusammengesetzt, dass sie wie ein einzelnes Konzert wirken. In z.T. veränderten Arrangements werden die teilweise deutlich längeren Stücke hier um episch atmosphärische Elemente erweitert. Fôly! zeigt, dass Koité und Band auch brillante Livemusiker sind und ist somit alles andere als ein Best Of Album mit dazwischen gemischtem Publikum.
Auch in den folgenden Jahren touren Habib Koite & Bamada unermüdlich durch die ganze Welt mit Auftritten in Australien, Japan, Brasilien, Marroko, Südafrika, Russland, USA, Mexiko und beinahe jedem Land in Europa. Unter dem Eindruck neuer Erfahrungen und Perspektiven versteht es Koité in Hotelzimmern und Tourbussen neue Songs zu schreiben. Erste Proben zum neuen Album finden ein einem kleinen Dorf in Südbelgien statt, wo sich der Sitz seiner langjährigen Plattenfirma Contre Jour befindet. Mit den Aufnahmen begann man jedoch im vertrauten Yeleen Studio in Bamako. Weitere Aufnahmen fanden wiederum bei Contre Jour statt, während das Album in Vermont schließlich fertiggestellt wurde. Und obwohl das im Herbst 2007 veröffentlichte Afriki auf 3 Kontinenten aufgenommen wurde richtet Habib Koité den Fokus mehr den je auf seine Wurzeln und seine Heimat ohne dabei den panmalischen Ansatz in seiner Musik aufzugeben. Das Album unterscheidet sich tatsächlich nur marginal von seinem Vorgänger, zeigt aber, dass Koité sein Songwriting weiter verfeinert hat. Neu auf Afriki sind Frauenchöre sowie der Einsatz von Bläsern auf 2 Stücken. Besonders erwähnenswert ist hier Nta Dima, bei dem Antilopenhörner zum Einsatz kommen und das bis dato sein traditonellstes Stück ist. Im Stück Africa wurden die Bläser dagegen von Pee Wee Ellis arrangiert.
Das zentrale Thema auf Afriki, welches das Bamara Wort für Afrika ist, ist die Stärke und Herausforderung Malis im Besonderen und Afrika im Allgemeinen. Koité richtet sich an eine junge Generation von Afrikanern, in der Hoffnung sie davon zu überzeugen die positiven Aspekte afrikanischen Lebens anzuerkennen und schätzen zu lernen. Nur weil ein Land arm ist, muss die Lebensqualität dort nicht zwangsläufig schlecht sein. Und obwohl Mali ein armes Land ist, hat es immer noch eine gute Lebensqualität, so Koité. Man kann rausgehen und lächeln und irgend jemand wird zurücklächeln. Die ausgedehnten Reisen durch die Welt haben die Liebe zu seiner Heimat nur noch verstärkt, und das hört man Afriki mit jeder Note an.
1995: Muso Ko (Contre Jour)
1998: Ma Ya (Contre Jour)
2001: Baro (Contre Jour)
2003: Fôly! Live around the World (Contre Jour)
2007: Afriki (Contre Jour)
Ursprünglich sollte Koité den Beruf eine Ingenieurs erlernen, aber auf Drängen seines Onkels, der sein musiklisches Talent erkannte, bewarb er sich beim National Institute of Arts (INA) in Bamako. Nach nur sechs Monaten wurde er 1978 zum Leiter der Schulband INA Star ernannt. Insgesamt 4 Jahre studierte er Musik und schloss das Studium 1982 mit Bestnoten ab. In der Tat war sein Talent so groß, dass das INA ihn als Gitarrenlehrer einstellte. Schon während des Studiums hatte er die Möglichkeit, mit anerkannten Musikern aus Mali zu spielen, darunter namhafte Künstler wie Kélétigui Diabaté oder Toumani Diabaté. Ersterer ist mittlerweile schon seit einigen Jahren Vollzeitmitglied seiner Band.
1988 gründete er seine bis heute bestehende Band Bamada (ein Spitzname für die Einwohner Bamakos, der frei übersetzt etwa "im Maul des Krokodils" bedeutet), bestehend aus jungen malischen Musikern, mit denen er schon seit seiner Kindheit befreundet war. 1991 gewann er den ersten Preis beim Voxpole Festival im französichen Perpignan, der ihm genügend Geld einbrachte, um 2 seiner Songs aufzunehmen und zu veröffentlichen. Einer davon war Cigarette A Bana, welcher ein Hit in Westafrika war. Das Stück ist übrigens ein Antirauchlied, das die Geschichte von einem Jungen erzählt, der sich nichts aus Zigaretten macht, sich aber schließlich doch von seinen Freunden überzeugen lässt, eine zu rauchen, wovon ihm jedoch schlecht wird und er daraufhin schwört, nie wieder zu rauchen. Nach der Veröffentlichung einer weiteren erfolgreichen Single mit dem Titel Nanalé gewann er den angesehenen Radio France International (RFI) Discoveries Preis, der es ihm ermöglichte, mit seiner Gruppe eine erste Tour außerhalb Afrikas zu unternehmen.
Im Januar 1995 reiste Koité zu seinem Manager Michel de Bock nach Belgien und nahm sein erstes Album Muso Ko auf, welches auch gleichzeitig das erste für das damals neu gegründete Label Contre Jour war. Auf dem Album waren auch die beiden zuvor veröffentlichten Singles enthalten. Muso Ko klingt im Gegensatz zu späteren Veröffentlichungen hier und da noch ein bisschen ungestüm, zeigte aber schon alle Qualitäten, die Koité bis heute auszeichnen. Vergleichsweise noch wenig traditionel empfiehlt er sich bereits hier als ausgezeichneter Songwriter. Das Album erreichte in den europäische Weltmusikcharts Platz 3 und Habib Koité wurde zu einer festen Größe im europäischen Festivalzirkus und seine energiegeladenen Shows wurden weltbekannt.Weitaus subtiler als noch auf dem Debüt ging es auf dem 1998 veröffentlichten 2. Album Ma Ya zu, welches eine introspektivere Seite Koités offenbarte. Mit Foro Banna findet sich hier auch ein Blues, bis heute einmalig in Koités Discographie. Ebenso einmalig ist die Tatsache, dass ein Stück (Kumbin) auf Englisch gesungen wird. Für gewöhnlich singt Koité seine Lieder auf Bamara, der meistgesprochenen Sprache in Mali.
Sowohl die kritischen als auch die kommerziellen Reaktionen auf Ma Ya in den USA waren überwältigend, was zur Folge hatte, dass Habib Koité Thema in vielen Zeitungen und Magazinen wie New York Times oder Rolling Stone war. Auch im Radio und Fernsehen wurde er nun des öfteren gespielt. Prominente Fans wie Jackson Browne oder Bonnie Raitt besuchten ihn in Mali, um mit ihm zu arbeiten.
Das dritte Album Baro machte 2001 da weiter, wo Ma Ya zuvor aufgehört hatte und präsentierte erstmals Kélétigui Diabaté an Balafon (ein westafrikanisches, hölzernes Xylophon) und Violine. Diabaté, der in den 60er Jahren schon mit Lionel Hampton gearbeitet hatte, wurde zum festen Bestandteil in Koités Band Bamada. Auf Baro wurde das musikalische Spektrum um kubanische und Latinoelemente erweitert, was vor allem in Batoumanbe und einer neuen Einspielung von Cigarette A Bana zu hören ist. Aber auch sonst kombiniert Baro auf das Vorzüglichste malische Traditionen mit westlichen Einflüssen.
Nach einer ausgedehnten Welttour erscheint 2003 das Livealbum Fôly! Live around the World, welches in 150 Minuten 18 Songs aus den 3 vorangegangenen Alben präsentiert. Die Aufnahmen stammen aus verschiedenen Konzerten in Europa, wurden aber so zusammengesetzt, dass sie wie ein einzelnes Konzert wirken. In z.T. veränderten Arrangements werden die teilweise deutlich längeren Stücke hier um episch atmosphärische Elemente erweitert. Fôly! zeigt, dass Koité und Band auch brillante Livemusiker sind und ist somit alles andere als ein Best Of Album mit dazwischen gemischtem Publikum.
Auch in den folgenden Jahren touren Habib Koite & Bamada unermüdlich durch die ganze Welt mit Auftritten in Australien, Japan, Brasilien, Marroko, Südafrika, Russland, USA, Mexiko und beinahe jedem Land in Europa. Unter dem Eindruck neuer Erfahrungen und Perspektiven versteht es Koité in Hotelzimmern und Tourbussen neue Songs zu schreiben. Erste Proben zum neuen Album finden ein einem kleinen Dorf in Südbelgien statt, wo sich der Sitz seiner langjährigen Plattenfirma Contre Jour befindet. Mit den Aufnahmen begann man jedoch im vertrauten Yeleen Studio in Bamako. Weitere Aufnahmen fanden wiederum bei Contre Jour statt, während das Album in Vermont schließlich fertiggestellt wurde. Und obwohl das im Herbst 2007 veröffentlichte Afriki auf 3 Kontinenten aufgenommen wurde richtet Habib Koité den Fokus mehr den je auf seine Wurzeln und seine Heimat ohne dabei den panmalischen Ansatz in seiner Musik aufzugeben. Das Album unterscheidet sich tatsächlich nur marginal von seinem Vorgänger, zeigt aber, dass Koité sein Songwriting weiter verfeinert hat. Neu auf Afriki sind Frauenchöre sowie der Einsatz von Bläsern auf 2 Stücken. Besonders erwähnenswert ist hier Nta Dima, bei dem Antilopenhörner zum Einsatz kommen und das bis dato sein traditonellstes Stück ist. Im Stück Africa wurden die Bläser dagegen von Pee Wee Ellis arrangiert.
Das zentrale Thema auf Afriki, welches das Bamara Wort für Afrika ist, ist die Stärke und Herausforderung Malis im Besonderen und Afrika im Allgemeinen. Koité richtet sich an eine junge Generation von Afrikanern, in der Hoffnung sie davon zu überzeugen die positiven Aspekte afrikanischen Lebens anzuerkennen und schätzen zu lernen. Nur weil ein Land arm ist, muss die Lebensqualität dort nicht zwangsläufig schlecht sein. Und obwohl Mali ein armes Land ist, hat es immer noch eine gute Lebensqualität, so Koité. Man kann rausgehen und lächeln und irgend jemand wird zurücklächeln. Die ausgedehnten Reisen durch die Welt haben die Liebe zu seiner Heimat nur noch verstärkt, und das hört man Afriki mit jeder Note an.
1995: Muso Ko (Contre Jour)
1998: Ma Ya (Contre Jour)
2001: Baro (Contre Jour)
2003: Fôly! Live around the World (Contre Jour)
2007: Afriki (Contre Jour)
Freitag, 11. Juli 2008
Mounira Mitchala - Talou Lena
Die 28-jährige Sängerin und Songschreiberin aus dem Tschad wird als neuer Stern am afrikanischen Musikhimmel gehandelt. Nun ist der Tschad nicht gerade bekannt für seine Musikkultur und vor allem für junge Frauen ist es schwierig, als Musikerin Fuß zu fassen, aber Mounira Mitchala hat es schließlich geschafft, sich in N'Djamenas Musikszene zu etablieren. Im Jahr 2007 gewinnt sie schließlich den Decouvertes RFI Preis, vergeben von einer Jury, die von keinem Geringerem als Salif Keita geleitet wird. Es folgen Auftritte mit Ismael Lo und Tiken Jah Fakoly und in Frederic Gallianos Projekt African Divas erlangte sie große Aufmerksamkeit. Ihr Debütalbum produzierte sie zunächst selbst in N'Djamena und vollendete es schließlich in Frankreich.
Mit Talou Lena präsentiert das kleine französische Label Marabi nach El Hadj N'Diayes Album Géej nun das nächste Highlight und man kann es kaum glauben, dass es sich dabei um ein Debütalbum handelt. Die Songs zeugen von Reife und doch auch von musikalischer Unbeschwertheit, auch wenn die Texte meist ernster Natur sind. So geht es um die vermeintlich typischen Themen wie Aids, Krieg oder Zwangsehen, die uns doch aber gar nicht so fremd sein dürften. Es gibt aber auch Lieder, in denen sie die Schönheit ihrer Heimat besingt. Musikalisch erscheinen die Songs in einem rein akustischen Gewand, bestehend aus Gitarre, Bass, Percussion, den Lauten Oud und Garaya sowie Flöten und arabischen Violinen.
Es ist in der Tat schwierig, Highlights aus diesem Album zu nennen. Mitchala gelingt hier ein Dutzend hervorragender Songs, die zumeist leicht melancholisch daherkommen, den Blick jedoch immer nach vorne richten. Im ersten Stück Annil geht es um Zwangsehen, um junge Frauen oder Mädchen, die infolge von Armut an reiche alte Männer verheiratet werden. Zarlie ist eine Hommage an ihre Mutter und deren Heimat Guera in Zentraltschad während das ungemein ohrwurmartige Titelstück zur Versöhnung der Bevölkerungsgruppen des Tschad aufruft und den Bürgerkrieg als Grund für die Armut brandmarkt. In Dafour besingt sie die Krise im benachbarten Sudan, worunter hauptsächlich Frauen und Kinder zu leiden haben und in Al Sahara geht es um die zunehmende Ausbreitung der Wüste als Folge des Klimawandels. Mitchala versteht es perfekt, Songs mit eingängigen Melodien zu schreiben, die aber dennoch über ausreichend Kanten und Ecken verfügen und somit niemals langweilig werden. Im Gegenteil, es gibt vieles auf diesem Album zu entdecken, das einen großen Teil der tschadischen Tradtionen beinhaltet und dabei manchmal doch auch erstaunlich nah am Songwriting westlicher Prägung dran ist. Gesungen werden die Stücke übrigens durchgehend auf Tschadisch-Arabisch.
Talou Lena ist ein großartiges Debüt geworden, das vor allem auch zeigt, dass es selbst unter widrigsten Umständen möglich ist, derart herausragende Musik zu machen. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr von die dieser faszinierenden Frau aus dem Tschad zu hören sein wird.
(Marabi / 2008)
Mit Talou Lena präsentiert das kleine französische Label Marabi nach El Hadj N'Diayes Album Géej nun das nächste Highlight und man kann es kaum glauben, dass es sich dabei um ein Debütalbum handelt. Die Songs zeugen von Reife und doch auch von musikalischer Unbeschwertheit, auch wenn die Texte meist ernster Natur sind. So geht es um die vermeintlich typischen Themen wie Aids, Krieg oder Zwangsehen, die uns doch aber gar nicht so fremd sein dürften. Es gibt aber auch Lieder, in denen sie die Schönheit ihrer Heimat besingt. Musikalisch erscheinen die Songs in einem rein akustischen Gewand, bestehend aus Gitarre, Bass, Percussion, den Lauten Oud und Garaya sowie Flöten und arabischen Violinen.
Es ist in der Tat schwierig, Highlights aus diesem Album zu nennen. Mitchala gelingt hier ein Dutzend hervorragender Songs, die zumeist leicht melancholisch daherkommen, den Blick jedoch immer nach vorne richten. Im ersten Stück Annil geht es um Zwangsehen, um junge Frauen oder Mädchen, die infolge von Armut an reiche alte Männer verheiratet werden. Zarlie ist eine Hommage an ihre Mutter und deren Heimat Guera in Zentraltschad während das ungemein ohrwurmartige Titelstück zur Versöhnung der Bevölkerungsgruppen des Tschad aufruft und den Bürgerkrieg als Grund für die Armut brandmarkt. In Dafour besingt sie die Krise im benachbarten Sudan, worunter hauptsächlich Frauen und Kinder zu leiden haben und in Al Sahara geht es um die zunehmende Ausbreitung der Wüste als Folge des Klimawandels. Mitchala versteht es perfekt, Songs mit eingängigen Melodien zu schreiben, die aber dennoch über ausreichend Kanten und Ecken verfügen und somit niemals langweilig werden. Im Gegenteil, es gibt vieles auf diesem Album zu entdecken, das einen großen Teil der tschadischen Tradtionen beinhaltet und dabei manchmal doch auch erstaunlich nah am Songwriting westlicher Prägung dran ist. Gesungen werden die Stücke übrigens durchgehend auf Tschadisch-Arabisch.
Talou Lena ist ein großartiges Debüt geworden, das vor allem auch zeigt, dass es selbst unter widrigsten Umständen möglich ist, derart herausragende Musik zu machen. Bleibt zu hoffen, dass in Zukunft noch mehr von die dieser faszinierenden Frau aus dem Tschad zu hören sein wird.
(Marabi / 2008)
Mittwoch, 11. Juni 2008
Manu Dibango - Lion Of Africa
Mit etwas Verspätung wurde nun auch dieses Live CD/DVD Package
hierzulande veröffentlicht, wobei die CD hier tatsächlich relativ
überflüssig ist, da auf beiden Tonträgern das gleiche Konzert zu hören
ist, jedoch mit dem Unterschied, dass bei einer Gesamtlänge von 86
Minuten auf der CD die Ansagen und auch die Musik an 2 Stellen gekürzt
werden mussten. Die DVD hingegen ist was Klang und Bildführung angeht
absolut vorbildlich. Zu sehen und hören gibt es einen Mitschnitt aus dem
Jahr 2004 aus dem Londoner Barbican Centre. Das Konzert fand ihm Rahmen
der Black President - The Art & Legacy of Fela Kuti Reihe
statt und war gleichzeitig eine Art Feier zu Dibangos 71stem Geburtstag,
die zusammen mit seiner Maraboutik Big Band und diversen Gästen
zelebriert wurde.
Das Konzert beginnt mit Wambele, einem heißen Gebräu aus Jazz und Afrobeat und Dibangos unnachahmlichen Spiel auf Alt- und Sopransaxophon sowie zweier Chorsängerinnen. Soma Loba, auf der CD deutlich gekürzt, schaltet einen Gang zurück und präsentiert als ersten Gast den Senegalesen Baaba Maal am Mikrophon, der zusätzlich noch von einem Koraspieler unterstützt wird. Neben Eigenkompositionen und Klassikern aus seinem Repertoire erklingen aber auch Jazzstandards wie Summertime oder Midnight sun in "afrikanisierten" Versionen, auf denen Dibango auch als Marimbavirtuose glänzen darf. Big Blow ist dann die große Verneigung vor Fela Kuti, ein Afrobeatstück auf dem sich Dibango aufregende Duelle mit Saxophon Legende Courtney Pine leistet. Beim ruhigeren Cherie betritt abermals Baaba Maal, der das Stück auch geschrieben hat, die Bühne. Dibangos Landsmännin Coco Mbassi präsentiert ihr zusammen mit Richard Bona geschriebenes Dube, das nur mit Akustikgitarre und Saxophon auskommt, bevor mit Soul Makossa der vermutlich größte Hit zum Besten gegeben wird. Beim abschließende Aye Africa kommen dann noch einmal alle Gäste auf die Bühne und sorgen beim Publikum für stehende Ovationen. Das große Finale des Stücks wurde auf der CD wiederum weggelassen.
Lion of Africa bietet ein aufregendes und vitales Konzert, das leider viel zu früh zu Ende ist. Kaum zu glauben, dass Dibango damals schon 71 Jahre alt war, man sieht es ihm keinen Augenblick lang an. Und so bleibt zu hoffen, dass er sein Saxophon noch nicht so schnell an den Nagel hängen wird.
Das Konzert beginnt mit Wambele, einem heißen Gebräu aus Jazz und Afrobeat und Dibangos unnachahmlichen Spiel auf Alt- und Sopransaxophon sowie zweier Chorsängerinnen. Soma Loba, auf der CD deutlich gekürzt, schaltet einen Gang zurück und präsentiert als ersten Gast den Senegalesen Baaba Maal am Mikrophon, der zusätzlich noch von einem Koraspieler unterstützt wird. Neben Eigenkompositionen und Klassikern aus seinem Repertoire erklingen aber auch Jazzstandards wie Summertime oder Midnight sun in "afrikanisierten" Versionen, auf denen Dibango auch als Marimbavirtuose glänzen darf. Big Blow ist dann die große Verneigung vor Fela Kuti, ein Afrobeatstück auf dem sich Dibango aufregende Duelle mit Saxophon Legende Courtney Pine leistet. Beim ruhigeren Cherie betritt abermals Baaba Maal, der das Stück auch geschrieben hat, die Bühne. Dibangos Landsmännin Coco Mbassi präsentiert ihr zusammen mit Richard Bona geschriebenes Dube, das nur mit Akustikgitarre und Saxophon auskommt, bevor mit Soul Makossa der vermutlich größte Hit zum Besten gegeben wird. Beim abschließende Aye Africa kommen dann noch einmal alle Gäste auf die Bühne und sorgen beim Publikum für stehende Ovationen. Das große Finale des Stücks wurde auf der CD wiederum weggelassen.
Lion of Africa bietet ein aufregendes und vitales Konzert, das leider viel zu früh zu Ende ist. Kaum zu glauben, dass Dibango damals schon 71 Jahre alt war, man sieht es ihm keinen Augenblick lang an. Und so bleibt zu hoffen, dass er sein Saxophon noch nicht so schnell an den Nagel hängen wird.
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